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Millennium: 16. Jahrhundert

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Europa in der frühen NeuzeitEuropa in der frühen Neuzeit
Artikelgliederung
5.3

Japan

Nach den Kriegen gegen die Mongolen zu Beginn des 14. Jahrhunderts waren viele Krieger verarmt zurückgekehrt. Ohne Beute – es hatte sich schließlich um einen Verteidigungskrieg gehandelt – und wirtschaftlich ruiniert durch die lange Zeit, die sie ohne Bezahlung an der Seite des Kamakuras hatten verbringen müssen, bildeten sie eine unzufriedene und zum Aufstand bereite Gruppe. Die Treue zum Kamakura-Schogunat nahm schnell ab. Diese Situation wurde sowohl von den Kriegern als auch vom Kaiser ausgenutzt. Letzterer versuchte die Kaisermacht in ihrem alten Glanz wiederherzustellen. Unter dem Namen Godaigo sammelte er unzufriedene Krieger um sich und initiierte 1331 einen Aufstand gegen den Kamakura. Der General Ashikaga Takauji, der eigentlich geschickt wurde, den Aufstand niederzuschlagen, schlug sich auf die Seite des abgesetzten Kaisers und entschied damit den weiteren Verlauf des Konflikts. Unterdessen wandte sich ein weiterer General gegen den Kamakura und ließ ihn zusammen mit seiner ganzen Familie umbringen. Nach wenigen Jahren der Restauration der Kaisermacht rebellierte Ashika Takauji gegen Godaigo. Es gelang ihm, den Kaiser zu vertreiben, aber bis zum Ende des 14. Jahrhunderts führten die Nachfahren des Schoguns und des Kaisers einen andauernden Krieg gegeneinander, der schließlich von den Nachfahren Godaigos verloren wurde. Bis 1573 hielt sich das Ashika-Schogunat, das nun seinen Sitz in Kyoto hatte, an der Macht aber diese Schogune verfügten nicht mehr über die Macht, wie einst der Kamakura. Bald wurde offensichtlich, dass die Schogune nicht ganz Japan beherrschten. Die Macht der Zentralregierung wurde immer schwächer, während das Land in Bürgerkriegen versank. Immer wieder wurden Schogune abgesetzt und durch Marionettenherrscher ersetzt. Zwar behielt man einige zentrale administrative und juristische Organe weiterhin bei, aber diese wurden mit Angehörigen der wichtigsten Familien der Militäraristokratie besetzt und waren nun auch nicht mehr so einflussreich wie früher. Die Adelsfamilien bekämpften einander, um sich die höchsten Posten und die besten Landgüter zu sichern. Zwischen 1467 und 1568 kam es ohne Unterlass zu regional begrenzten Kriegen. Dies war eine Zeit vieler kleiner, Krieg führender Staaten. Einigen dieser Adelsfamilien gelang es, ihre Herrschaftsgebiete auszuweiten und die Bevölkerung ihrer Gebiete vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Solche Lehnsherren werden Daimyo genannt. Der Daimyo hatte mehrere Funktionen. Er verwaltete sein Territorium und drückte den Sitten und Gewohnheiten der Bevölkerung seinen Stempel auf. Die Macht und der Reichtum der Daimyo maßen sich an der Größe ihrer Territorien, vor allem aber am Steueraufkommen des Territoriums und der Größe des Heeres. Die Dezentralisierung der militärischen und politischen Macht führte auch zu einer Verteilung der wirtschaftlichen Macht. Da die Daimyo die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Territorien förderten und selbst über die Steuerhöhe entscheiden konnten, blühte die Wirtschaft auf. Durch höher entwickelte Formen der Arbeitsverteilung und der Bewässerung, durch die Urbarmachung von Brachland sowie durch neue Technologien in der Landwirtschaft und im Handwerk erhöhte sich das Einkommen der Daimyo weiter. Gegen willkürliche Steuererhebungen schützten sich die Händler und Handwerker, indem sie sich in Gilden zusammenschlossen. Trotz der Dezentralisierung der Herrschaft blieb Kyoto ein wichtiges Zentrum für das Gewerbe und den Handel. Anfangs zahlten die Gilden noch ihre Steuern an den Hof, aber im Zuge der allgemeinen Machtverschiebung hin zu den Regionalherrschern versuchten die Daimyo die Macht der Gilden zu begrenzen und übertrugen ihre Aufgaben an Kaufleute, die beinahe Beamtenstatus hatten. Da das Recht auf Steuererhebung bei den Daimyo lag, war der Hof von der Großzügigkeit bestimmter Daimyo und Kaufleute vollkommen abhängig; diese machten ihm Geschenke, da er in ihren Augen noch immer ein großes Prestige hatte. Neben den Daimyo verfügten auch die Klöster über große Besitzungen und Privilegien.

