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Millennium: 15. JahrhundertEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Am 12. Oktober 1492 landeten weiße, bärtige Männer auf einer Insel in Mittelamerika und setzten ein Kreuz und eine Flagge in den Boden. Dabei gaben sie dem Stück Land einen spanischen Christennamen: San Salvador. Schnell sahen sie sich umringt von Eingeborenen. Der Kapitän der Weißen, Kolumbus, beschrieb diese Eingeborenen als gut gebaute, freundliche Menschen, mit einer Hautfarbe wie die Kanarier, nicht schwarz und auch nicht weiß. Sie lebten in ihrem natürlichen Zustand, unbekleidet und unbewaffnet, und könnten leicht zu Christen gemacht werden. Es hieß auch, sie trügen Schmuck aus Gold. In San Salvador gingen die Spanier in ihrem ungeduldigen Verlangen, in Catay (China) und Cipango (Japan) zu landen, wieder an Bord. Und sie entdeckten Kuba und anschließend Hispaniola. An dieser Küste zerschellte das Flaggschiff der Expedition, die Santa Maria. 40 Besatzungsmitglieder wurden zurückgelassen, und die übrigen beiden Schiffe, die Pinta und die Niña, kehrten Anfang Januar 1493 nach Spanien zurück. Am 25. September des gleichen Jahres stach Kolumbus erneut in See, diesmal mit über 1 500 Mann und 17 Schiffen. Der Auftrag lautete jetzt, dauerhaft eine Kolonie zu gründen. Der Kurs war südlicher, die Schiffe kamen auf den Kleinen Antillen an. Jede Insel erhielt den Namen eines Heiligen, aber schließlich gab es so viele kleine Inseln, dass sie sinnigerweise „Die elftausend Mägde” (der heiligen Ursula) genannt wurden. Eine größere Insel erhielt den Namen San Juan de Puerto Rico. Von den bei der ersten Reise zurückgelassenen Spaniern war nur noch einer übrig. Zwölf Karavellen segelten nach Spanien zurück, um mehr Siedler zu holen. Drei andere Schiffe fuhren unter Kolumbus nordwärts und stießen wieder auf Kuba. Sie erklärten Kuba zum Festland, zur „äußersten Ostgrenze Asiens”. Auch entdeckte man, dass es dort nicht so viel Gold gab, wie man zunächst angenommen hatte. Im März 1495 fand das erste Gefecht zwischen Weißen und Indianern statt. 500 Indianer wurden als Gefangene nach Spanien gebracht, um dort als Sklaven verkauft zu werden, als Ausgleich für die entgangenen Bodenschätze. Für die Landwirtschaft und den Bergbau auf Kuba dachte man sich das System des repartimiento aus: Jeder Spanier erhielt eine bestimmte Anzahl von Indianern zugewiesen, die gezwungen wurden, für ihn zu arbeiten. Kolumbus war Vizekönig von Las Indias. Seine Brüder Bartolomé und Diego teilten mit ihm das Amt. Der frisch ernannte apostolische Vikar und der Spanier Pedro Margarite protestierten bei den katholischen Königen gegen die Landverteilungen und gegen die Behandlung, die den Indianern zuteilwurde. Im April 1495 wurde die Monopolstellung von Kolumbus durchbrochen. Jeder, der bestimmte Voraussetzungen erfüllte, durfte nach „Indien” fahren. Nach einer langen theologischen Auseinandersetzung wurde der Sklavenhandel von den Regenten Ferdinand und Isabella für unzulässig erklärt und verboten. Ein theologischer Kongress war zu dem Schluss gekommen, dass Indianer menschliche Wesen seien, vernunftbegabt und mit einem freien Willen. Nur diejenigen, die sich weigerten, Christen zu werden, könnten als Sklaven behandelt werden. 1498 betrat Kolumbus an der Mündung des Orinoco zum ersten Mal das südamerikanische Festland. Er nannte diese Erde „Gnadeninsel” (Isla de la Gracia). Zurück auf Kuba, fand er dort eine vollkommen veränderte Situation vor: Im Süden der Insel waren große Silberminen gefunden worden. Die Verteilung von Land und Indianern war weitergegangen und nahm endgültige Formen an. Wirtschaftlich kam die Kolonie zur Blüte, aber auf Kosten der Ureinwohner. Die Indianer waren praktisch, trotz des königlichen und kirchlichen Verbots, Zwangsarbeiter in den Diensten der europäischen Besatzer geworden. Copyright: Winkler Prins/Elsevier.
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