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Millennium: 17. Jahrhundert

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Heinrich Schütz: Italienische MadrigaleHeinrich Schütz: Italienische Madrigale
Artikelgliederung
1

Einleitung

Zum Thema Millennium sind die folgenden weiteren Texte verfügbar: Millennium: Geographie; Millennium: Kunst; Millennium: Literatur; Millennium: Technik und Mobilität; Millennium: 11. Jahrhundert; Millennium: 12. Jahrhundert; Millennium: 13. Jahrhundert; Millennium: 14. Jahrhundert; Millennium: 15. Jahrhundert; Millennium: 16. Jahrhundert; Millennium: 18. Jahrhundert; Millennium: 19. Jahrhundert; Millennium: 20. Jahrhundert.

2

Die Welt im Überblick

In Europa lebten Mitte des 17. Jahrhunderts etwa 100 Millionen Einwohner. Während einige europäische Länder eine bisher unbekannte wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit erreichten, waren andere vom Niedergang gezeichnet oder vollkommen zerrüttet. Dies traf auch auf die meisten der deutschen Länder zu, die die Folgen des Dreißigjährigen Krieges noch lange nicht überwunden hatten. Von den ehemals 20 Millionen Einwohnern erlebten nur 14 Millionen den Abschluss des Westfälischen Friedens. Von der zu Beginn des Krieges bedeutenden Militärmacht Spaniens waren nur noch Reste übrig. Die Osmanen, die kurz zuvor ganz Südosteuropa beherrscht hatten, wurden immer weiter zurückgedrängt (siehe Türkenkriege).

Aber diese Bilder waren nicht für das gesamte Europa charakteristisch. In Westeuropa gaben zu dieser Zeit vor allem Frankreich, die Niederländische Republik und England den Ton an. Frankreich erlebte unter Ludwig XIV., der 1643 König wurde, einen Aufschwung, den man im vorigen Jahrhundert nicht für möglich gehalten hätte. Minister Colbert, ein Vertreter des Merkantilismus, schuf die finanziellen Bedingungen, die das Wachstum des Absolutismus in diesem Staat förderten. England und die Niederländische Republik, seit 1689 durch Wilhelm III. in einer Personalunion miteinander verbunden, erwarben die Vormachtstellung unter den Handelsnationen, wobei England hier in den letzten Jahrzehnten weiter in den Vordergrund trat. In Mitteleuropa entwickelte sich Brandenburg-Preußen dank seines ständigen Wechsels zwischen den Großmächten zu einem neuen Machtfaktor (siehe Friedrich Wilhelm von Brandenburg). Wie in Frankreich brachte auch hier der Merkantilismus mehr Wohlstand und höhere Steuereinnahmen. Österreich – ebenfalls ein Land, das wie Brandenburg-Preußen weniger unter der deutschen Depression zu leiden hatte – ging nach 1683, als ganz Europa während der Belagerung Wiens durch die Türken die Vernichtung der Habsburger befürchtete, in die Offensive und gab damit auch den inneren Staatsangelegenheiten eine positive Wendung. Schweden, das bis 1660 kontinuierlich expandierte, verlor nach und nach Gebiete an Russland, das gerade im Begriff war, sich zu einem riesigen Reich zu entwickeln. Gegen Ende dieses Jahrhunderts erstreckte sich das Zarenreich von Ostsibirien bis an die Mongolei im Süden und fast bis an die Ostsee im Westen. Trotz heftigen Widerstands schuf der neue Zar, Peter der Große, die Basis für eine zunehmende Verwestlichung des Landes.

Die Europäer schienen allmählich mehr Vertrauen in den Staat als institutionelle Steuerkraft der Wirtschaft zu setzen. Die Ansprüche auf wissenschaftlichem Gebiet förderten zusätzlich den Glauben an den Fortschritt, wenn auch noch nicht in der breiten Masse der Bevölkerung. Gestärkt durch das Vertrauen in die menschliche Vernunft, zeigte sich dieser Fortschritt vor allem in den naturwissenschaftlichen Leistungen Galileo Galileis und Isaac Newtons sowie in dem befreienden Denken von Francis Bacon, René Descartes, Thomas Hobbes und John Locke. Viele Theoretiker dieser Zeit, darunter auch Baruch Spinoza, predigten das friedliche Zusammenleben, was sie nicht nur als ratsam, sondern als gerecht empfanden. Allerdings fanden diese Denkmodelle in der Praxis kaum ein Echo.