Im 15. Jahrhundert hatten sich allmählich Handelsbeziehungen zum Ausland entwickelt. Eine Anzahl von Handelsmissionen war nach China gereist, und in Korea durften die Japaner einige ständige Niederlassungen gründen. Die Entwicklung des Seehandels wurde allerdings durch die Piraterie behindert, die im 16. Jahrhundert ein gewaltiges Problem werden sollte. Die Isolierung Japans wurde auch durch erste Kontakte mit den Portugiesen durchbrochen, die als die ersten Europäer 1543 auf einer Insel vor Kyushu landeten und Handelsbeziehungen zu Japan aufnahmen. Mit den portugiesischen Händlern reisten auch katholische Missionare, die bei vielen Japanern offene Ohren fanden. Einige Daimyo traten zum Christentum über, und gegen Ende des Jahrhunderts waren etwa 300 000 Japaner bekehrt worden. Inzwischen hatten sich in der japanischen Gesellschaft augenfällige Veränderungen vollzogen. Die Krieger oder Samurai verloren ihren Einfluss, unterwarfen sich den Daimyo und ließen sich in ihre Hauptquartiere holen. Die Daimyo versuchten ihre Armeen, die zum Großteil aus Bauern bestanden und meist im Umfeld einer religiösen Sekte entstanden waren, enger an sich zu binden, indem sie die Bauern ihrer direkten Kontrolle unterstellten. Bisher hatten die Bauern noch in Dörfern gelebt, die ein ziemlich großes Maß an Selbständigkeit besaßen und nur geringe Steuern bezahlen mussten.

Die abgegrenzten Territorien der verschiedenen Daimyo bildeten die Ausgangsbasis für einen neuen Anlauf zur Zentralisierung der Macht, der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts unternommen wurde. Da es in der japanischen Gesellschaft ein starkes Gemeinschaftsgefühl gab, das auf der gemeinsamen Kultur, Sprache und Abstammung gründete, fanden der Daimyo Oda Nobunaga und sein Nachfolger Toyotomi Hideyoshi viel Unterstützung bei der Wiedererrichtung einer wirksamen zentralstaatlichen Macht. Bei ihren militärischen Eroberungen nutzten sie die modernen militärischen Technologien, die von den Portugiesen nach Japan eingeführt worden waren. Nur die Reichsten der Daimyo konnten es sich leisten, ihre Armeen mit Feuerwaffen auszurüsten und große Burgen zu bauen, die zum Ausgangspunkt ihrer Operationen wurden. Diese Burgen wurden nach europäischem Vorbild errichtet, wenn auch ihre Festigkeit manchmal zu wünschen übrig ließ. An ihnen wurden hölzerne Verzierungen angebracht. Oda Nobunagas Aufstieg begann damit, dass er verschiedene Daimyo zu einer Koalition zusammenführte. Als Daimyo eines Territoriums, das im Osten der Hauptstadt lag, nahm er 1568 Kyoto ein. Er begründete dies damit, dass er die Stellung des Schoguns stärken wolle. Tatsächlich stärkte er dadurch nur seine eigene Stellung, und 1573 vertrieb er den Schogun. Damit war die Zeit der Ashikaga-Schogune endgültig zu Ende. In den folgenden Jahren dehnte Oda Nobunaga seine Macht weiter aus. Dabei waren ihm alle politischen Mittel recht. Die Aktivitäten der verschiedenen buddhistischen Sekten versuchte er zu brechen, indem er ihnen ihre weltlichen Güter nahm. Deshalb unterstützte er die Verbreitung des Katholizismus, den er für eine ungefährliche Konkurrenz zum Buddhismus ansah. Allerdings war es ihm noch nicht gelungen, ganz Japan unter seiner Kontrolle zu einigen, als er 1582 von einem seiner Vasallen ermordet wurde. Einer seiner Generäle, Toyotomi Hideyoshi, der sich in der Armee seines Förderers vom einfachen Bauern emporgearbeitet hatte, trat in die Fußstapfen Oda Nobunagas und stellte sich an die Spitze der Koalition der Daimyo. Wie sein Vorgänger nahm auch Toyotomi Hideyoshi nicht den Titel des Schoguns an, aber dank seiner großzügigen Unterstützung des kaiserlichen Hofes wurde ihm der Titel Kampaku zugesprochen, der in der Zeit der Fujiwara den Regenten der erwachsenen Kaiser verliehen wurde. Zur Durchführung seiner Kriegszüge nicht nur in Japan, sondern auch in Korea, erlegte Toyotomi Hideyoshi den Daimyo, die doch offiziell unabhängige Alliierte waren, schwere militärische Verpflichtungen auf. Außerdem zwang er sie, große Projekte seiner zentralen Administration, etwa den Bau von Straßen, Bewässerungssystemen, Festungen und Prestigeobjekten, zu unterstützen. Unter seiner Regierung wurden die Bauern zur Abgabe ihrer Waffen gezwungen und einem zentralen Besteuerungssystem unterstellt. Das gesellschaftliche Leben wurde in eine strenge hierarchische Ordnung gebracht, in der jeder seinen ganz bestimmten Platz hatte. Damit hinderte er vor allem die Angehörigen der Kriegerkaste daran, andere Funktionen auszuüben. Gegen Ende seiner Herrschaft begann er die Christen, denen er schon immer misstraut hatte, systematisch zu verfolgen. Nach seinem Tod 1598 kam es zu Auseinandersetzungen um die Macht, die bis zur Jahrhundertwende noch andauern sollten und aus denen schließlich Tokugawa Ieyasu siegreich hervorging.

6

Amerika

Auf keinem anderen Kontinent veränderte sich das Leben im Verlauf des 16. Jahrhunderts so grundlegend wie in Amerika. Segelschiffe und Pferde überbrückten Entfernungen, die bisher als unüberwindbar galten. Die Europäer gebrauchten das bei den Indianern noch unbekannte Rad und konnten so schwere Gegenstände unter Einsatz von geringer menschlicher Kraft fortbewegen. Außerdem verfügten die Europäer über Feuerwaffen, mit deren Hilfe sie sich gegen eine gewaltige indianische Übermacht durchsetzen konnten.

