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Millennium: 18. JahrhundertEnzyklopädieartikel
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Neuspanien, die große mittelamerikanische Kolonie der Spanier, war in ihren Wirtschaftsbeziehungen vollkommen auf das Mutterland ausgerichtet. Die politische Macht befand sich in den Händen der Großgrund- und Minenbesitzer, die in der Praxis mehr Einfluss als die Kolonialbeamten hatten. Im 18. Jahrhundert wurden zwei neue Vizekönigreiche gegründet, Neugranada (Kolumbien, Ecuador, Venezuela und Panamá) und das Vizekönigreich von La Plata (Argentinien, Uruguay und Paraguay). 1767, nach der Ausweisung der Jesuiten aus dem spanischen Südamerika, kam es zum Niedergang der so genannten reducciones, Siedlungen bekehrter Indianer in Paraguay, die von Missionaren unterrichtet und angeleitet wurden. Der Jesuitenpater Dobritzhoffer schrieb 1774 einen Bericht über sein Leben unter den Guarani-Indianern. Über das Leben und die Sitten dieser Indianer schrieb er u. a.: „In diesen Wäldern wird erstaunlich viel Mau und anderes Gemüse sowie Tabak angebaut. Bevor sie zu Bett gehen, setzen sie ihre Töpfe mit Fleisch oder Gemüse auf das Feuer, so dass ihr Frühstück fertig ist, wenn sie aufwachen, denn bereits bei Tagesanbruch beginnen alle Männer über sieben Jahre mit Bündeln von Pfeilen durch den Wald zu ziehen und nach dem Wild Ausschau zu halten, das sie an diesem Tag essen werden. Die Mütter legen ihre Kinder in geflochtene Körbe und tragen sie auf ihren Schultern, wenn sie durch den Wald ziehen. Aus den Bienennestern, die von den Bäumen hängen, sammeln sie große Mengen an vortrefflichem Honig, der sowohl gegessen als auch getrunken wird. In der Guarani-Sprache nennen sie Gott Tupa, aber von diesem Gott und seinen Geboten wollen sie nicht viel wissen. Die Gottesverehrung kennen sie ebenso wenig wie eine Götzenanbetung. Den Geist des Bösen nennen sie Ananga, aber sie beten ihn nicht an. Ihre Toten setzen sie – nach einem alten Guarani-Ritus – in großen Gefäßen aus Ton bei. Sie beschäftigen sich nie mit der Frage, was mit ihnen nach dem Tod geschehen könnte. Sie essen kein Menschenfleisch, obgleich die benachbarten Indianer dies für eine Delikatesse halten. Jeden Fremden, sei er Indianer, Spanier oder Portugiese, verdächtigen sie feindlicher Absichten … Auf Fragen nach ihrem Wohnort antworten sie, dass dieser sehr weit entfernt und nur über viele Sümpfe zu erreichen sei, eine schlaue Antwort, die von der Sorge um sich und ihre Frauen diktiert wird … Damit ihre Fußspuren ihren Zufluchtsort nicht preisgeben, wenden sie folgende List an: Wenn sie an einen Ort über einen südlichen Weg kommen, kehren sie über einen nördlichen Weg zurück und umgekehrt, so dass die Spanier keine Ahnung von ihrem Versteck bekommen.” Das alte Vizekönigreich Peru erlebte in den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts einen Indianeraufstand unter der Führung des Inka Tupac Amaru II. Seither begannen die Machthaber, die Indianer ernster zu nehmen und vorsichtige Reformen einzuleiten, die auf eine sprachliche und kulturelle Assimilierung der Indianer abzielten. Nachdem in den brasilianischen Regionen Minas Gerais und Mato Grosso große Gold- und Diamantvorkommen entdeckt worden waren, erlebte die portugiesische Kolonie einen wahren Goldrausch. In der Folge wurde allerdings die Landwirtschaft vernachlässigt. Insbesondere der Anbau von Zuckerrohr war rückläufig.