Englische und französische Kolonialisten eigneten sich in Nordamerika immer mehr Gebiete an. Auch auf den Westindischen Inseln lag die Macht in den Händen europäischer Nationen. Mittel- und Südamerika waren zum überwiegenden Teil in zwei spanische Vizekönigreiche aufgeteilt. Brasilien war eine portugiesische Kolonie.

In Afrika verlor das Handelsimperium der Portugiesen an Bedeutung. Die Beziehungen zu den Staaten auf diesem Kontinent verschlechterten sich oder wurden ganz abgebrochen. Vor allem die Konkurrenz der Niederländer, die mit der Kapkolonie (siehe Kapprovinz) über ein starkes Bollwerk verfügten, nahm zu. Siehe auch Kolonialismus

Auch in Asien waren seit dem vorigen Jahrhundert vielfältige Veränderungen zu beobachten. Das Mongolenreich beherrschte in Indien mittlerweile fast den gesamten Subkontinent. In China endete 1644 die Periode der Ming-Dynastie. Die Macht übernahm die von den Mandschu gegründete Qing-Dynastie, die bei den Chinesen allerdings auf heftigen Widerstand stieß. Nach dem großen Krieg (1620-1674) zwischen den Trinh (Tonking) und den Nguyen (Annam) in Südostasien, aus dem die Nguyen mit portugiesischer Hilfe als Sieger hervorgingen, herrschte in diesem Gebiet nun Frieden. Im ostindischen Archipel gelang es den Niederländern, mit der Vereinigten Ostindischen Kompanie Fuß zu fassen. In Japan errichtete das Tokugawa-Schogunat ein solides Steuersystem und riegelte den Staat nach außen hin nahezu vollkommen ab.

3

Europa

3.1

Die deutschen Länder

Kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg lebten in den deutschen Ländern etwa 20 Millionen Menschen. Mitte des 17. Jahrhunderts waren es nur noch 14 Millionen, die übrigen waren durch das Kriegsgeschehen, Hungersnöte und Epidemien umgekommen. Der Schriftsteller Hans Jakob von Grimmelshausen vermittelt in seinem Roman Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch (1669) ein eindringliches Bild des Krieges. Von Grimmelshausen hatte diese schwere Zeit am eigenen Leib erfahren müssen: Er verlor seine Eltern, geriet anschließend in die Gefangenschaft hessischer Soldaten und erlebte sowohl in der kaiserlichen als auch in der schwedischen Armee viele Kriegsabenteuer. Grimmelshausens Schicksal war eher die Regel als eine Ausnahme, denn die ganze Bevölkerung hatte sehr zu leiden.