6.1

Die Azteken

In den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts stand das Aztekenreich in Mexiko im Zentrum des Interesses der spanischen Eroberer. Moctezuma II., eigentlich Moctezuma Xocoyotzin, war 1502 zum Aztekenkönig gewählt worden. Zuvor war er Heerführer und Hohepriester gewesen. Die Aztekengesellschaft, ehedem eine relativ demokratische Lebensgemeinschaft von Bauern und Soldaten, hatte inzwischen eine streng hierarchische Struktur ausgebildet. Ganz oben stand die königliche Familie, die mehr und mehr anwuchs. So hatte Moctezuma II. 1 000 Frauen, von denen viele in hohem Ansehen standen. Aus dieser Familie musste zu gegebener Zeit der beste männliche Kandidat für die Königswürde gewählt werden, wobei allein die persönlichen Eigenschaften, Mut und Würdigkeit, berücksichtigt wurden, nicht aber die Reihenfolge der Geburt.

Auch der Adel wurde nicht auf die folgende Generation vererbt, allein die persönlichen Verdienste zählten. Durch Tapferkeit im Kampf konnte jeder junge Mann in den Adelsstand aufsteigen und die damit verbundenen Privilegien – prächtige Häuser, edle Kleidung und Bedienstete – in Anspruch nehmen. In einer Art Klosterschule wurden Jungen und Mädchen zu Priestern ausgebildet. Die Priester überwachten die Einhaltung der Sittengesetze, vermittelten Wissen und beschäftigten sich mit den Wissenschaften und Künsten. Im Allgemeinen führten sie ein einfaches Leben. Nur diejenigen, die in der religiösen Hierarchie an herausragender Stelle standen, konnten sich in gesellschaftlicher Hinsicht mit dem Adel messen. Eine besondere gesellschaftliche Stellung kam den Kaufleuten, den so genannten Pochteca, zu, die ebenso schlau wie mutig sein mussten, um mit ihren Waren quer durch feindliche Gebiete zu reisen. Sie sprachen oft verschiedene Sprachen und wurden auch als Spione eingesetzt. Die Kaufleute gehörten einem bestimmten Clan an, der abgesondert von den anderen lebte und seine eigenen Götter verehrte. Die große Mehrheit der Bevölkerung lebte in Kollektiven, die sich aus mehreren Familien zusammensetzten. Diese Kollektive wurden Calpulli genannt. Sie bewirtschafteten gemeinsam den Boden. Die Menschen, die einem solchen Calpulli angehörten, standen in sozialer Hinsicht über den so genannten Mayeques, freien Tagelöhnern, die oft aus anderen Gebieten stammten und als Menschen ohne Wurzeln und Traditionen galten. Ganz unten standen die Sklaven, Menschen, die zur Tilgung einer Schuld oder wegen einer Straftat ihre Freiheit verloren hatten oder die von ihren Eltern in einer Notsituation verkauft worden waren. Die Sklaven waren aber nicht vollkommen rechtlos. Jeder Sklave konnte den Ehegatten frei wählen und konnte durch Verdienste die Freiheit erlangen oder gar in den Adelsstand treten. Für die Kinder gab es ab dem achten Lebensjahr eine gesetzliche Schulpflicht, wobei sich der Unterricht nach sozialem Rang und Geschlecht unterschied.

Die Gesetze der aztekischen Gesellschaft waren streng und puritanisch. Abweichungen von den Sitten und Normen wurden schwer geahndet. Die vorrangige Tugend war der Gehorsam gegenüber dem Herrscher und den Göttern. Trunkenheit, Ehebruch, Homosexualität, Prostitution und ungebührliche Sprache wurden streng bestraft, die ersten beiden sogar mit dem Tod. Dennoch wurden zu bestimmten Festen berauschende Getränke und halluzinogene Pilze (siehe Peyotl) gereicht. Der Rausch, den diese verursachten, wurde nicht mit dem Alkoholrausch gleichgesetzt. Jeder Mensch war registriert und einer Familie zugeordnet. Die Eltern waren für ihre Kinder verantwortlich, die Oberhäupter der Calpullis für die Familien, und diese standen wiederum unter der Aufsicht der Regierungsstellen. Der König unterstand allein dem Willen der Götter. Dieser göttliche Wille wurde durch Vorzeichen, Prophezeiungen und Naturereignisse ermittelt. Das Gesetz unterschied zwischen den gesellschaftlichen Ständen, so dass sozial höhergestellte Personen strengeren Gesetzen unterworfen waren als die Angehörigen der unteren Schichten. Die Richter an den beiden Gerichtshöfen in Tenochtitlán und Texcoco galten als unparteiisch und genossen hohes Ansehen. Gegen ihre Urteile gab es keine Berufung. Amtsmissbrauch wurde mit dem Tod bestraft. Die Ärzte der Azteken wussten zwar nur wenig über die Ursachen von Krankheiten, galten aber als gute Praktiker, die vielerlei Heilkräuter einsetzten. Daneben führten sie einfache chirurgische Eingriffe und den Aderlass durch.