Hier folgt ein Augenzeugenbericht vom März 1648, dem letzten Kriegsjahr. Man könnte es mit unzähligen anderen Zitaten ergänzen, die doch alle nur dasselbe beinhalten würden: Mord, Plünderung und Armut. Der Abt Maurus Friesenegger vom Benediktinerkloster Andechs in Bayern schreibt in seinem Tagebuch: „Etwa zu dieser Zeit setzte unsere Armee bei Donauwörth über die Donau und schlug zwischen Donau und Lech ihr Lager gegenüber dem Feind auf, der nicht weit entfernt war. Und diese Überfahrt bedeutete die Vernichtung des gesamten bayrischen Bezirks zwischen Lech und Isar. Am 25. März hörten wir bereits, dass das Kloster Indersdorfen sowie die meisten der Burgen und Dörfer in der Umgebung geplündert worden waren. Es mussten dort wahre Barbaren gehaust haben. Mir war bang, von München aus nach Hause zu gehen, und doch entschloss ich mich dazu. Bald schon hörte ich, dass die Freibeuter oder Räuberhorden Herrsching, Frieding und andere Orte in der Nähe von Andechs geplündert hatten und vor allem viele Pferde mitnahmen. Unterwegs begegnete mir nichts als Elend – arme Familien, die ihre kleinen Viehherden mit größter Mühe vor sich hertrieben, ihre Kinder und das spärliche Eigentum auf Wagen und Karren mitschleppten und ihr Heil in einer unsicheren Flucht suchten. Zu Hause traf ich Hunderte von weinenden Flüchtlingen an, gebeugt unter ihrer Armut und umringt von ihren Kindern, Hilfe aus dem Himmel erflehend, da sie diese auf Erden nicht finden konnten. Und all dies hatten unsere eigenen Leute angerichtet, die wir dafür auch noch mit hohem Sold bezahlen mussten! … Nachdem das gesamte umliegende Land durch die Unsrigen bis an die Alpen geplündert und schlimmer als der Feind behandelt worden war, zog sich unsere Armee bei Regensburg wieder über die Donau zurück, und ein jeder, dem bange war, fasste wieder neuen Mut, nach Hause zurückzukehren … Aber die Qualen schienen kein Ende nehmen zu wollen! Manch einer wurde nach seiner Rückkehr zu Hause oder noch unterwegs vollkommen ausgeraubt und bestohlen. Sie kehrten noch ärmer als zuvor in ihr miserables Leben zurück.”

Natürlich zeigten die Schrecken des Krieges noch Nachwirkungen, von denen sich einzelne Regionen jedoch schneller als andere erholten. Im Kurfürstentum Brandenburg-Preußen gelang es z. B. relativ zügig, wieder eine stabile Wirtschaft aufzubauen, wodurch die Einwohner dieses Landes schon bald in ansehnlichem Wohlstand leben konnten.

Besondere Probleme bereitete die Kommunikation zwischen den einzelnen Landesteilen, was allerdings nicht weiter verwunderlich war, wenn man sich die Entfernung vorstellt, die zwischen Ostpreußen und Kleve im Westen zu überwinden war.

Brandenburg entwickelte sich, vor allem nach der Aufnahme von 20 000 französischen Hugenotten im Jahr 1685, zum kulturellen Zentrum des deutschen Nordens. Fürst Friedrich Wilhelm (von Brandenburg) und seine Frau Sophie Charlotte beschäftigten sich intensiv mit der Förderung von Literatur und Wissenschaft. An ihrem Hof hielt sich auch der berühmte Rechtsgelehrte Samuel von Pufendorf auf, der in seiner De jure naturae et gentium libro octo (1672; Acht Bücher von Natur und Völkerrecht) das Naturrecht zum Objekt einer selbständigen Wissenschaft erklärte. Er war lange Zeit als Historiograph und Geheimrat bei Hofe tätig. Das Stadtbild gestaltete sich zunehmend moderner. 1685 entstanden mächtige Befestigungsanlagen, und der Hafen, der nach dem Bau des Friedrich-Wilhelm-Kanals zwischen Oder und Spree entstand, belebte das Alltagsbild. 1696 wurde die Akademie der Künste gegründet.

Halle, die kleine Stadt an der Saale, war zum Ende des Jahrhunderts das Zentrum der deutschen pietistischen Strömung. Dank der Bemühungen des lutheranischen Theologen August Hermann Francke konnte auch hier 1694 eine Universität errichtet werden, die unter der Leitung von Anhängern dieser Frömmigkeitsbewegung stand.

Das südlichste der deutschen Länder, Österreich, überwand die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges ebenso wie Brandenburg-Preußen schneller als die anderen. Nach Beginn der Offensive gegen die Türken dehnte sich das Herrschaftsgebiet in Richtung Osten immer weiter aus, und 1687 wurde Ungarn zur habsburgischen Erbmonarchie erklärt. 1683 noch schien die Hauptstadt Wien kurz vor der Eroberung durch die Osmanen zu stehen (siehe Belagerungen von Wien). Doch unter Führung von Bürgermeister Liebenberg und Graf Starhemberg überstand sie die zwei Monate dauernde Belagerung und erlebte seither eine Periode des Aufschwungs. Sie wuchs über die einengenden Stadtwälle hinaus, und auf Plätzen, wo kurz zuvor die Zelte der türkischen Belagerer standen, entstanden zahlreiche barocke Paläste und Kirchen.