Die Außenpolitik beschränkte sich im Wesentlichen auf die Kriegsführung und die Erhebung von Tributen, die in Naturalien, Kakao, Baumwolle, Federn, Edelsteinen, Häuten, Kleidern, Sandalen, Silber, Gold, Getreide und anderen Lebensmitteln beglichen wurden. Die unterworfenen Völker konnten ihren eigenen Lebensstil fortführen, solange sie den Sonnengott Huitzilopochtli als ihren obersten Gott anerkannten. Einmal alle 52 Jahre glaubte man, das Ende der Zeit käme. Die Priester und Edlen zogen sich zurück, um abzuwarten, ob es den Göttern behagen werde, die Sterne wieder aufgehen zu lassen, so dass ein neuer Zyklus beginnen konnte. Sobald dies geschehen war, wurde den Göttern ein Menschenopfer dargebracht.

Das Fehlen einer gemeinsamen Sprache, Religion und Kultur sowie die divergierenden Interessen der verschiedenen Völker bildeten allerdings eine Schwachstelle des Reiches. Die Azteken blieben ein Herrschervolk inmitten unzähliger unterworfener Indianerkulturen, die keinen Nutzen aus der Zugehörigkeit zum Reich zogen. So hatten die Azteken auf kaum einem kulturellen Gebiet nennenswerte eigene Leistungen erbracht und lediglich die Errungenschaften der Nachbarvölker übernommen. Nur ihre Skulpturen und ihr Federschmuck waren originell. Die Aztekenmusik kannte Schlag- und Blasinstrumente und wurde im Hofzeremoniell eingesetzt. Die Musiker waren hoch angesehen, gingen sie doch einer gefährlichen Profession nach, denn ernsthafte Fehler im Spiel galten als Beleidigung der Götter und konnten mit dem Tod bestraft werden.

Unerreichbar über allen stand der gefürchtete König Moctezuma, der tragische Herrscher, der unter dem Fluch eines Schicksals stand, das sich bereits in Vorzeichen ankündigte: Häuser, die auf dem Wasser trieben, fremde Zeichen am Himmel, Blitzschläge ohne Donner, ein Komet, der Funken blutete.

6.2

Die Konquistadoren

Die Spanier erkannten allmählich, dass das Land, das sie am Ende des vorangegangenen Jahrhunderts entdeckt hatten, nicht Indien war. Der erste spanische Gouverneur, Kolumbus, war in Fesseln nach Spanien zurückgeschickt worden, wo er abwechselnd Ehrungen und Demütigungen erfuhr. Unter den Indianern war eine katastrophale Sterblichkeit ausgebrochen. Reihenweise starben sie an den Pocken, die aus Europa eingeschleppt worden waren und gegen die sie keine Abwehrkräfte entwickelt hatten. 1517 ließ Diego Velázquez, der Gouverneur von Kuba, drei Schiffe nach Westen auslaufen, um Sklaven zu holen, welche die gestorbenen Indianer ersetzen sollten. Die Besatzung der Schiffe erreichte die Halbinsel Yucatán und traf dort auf eine ganz andere Zivilisation als die der karibischen Inseln. Die Menschen trugen dort Kleider, wohnten in Häusern aus Stein, bebauten fruchtbare Äcker und besaßen Silber und Gold. Aber die Spanier dieser und einer folgenden Expedition wurden feindselig empfangen und erlitten große Verluste. Bei ihrer Rückkehr nach Kuba berichteten sie von einem mächtigen Reich mit einer prächtigen Hauptstadt, in der der mächtige Herr von Culba’ lebe, denn unter diesem Namen kannten die Küstenvölker Moctezuma II.

Velázquez fand in Hernán Cortés einen Kapitän, der sich von den Misserfolgen der Vorgänger nicht abschrecken ließ und bereit war, eine dritte Expedition zu leiten, der aber auch so eigenmächtig und hochmütig war, dass der Gouverneur ihn wieder zurückrufen ließ. Auch durch einen Haftbefehl ließ sich Cortés nicht mehr von der Reise abhalten und fuhr mit seinem kleinen Flaggschiff von 100 Tonnen und ein paar kleineren Gefolgsschiffen dem Abenteuer entgegen. An Bord führte der kleine Trupp Abenteurer einige Pferde, Kanonen und elf Fässer mit Lebensmitteln mit sich. In Yucatán stießen sie auf einen „indianisierten” Spanier, Jeronimo de Aguilar, einen Schiffbrüchigen, der ihnen als Dolmetscher diente. Nach einem ersten Feuergefecht erbeuteten die Spanier 20 indianische Mädchen, darunter Malinche, die die Sprache der Maya kannte.

Mit Hilfe von Aguilar und Malinche konnte Cortés nun mit den Indianern kommunizieren. Er sandte einen Dorfhäuptling als Boten mit seinen Grüßen an den großen Herrscher von Tenochtitlán, und dieser, der an eine Rückkehr des Gottes Quetzalcoatl dachte, reagierte mit großer Vorsicht. Moctezuma schickte Geschenke und ließ ausrichten, dass er nicht habe kommen können und dass Cortés besser auch nicht kommen sollte, da der Weg in die Hauptstadt gefährlich sei, über Berge und Wüsten führe und voll von feindlich gesinnten Indianern sei. Cortés aber wagte ein gefährliches Spiel. Er begab sich mitten unter die von den Azteken unterworfenen Indianervölker und versprach ihnen seinen Schutz gegen Moctezuma. Gleichzeitig bewahrte er sich die Freundschaft des Gesandten des Aztekenkönigs. An den König von Spanien schickte er eine Botschaft, in der er ihm seinen Gehorsam zusicherte. Dann erklärte er, dass seine Schiffe nicht mehr seetauglich seien, und ließ die Ankertaue kappen und die Schiffe versenken. So gab es keinen Weg mehr zurück; sie mussten das Aztekenreich entweder erobern oder sterben.

Nach einem mörderischen Zug durch ödes Bergland und etlichen Kämpfen und Verhandlungen mit Indianerstämmen erreichte die Gruppe die letzten Gipfel vor dem Tal des Oaxaca, von wo aus sie auf die prächtigen Aztekenstädte mit ihren mächtigen Befestigungsanlagen herunterschauen konnten. Moctezumo ließ die Gruppe kommen und empfing Cortés mit größter Ehrerbietung. Er sprach ihn mit dem Namen Quetzalcoatl an und ließ ihn und seine Männer in einem Palast in der Stadt wohnen. Dort wohnten sie, von Aztekenkriegern umgeben, vollkommen in den Händen des Königs, der Zeit gewinnen wollte, um festzustellen, wer seine Gäste eigentlich seien und ob sie unsterblich wären. Aber Cortés gelang es, den König selbst als Geisel in seine Hände zu bekommen, und jener hielt sein Volk davon ab, den Spaniern etwas anzutun. Dieser Zustand dauerte neun Monate an (November 1519 bis Juni 1520). Obwohl Moctezuma in den Händen der Spanier war, so war er doch immer noch der König und weigerte sich, den König von Spanien als seinen Souverän anzuerkennen. Während die Azteken draußen mit ihren Waffen klirrten, wussten die Spanier, dass sie in den engen Straßen der Stadt mit ihren Pferden und Kanonen nichts würden ausrichten können. Schließlich stieg Moctezuma auf das Dach des Palastes, in dem er festgehalten wurde, um der Menge, die das Gebäude belagerte, zuzureden. Er forderte, dass man den Spaniern freien Abzug gewähren solle. Aber zu dieser Zeit hatte er seine Autorität bereits eingebüßt. Er wurde mit Steinen beworfen, von denen ihn einer am Kopf traf. Nach wenigen Tagen starb er. Den Spaniern blieb nichts anderes als eine nächtliche Flucht übrig, bei der die meisten Gefährten Cortés’ umkamen.

Auf der Flucht fand Cortés in den Tlaxcalteken, unversöhnlichen Feinden der Azteken, seine Bundesgenossen. Diese halfen ihm, während er auf Nachschub aus den Antillen wartete. Im Mai 1521 begann die Belagerung von Tenochtitlán. Die Azteken leisteten unter ihrem 18-jährigen König Cuauhtémoc heldenhaften Widerstand. Als alle Sturmangriffe der Spanier scheiterten, ließ Cortés die Stadt dem Erdboden gleichmachen. Cuauhtémoc ließ er foltern, um zu erfahren, wo jener seine Goldschätze versteckt habe, aber der junge König ertrug die Foltern stoisch bis in den Tod. Die erste Sorge Cortés’ galt nun den Steuerrollen der Azteken. Diese gaben ihm Einblick in die geographischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten des Landes. 370 Städte waren der Stadt Tenochtitlán mit jeweils einem Drittel ihres Steueraufkommens tributpflichtig. Cortés verteilte diese Städte an seine Soldaten. Wie auf den karibischen Inseln wurde auch hier das Land nach dem System der Encomienda verteilt, mit all den entsetzlichen Formen des Machtmissbrauchs, die damit verbunden waren. Die Indianer, die das Joch der Aztekenherrschaft nicht gegen ein neues Joch eintauschen wollten, begannen sich nun auch den Spaniern zu widersetzen. Es fiel den Spaniern nicht schwer, die Städte zu kontrollieren, aber das Hinterland blieb in den Händen der Indianer.

Die spanische Krone wünschte, dass die Indianer freie Untertanen des Königs von Spanien sein sollten – Padre Bartholomé de las Casas hatte bei Hof einen beträchtlichen Einfluss –, aber der Staat konnte den Konquistadoren ihre Eroberungen nicht abkaufen. 1526 kehrte Cortés nach Spanien zurück. Noch immer lag gegen ihn der Vorwurf der Gehorsamsverweigerung vor. Seinem König Karl V. brachte Cortés wertvolle Geschenke und exotische Pflanzen und Tiere mit. Begleitet wurde er von einem Tross indianischer Edelleute. Sein Einzug nach Madrid war eine Sensation. Karl V., beeindruckt von den Qualitäten des Eroberers, ernannte ihn zum Marquis des Oaxaca-Tales und schenkte ihm 22 Städte zusammen mit 23 000 Indianern. 1530 kehrte Cortés nach Mexiko zurück.

1535 wurde ein Vizekönig ernannt, Don Antonio de Mendoza, der dem Land Stabilität brachte. Einige Jahre später erreichte Bartholomé de las Casas, dass die so genannten Neuen Gesetze erlassen wurden, die den Indianern Freiheit von der Sklaverei garantieren sollten. Alle Eroberungen sollten an die Krone gehen. Aber die Konquistadoren sabotierten die Gesetze, und auch unter den Missionaren war die Haltung de las Casas’ nicht weit verbreitet, war es doch leichter, Menschen zu bekehren, die in völliger Abhängigkeit lebten. Da man einen Aufstand der Konquistadoren befürchtete, wurden die Neuen Gesetze zurückgenommen. 1550 wurde der Vizekönig Mendoza von Luis de Velasco abgelöst. Velasco schaffte die Sklaverei ab und erhielt den Beinamen „Vater der Indianer.”