Ein vollkommen anderes Bild hingegen zeigte Buda (siehe Budapest), die ehemalige Hauptstadt Ungarns, die den vielen Angriffen der Habsburger zum Opfer fiel. 1686, nach der Wiedereroberung durch Prinz Eugen von Savoyen, wurde deutlich, dass die Stadt ihre frühere Funktion nicht mehr erfüllen konnte. An die Stelle Budas trat jetzt das näher bei Wien gelegene Preßburg.

Weiter nördlich lag die vierte bedeutende Stadt, in der nun die Habsburger regierten: Prag, das Zentrum Böhmens mit der 1348 gegründeten Karls-Universität. Prag spielte bereits in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts eine wichtige Rolle: als Ausgangspunkt von Konflikten, die aber häufig auf friedlichem Wege beigelegt werden konnten.

München, die Hauptstadt des Hauses Wittelsbach in Bayern, erlebte die schlimmste Zeit des Krieges in den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts. 1632 besetzten die Schweden die Stadt, und 1634 folgten die Spanier. Durch den Ausbruch der Pest starb ein Großteil der Bevölkerung. Doch wer München danach besuchte, wurde nicht mehr an diese Ereignisse erinnert. Die Stadt bot mit ihren vielen Palästen und Kirchen, die im Renaissance- oder Barockstil errichtet wurden, wieder ein imposantes Bild. Auch in anderen Gegenden Bayerns war die Pracht der Kirchen und Paläste auffallend.

Das Kurfürstentum Sachsen hatte seine Position als bedeutendster protestantischer Staat an Brandenburg-Preußen verloren. Dieser Machtwechsel offenbarte sich in beiden Hauptstädten. Dresden mit seiner berühmten Staatskapelle galt lange Zeit als eine Hochburg der Kultur. Heinrich Schütz, der 1627 die erste deutsche Oper, Daphne, komponierte, arbeitete 55 Jahre als Dirigent dieser Kapelle. Dresden erlitt 1685 durch einen Großbrand erhebliche Zerstörungen. Dennoch kamen kurze Zeit später – Kurfürst Friedrich August war inzwischen König von Polen geworden – Gerüchte auf, die von einem möglichen Wiederaufbau Alt-Dresdens zu einer prunkvollen Residenz kündeten. Die zweitwichtigste Stadt Sachsens war Leipzig, das in seinen Mauern die wohl beste Universität des Reiches, spezialisiert auf Literaturwissenschaft und schöne Künste, beherbergte. Die Zentrumsfunktion Leipzigs innerhalb des deutschen Buchhandels steigerte den kulturellen Wert dieser Stadt noch.

Hannover war mittlerweile ein Kurfürstentum. In der gleichnamigen Hauptstadt lebte seit 1676 Gottfried Wilhelm Leibniz, der größte deutsche Universalgelehrte. Er stand als Bibliothekar und Historiker in den Diensten von Ernst August und unterhielt von Hannover aus einen Briefwechsel mit Hunderten von Gelehrten in ganz Europa.

Im Gegensatz zu vielen deutschen Handelsstädten, die durch die holländische Konkurrenz und die Kriegsverwüstungen keinerlei wirtschaftliche Bedeutung mehr besaßen, konnten die Hansestädte Hamburg, Lübeck und Danzig ihre Vormachtstellung im Ostseehandel auch weiterhin behaupten. Die freie Reichsstadt Hamburg entwickelte sich zu einem Zentrum für den Handel mit Leinen, Lübeck spezialisierte sich auf Leder, und das weiter östlich gelegene Danzig war der wichtigste Getreideumschlaghafen Europas. Der Wohlstand dieser Hansestädte spiegelte sich in den Patrizierhäusern wider, die den städtischen Plätzen einen vornehmen Charakter verliehen.