Die Indianer hatten schnell begriffen, dass die schnellste Methode, die Konquistadoren loszuwerden, darin bestand, ihnen von Reichtümern zu erzählen, die irgendwo in weiter Ferne unangetastet lägen. Einer solchen Spur war Hernán Cortés gefolgt, und einer solchen Spur folgten auch die Entdecker der Westküste Südamerikas. Im Hafen von Panamá begegneten sich Diego de Almagro und Francisco Pizarro. Beide waren von niederer Herkunft und Analphabeten. Sie erzählten einander von einem legendären Inka-Reich und beschlossen, eine gemeinsame Expedition zu unternehmen. 1525 segelten sie los, mit zwei Schiffen und 160 Mann, von denen zwei Jahre später nur noch 13 das Abenteuer fortführen wollten. Diese kleine Gruppe wartete mit Pizarro auf Verstärkung, die Almagro holen wollte, aber jenem gelang es nicht, genügend Abenteurer zusammenzutrommeln, um sich in ein so schwer erreichbares und mächtiges Reich zu wagen. 1528 reiste Pizarro nach Spanien, um dort Unterstützung für seine Pläne zu finden. Er musste allerdings ein Jahr warten, bis er die Papiere erhielt, die ihn als Oberbefehlshaber über Neukastilien auswiesen.

Anfang 1530 traf er mit 200 Mann, darunter drei Brüder und ein Halbbruder, wieder in Panamá ein. Die Papiere, die er bei sich hatte, bewiesen, dass er sich in Spanien nicht besonders um die Angelegenheiten seines Kompagnons gekümmert hatte. Dennoch fügte sich Almagro vorläufig in seine Rolle und nahm wieder die Sorge für den Nachschub auf sich. Pizarro segelte los. Almagro sollte ihm später folgen. 1532 wurde der Verbindungshafen San Miguel de Piura errichtet. Zu jener Zeit gab es, zum ersten Mal in der Geschichte des Inka-Reiches, zwei konkurrierende Inka-Fürsten, die sich um die Macht stritten. Es handelte sich dabei um zwei Halbbrüder und Söhne des letzten Königs, von denen Huascar der Tradition folgend der rechtmäßige Thronfolger war, während Atahualpa durch das Testament des Vaters zum Nachfolger bestimmt worden war. Als die spanischen Konquistadoren in das Land kamen, hatte Atahualpa gerade seinen Bruder besiegt.

Mit 106 Infanteristen und 67 Kavalleristen rückte Pizarro über den Andenkamm in ein ausgezeichnet organisiertes Inka-Reich vor. Unterwegs begegneten die Spanier keinem einzigen abtrünnigen Stamm. Im Tal von Cajaniarca besetzten die Spanier eine verlassene Festung, während ganz in der Nähe das riesige Heer des Atahualpa lagerte. Mit 30 000 Soldaten war er gerade auf dem Rückweg von seinem Sieg über Huascar. Die Situation ähnelte so sehr der von Cortés in Mexiko, dass Pizarro beschloss, die gleiche Strategie einzusetzen.

Er schickte eine Botschaft an Atahualpa und bekam die Antwort, dass dieser ihm am folgenden Tag einen Besuch abstatten werde. Bei Tagesanbruch setzte sich das Inka-Heer langsam zur Festung hin in Bewegung. Gegen Mittag war sie von den Inka-Kriegern vollkommen eingekreist. Dann erschien der Inka-Herrscher auf einem reich verzierten Tragstuhl mit seinen Edlen und einer Garde von 5 000 Mann. Hinter ihm füllte sich der Platz. Als der König eintraf, trat ein spanischer Priester auf ihn zu, das Kreuz in der einen Hand und ein Messbuch in der anderen, und forderte ihn auf, sich dem König von Spanien zu unterwerfen. Der beleidigte Herrscher ließ sich das Messbuch geben und schleuderte es zu Boden. Daraufhin rief der Priester zum Heiligen Krieg. Die Spanier schossen von den Dächern der Gebäude, während die Kavalleristen auf ihren Pferden durch die Menge stürmten. Atahualpa wurde sofort gefangen gesetzt, seine Edlen getötet. Die Inka, die noch nie Pferde oder Feuerwaffen gesehen hatten, gerieten in Panik und versuchten sich zu retten. Tausende von ihnen kamen um. Als die Vorhut die Flucht ergriff, schloss sich ihr auch der Rest des Heeres an. Cajamarca war erobert.

Nur der Inka-König blieb ruhig und bot den Spaniern einen Saal voll Gold für seine Freiheit an. Bis dieses Gold aufgetrieben war, blieb er Gefangener der Spanier. Aber auch als Gefangener blieb er der König der Inka. Es waren seine Befehle, nicht die der Spanier, denen die Inka gehorchten. Das musste Pizarro feststellen, als er den König töten ließ und daraufhin Anarchie ausbrach. Pizarro war gezwungen, einen Nachfolger zu suchen und fand ihn schließlich in Tupac Inka und nach dessen frühem Tod in Huascars Sohn Manco Capac. Beide schworen dem spanischen König Vasallentreue, und so konnte Pizarro friedlich in Cuzco einziehen. Die Goldgier seiner Soldaten war allerdings nicht zu bremsen, und so plünderten und vernichteten sie die Kunstschätze der Stadt. Pizarro verfügte nicht über die Autorität, um den Exzessen seiner Soldaten ein Ende zu bereiten, die durch ihre Brutalität und Gier immer wieder neue Aufstände auslösten. In Quito führte Rurnifiahui sein Volk in einen Aufstand, der im Dezember 1534 mit der vollständigen Vernichtung der Stadt endete.

Im Tal des Riniac wurde am 6. Januar 1535 eine neue Hauptstadt gegründet: Rimac de los Reyes, das spätere Lima. Diego de Almagro hatte nach der Eroberung von Cuzco und der Errichtung Neukastiliens (Peru) die Zusage erhalten, dass er die Herrschaft über alle Gebiete, auf die er südlich von Cariete stoßen würde, erhalten würde. Dieses Gebiet, ein schmaler Küstenstreifen zwischen den Anden und dem Pazifik, wurde Neutoledo genannt und entspricht dem heutigen Chile. Hier waren allerdings keine Goldschätze zu erwarten, und so gerieten die beiden Konquistadoren bald in Auseinandersetzungen über die Herrschaft in Cuzco.

Als die Unzufriedenheit über die Landverteilung bei den Indianern wuchs, sah der Inka-Herrscher Manco die Zeit für gekommen, um seinen Vasalleneid zu brechen und mit Pizarro abzurechnen. Ganz Peru erhob sich zum Aufstand. Die Spanier mussten sich in die Städte zurückziehen, Pizarro nach Lima und seine Brüder, die eine immer wichtigere Rolle spielten, nach Cuzco. Diese Situation nutzte Diego de Almagro, der gerade auf dem Weg nach Chile war, und machte kehrt. Während sich die Inka in den Bergen verschanzt hatten, eroberte Almagro die Stadt Cuzco und nahm zwei der Brüder Pizarros gefangen. Inzwischen zog Pizarro nach Cuzco, um seinen Rivalen wieder zu vertreiben. Almagro stellte sich ihm in den Weg. Die Indianer in den Bergen durften nun das erbauliche Schauspiel betrachten, wie sich ihre Peiniger gegenseitig abschlachteten. Almagro verlor den Kampf, und Pizarro ließ ihn an der Garrotte (Würgeisen) erdrosseln.

Aber damit war der Konflikt zwischen den Konquistadoren noch nicht zu Ende. Der gleichnamige Sohn Diego de Almagros trat in die Fußstapfen seines Vaters und führte den Kampf fort. 1541 wurde Pizarro in seinem Haus in Lima ermordet. Sein Nachfolger als Gouverneur wurde der junge Mestize Almagro. Unterdessen dauerten die Indianeraufstände in den Bergen an.

Im Norden Chiles war Almagro auf das Volk der Araukaner getroffen. Ihre Haltung zu den Spaniern unterschied sich von Anfang an von der der Inka oder der Azteken. Sie kannten keine Mythen oder Wahrsagungen über einen göttlichen Fürsten, der zu ihnen zurückkehren würde. Die Araukaner widersetzten sich erbittert gegen jeden Versuch einer Invasion. Almagro musste daher unverrichteter Dinge abziehen, ohne eine Kolonie zu gründen. Als Pedro de Valdivia sich zur Eroberung dieses Gebietes meldete, konnte er nur zwölf Spanier finden, die zu diesem Abenteuer bereit waren. So gründete er 1541 mit ihnen und 1 000 Mann indianischer Hilfstruppen den Stützpunkt Santiago. Die Stadt Valdivia wurde 1552 gegründet. Immer wieder kamen neue Kolonisten. Die Ernennungsurkunde Pedro de Valdivias zum Gouverneur Neutoledos war schon unterwegs, als im Dezember 1553 die Araukaner völlig überraschend das Fort Tucapel überfielen. Sie hatten den richtigen Zeitpunkt gewählt. Ihr junger Häuptling Lautaro hatte bei den Spaniern als Stallmeister gearbeitet und hatte die Taktiken der Europäer studiert. Außerdem verfügten die Araukaner nun auch über Pferde. Ihr zweiter Anführer war der Held Capaulican. Die Araukaner zwangen die Spanier, sich ihnen in einer Schlucht zu stellen, aus der ein Rückzug unmöglich war und in der die indianische Übermacht besonders zur Geltung kam. Valdivia fiel den Indianern lebend in die Hände und starb einen grausamen Tod. Nachdem Lautaro auch den Nachfolger Valdivias, Villagrán, vernichtend geschlagen hatte, machte er sich daran, alle Niederlassungen, die von den Spaniern noch nicht geräumt worden waren, zu überfallen. Dazu gehörte auch Santiago. Lautaro fiel im Jahr 1557.

Unterdessen waren die Bürgerkriege in Peru zu Ende gegangen. Dadurch konnte der Vizekönig der südlichen Nachbarprovinz einen Teil seiner Truppen zur Verfügung stellen. Unter dem Kommando seines Sohnes, Garcia Hurtado de Mendoza, traf das ausgezeichnet geschulte Heer im Sommer 1558 in Chile ein. Schon bald erwies es sich, dass die Araukaner weder mit Versprechungen noch Drohungen zum Frieden zu bewegen waren. Don Garcia blieb nichts anderes übrig, als den allmählich wieder eintreffenden Siedlern seinen Schutz anzubieten. Da die Araukaner ihren Kampf nicht aufgaben, mussten die spanischen Siedlungen durch die ständige Anwesenheit eines stehenden Heeres geschützt werden. Der Dichter Alonso de Ercilla, der als Soldat mit den Truppen Don Garcias nach Chile gekommen war, schrieb ein Heldengedicht über den Kampf von Lautaro und Capaulican, mit dem sowohl die Spanier als auch die Araukaner geehrt wurden.