Hier wurden nur einige der unzähligen Fürstentümer, Fürstbistümer und freien Reichsstädte genannt. Die meisten anderen waren im Hinblick auf das internationale Geschehen völlig unbedeutend. Offiziell gehörten sie zwar noch der Reichseinheit an, die aber kaum mehr als real existierend wahrgenommen wurde.

In vielen Bereichen ließ sich ein Großteil der Bevölkerung vom Aberglauben leiten, was z. B. in der noch immer weiten Verbreitung des Hexenglaubens zum Ausdruck kam. Vor allem in Frankreich machte man sich über die deutsche Gutgläubigkeit oft lustig. Die Werke der deutschen Wissenschaft galt unter Spöttern häufig als langweilig und wenig originell, weil sie angeblich nur das Wissen anderer zusammentrug. Aber: Der Ruhm vieler deutscher Gelehrter und Künstler dieses Jahrhunderts drang bis ins Ausland. Namen wie Leibniz, Pufendorf, Heinrich Schütz und Johannes Kepler waren ein Begriff. Das Werk des Theologen Gottfried Arnold spiegelte den christlichen Einheitsgedanken, der zunehmend an Einfluss gewann, wider: Unpartheiische Kirchen- und Ketzerhistorie (1699).

3.2

Schweden

Obwohl das Königreich Schweden nicht mehr als eine Million Einwohner zählte, entwickelte es sich im 17. Jahrhundert zu einem gewaltigen Reich. Gustav II. Adolf schuf hierfür während des Dreißigjährigen Krieges die Grundlage, als seine Armeen in den deutschen Ländern große Siege für Schweden errangen. Die Früchte dieser Arbeit erntete dann Axel Oxenstierna, der große Staatsmann, der hinter Königin Christine stand. Rund um die Ostsee gelang es eigentlich nur Dänemark und einigen Gebieten Brandenburg-Preußens, ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Unter dem neuen Königshaus Pfalz-Zweibrücken, das ab 1654 regierte, schien die ehemalige Macht des Reiches jedoch zu schwinden. Nur durch intensive Hilfe seitens Frankreichs konnte die Position wieder einigermaßen stabilisiert werden.

Zahlreiche Künstler und Meister aus dem Ausland lebten im 17. Jahrhundert in Schweden. So gaben z. B. in der Hauptstadt Stockholm französische und italienische Musiker den Ton an. Die erste große Komposition, der ein schwedischer Text zugrunde lag, das Vater Unser (Fadher wár), soll auf den von Königin Christine engagierten Italiener Albrici zurückgehen. Die Bildhauerarbeiten für den Hof wurden fast ausschließlich von niederländischen und französischen Meistern geschaffen. Gleiches galt für andere Bereiche der bildenden Kunst. Im Gegensatz dazu stand das Gebiet der Literatur. Hier ist beispielsweise Georg Stiernhielm zu nennen, dem es in seinen Werken gelang, die Möglichkeiten seiner eigenen Muttersprache kunstvoll umzusetzen. Siehe auch schwedische Literatur

Stockholm umgab eine internationale Atmosphäre, die nun auch mit dem neuen königlichen Palast im italienischen Barockstil zum Ausdruck gebracht werden sollte. Stockholm entwickelte sich unter den Wasa zu einer bedeutenden Stadt. Uppsala hingegen konnte dies bereits im 15. Jahrhundert von sich behaupten, als hier die erste Universität des Landes gegründet wurde. Seit 1669 steht in dieser Universitätsbibliothek der berühmte Codex Argenteus, eine um 500 entstandene Handschrift, die die Evangelien aus Ulfilas gotischer Bibelübersetzung enthält. Auch in Lund, das in diesem Jahrhundert aus dänischem in schwedischen Hoheitsbesitz überging, wurde 1688 eine Universität gegründet. Früher war dies einmal die größte Stadt Skandinaviens und Sitz der dänischen Erzbischöfe. Die Pracht des alten Lund konnte man gegen Ende des Jahrhunderts jedoch nur noch erahnen. Die Stadt wurde während des 1. Nordischen Krieges größtenteils verwüstet.

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