Nach der Eroberung Mexikos und Perus gab es eine wahre Welle von Konquistadoren, die von allen Seiten nach Amerika eindrangen. Mut und Torheit trieben zahlreiche Abenteurer auf die Suche nach dem sagenhaften Staat des Goldes, dem Eldorado. Die meisten Versuche, es Pizarro und Cortés gleichzutun und ganze Reiche im Handstreich zu besiegen, misslangen, und viele der Abenteurer starben an Insektenstichen, Krankheiten oder Hunger. Mit Ausnahme der Gebiete, die durch große Ströme leicht zu erreichen waren, entstanden die spanischen Siedlungen nur an der Küste. 1536 wurden die Siedlungen Nuestra Señora Santa Maria del Buen Aire (Buenos Aires) und Nuestra Señora de la Ascensión gegründet. Von dort aus zog Nuño de Chaves auf der Suche nach dem Eldorado nach Westen. Er stieß schließlich auf Spanisch sprechende Indianer: Er hatte Peru erreicht. Damit war Chaves der erste Entdecker, der den Kontinent von Ost nach West durchquert hatte. In umgekehrter Richtung stieß Francisco de Orellana auf der Suche nach Proviant für eine hungernde Expedition auf einen der Quellflüsse des Amazonas. Unfreiwillig trieb er von dort aus in den Jahren 1541 und 1542 die 6 280 Kilometer bis an den Atlantik. Seine Berichte über kriegerische Frauen, welche die Ufer gegen Eindringlinge verteidigten, gaben dem Fluss seinen Namen. Orellana wurde zum Gouverneur von Amazonien ernannt, aber er erlitt Schiffbruch, und das Amt blieb unbesetzt. Viele der Siedlungen, die an der Küste und an den großen Flüssen entstanden, wurden bald wieder verlassen. Die Gründe dafür waren Indianerüberfälle, Arbeitskräftemangel, Hunger und Krankheiten.

6.3

Die Portugiesen

Für seine Seefahrt nach Indien verfügte Brasilien über einzelne Stützpunkte an der Ostküste Südamerikas, einen einzigen Hafen, den auch die Spanier nutzten, und ein paar Faktoreien, in denen Brasilholz verarbeitet wurde. Erst als die spanischen Kolonien in Südamerika immer weiter anwuchsen und damit die portugiesischen Besitzungen bedrohten, begannen sich die Portugiesen für ihre amerikanischen Überseebesitzungen zu interessieren. 1531 landete eine Expedition unter Martin Alonso de Sousa in Pernambuco. De Sousa teilte seine Truppen in zwei Gruppen. Einige Männer zogen nach Norden bis an die Mündung des Amazonas, die zweite Gruppe unter der Leitung De Sousas erforschte das Gebiet südlich des Hafens. Von dieser Gruppe trennten sich 80 Männer, um das Gerücht über große Schätze im Inland zu untersuchen. Von dieser Gruppe hörte man nie wieder etwas. Es stellte sich heraus, dass das Gebiet für eine organisierte Kolonisierung zu groß war und dass der Weg, den Spanien beschritt, d. h. die Verteilung von Lizenzen an Konquistadoren, die dann die Kolonisierung auf eigene Rechnung betrieben, der einzige mögliche war. König Johann III. unterteilte das Land in zwölf Provinzen (Capitanias), die jeweils eine Küstenlinie von 50 Leguas (280 Kilometer) hatten und ins Landesinnere unbegrenzt waren. Jede Provinz unterstand einem so genannten Capitán. Nur Pernambuco blieb als Sitz der Verwaltung und Hafen unter der direkten Herrschaft des Königs. Die einzelnen Capitanias konnten sich allerdings ohne Hilfe von außen kaum behaupten. Von innen wurden sie von den Indianern bedroht, von der Küste her von französischen Flüchtlingen, den Hugenotten. So schickte der König einen Gouverneur nach Brasilien, Thomas de Sousa, der im Mai 1549 mit sechs Schiffen und 300 Soldaten, 300 Freiwilligen, 400 freigelassenen Zwangsarbeitern und sechs Jesuitenpriestern in Brasilien landete. Die neue Hauptstadt wurde Bahia de Todos los Santos (Allerheiligenbucht). Sousa bemühte sich sehr um den weiteren Zuzug von Portugiesen und die Christianisierung der Indianer. In dieser Hinsicht wurde er von seinem Nachfolger, Dom Duarte da Costa, der ihn 1553 als Gouverneur ablöste, noch übertroffen. Dom Duarte brachte ein ganzes Heer von Jesuiten mit, die die Indianer bekehren und das Land entwickeln sollten. Sein Nachfolger wurde 1558 Mem de Sá, der energisch das Eindringen französischer Hugenotten bekämpfte und 1573 die zweite Hauptstadt, Rio de Janeiro, gründete. Die portugiesischen Kolonien beschränkten sich auf die Küstengebiete. Die Berge und das Hinterland wurden nur sehr langsam erschlossen. Dies bildete einen Gegensatz zu den vielen abenteuerlustigen Portugiesen, die selbst von Peru aus bis an den Atlantik vordrangen und vom Río de la Plata aus nach Westen bis über die Anden zogen.

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