Außer Marokko standen alle nordafrikanischen Staaten während des 18. Jahrhunderts unter osmanischer Oberhoheit. Im Sudan (Bornu, Darfur, Segu, Futa Toro und Futa Djalon) und in der Regenwaldzone (Oyo, Ashanti und Dahomey) lagen mächtige afrikanische Reiche. Die Niederlassungen der Europäer an den Küsten Afrikas waren im Vergleich zu diesen Reichen ziemlich schwach. Nur im äußersten Süden des Kontinents gerieten immer größere Gebiete unter europäische Herrschaft. Von der Kapkolonie, die Eigentum der Niederländischen Vereinigten Ostindischen Kompanie war, breitete sich der europäische Einfluss aus. Befanden sich 1700 noch alle Siedlungen in einem Umkreis von 100 Kilometern vom Kap, so erstreckte sich dieser Radius in der Mitte des Jahrhunderts schon auf 400 Kilometer. Am Ende des Jahrhunderts – die Kapkolonie war inzwischen von den Briten besetzt worden – erreichten die ersten Kolonisten bereits den 800 Kilometer östlich des Kaps gelegenen Groot-Vis-Fluss. In diesem Gebiet kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit den Bantuvölkern der Xhosa, Pondu und Thembu über die Weiderechte. Aus dem gleichen Grund flammten im Nordwesten Kämpfe mit den Khoikhoin oder Hottentotten, wie sie von den Weißen genannt wurden, und den nach Süden ziehenden Herero auf. Die Buschmänner oder San wurden von den Kolonisten heftig verfolgt. Man warf ihnen vor, das Vieh der Siedler zu rauben. 1798 berichtete ein Reisender: „Allein das Wort ‚Buschmänner‘ flößt der ganzen Kolonie einen Schreck ein. Die Viehhalter verabscheuen sie und glauben, dass sie nichts Verdienstvolleres tun können, als sie zu töten, wo immer sie ihnen begegnen. Ein Bauer aus Graafl-Reinet antwortete auf die Frage, ob es auf den Wegen viele Wilde gebe, dass er gerade erst vier von ihnen umgebracht habe. Er bekannte das mit solch einer Kaltblütigkeit und Ruhe, als habe er über vier getötete Rebhühner gesprochen. Ich selbst habe einen anderen Viehhalter gehört, der sich rühmte, dass er eigenhändig 300 dieser armseligen Geschöpfe getötet habe.” Das Interesse der Europäer an Afrika nahm im Verlauf des 18. Jahrhunderts stark zu. Man begnügte sich nicht mehr mit den Niederlassungen an der Küste, in denen mit Gold und Sklaven gehandelt wurde. Mehrere Expeditionen bemühten sich um die Erkundung des afrikanischen Inlands. 1770 entdeckte der Engländer James Bruce die Quellen des Blauen Nil, und in den Jahren 1795 bis 1797 erforschte Mungo Park das Nigergebiet. Seit 1788 förderte die African Association in London die Erforschung dieses Kontinents. Dennoch waren die meisten Afrikaner noch nie einem Europäer begegnet. Riesige Gebiete waren auch am Ende des Jahrhunderts noch nicht kartographisch erfasst, wenngleich das geographische Wissen zwischen dem Erscheinen der Karte d’Anvilles im Jahr 1749 und der Karte James Rennells im Jahr 1798 deutlich zugenommen hatte. Dass der afrikanische Kontinent viel langsamer erschlossen wurde als andere Erdteile, lag an der Unzugänglichkeit seines Inlands. 1790 schrieb der Geograph Rennell: „In geographischer Hinsicht ist Afrika einzigartig. Der Kontinent wird von keinen Binnenmeeren durchdrungen, wie etwa das Mittelmeer, die Ostsee oder die Hudsonbai, er ist nicht mit großen Seen bedeckt, wie das in Nordamerika der Fall ist, noch strömen dort wie auf den anderen Kontinenten große Flüsse von der Mitte in die entlegensten Gebiete. Im Gegenteil, die Teile werden voneinander durch die undurchdringlichsten aller Grenzen getrennt: öde Wüsten von solch riesigen Ausmaßen, dass diejenigen, die sie durchqueren, von dem grauenhaftesten aller Tode bedroht werden, dem Tod durch Verdursten. Können wir angesichts derartiger Umstände über unser Unwissen über das Inland oder über die langsame Entwicklung der Zivilisation auf diesem Kontinent erstaunt sein?” Die Haltung der Afrikaner gegenüber den Europäern war je nach Region unterschiedlich: Während man in Nordafrika den Europäern eher Verachtung entgegenbrachte, hatten die Weißen in Ostafrika einen besseren Ruf, abgesehen von Äthiopien, wo die Europäer auf deutliche Ablehnung stießen. Im vom Sklavenhandel geprägten Westafrika mischten sich Bewunderung für die Europäer und ihre Leistungen mit der Furcht vor ihrer Grausamkeit. Die Händler bezogen ihre Sklaven vor allem von der Sklavenküste (Nigeria, Benin, Togo), der Goldküste (Ghana), dem Nigerdelta, aus Angola und dem Kongo. Vor allem Briten und Franzosen betrieben diesen Handel und in geringerem Umfang auch Portugiesen und Niederländer. Die afrikanischen Sklavenjäger brachten aus dem Inland die gewünschte Anzahl von Sklaven zu den europäischen Handelsposten an der Küste und tauschten ihre Ware gegen Feuerwaffen oder Konsumartikel. Mit den so erworbenen Feuerwaffen konnten sie ihre Machtposition und die ihrer Völker ausbauen. So gründete die Macht des Königreichs der Ashanti, das sich über ein riesiges Gebiet in Westafrika erstreckte, auf dem Besitz von europäischen Feuerwaffen. In Europa wuchs unterdessen der Widerstand gegen die Sklaverei. 1772 entschied der Oberste Gerichtshof in London, dass ein Sklave mit dem Betreten des Bodens Großbritanniens frei sei. 1787 wurde die Society for the Abolition of the Slave Trade (Gesellschaft für das Verbot des Sklavenhandels) gegründet. In Frankreich, wo es seit 1788 die Société des Amis des Noirs (Gesellschaft der Freunde der Schwarzen) gab, stand man der Sklaverei seit der Revolution ablehnend gegenüber. Allerdings ging nicht jeder davon aus, dass die Abschaffung des Sklavenhandels sinnvoll wäre. Der Afrikaforscher Mungo Park schrieb 1799 in seinem Reisebericht Travels in the interior of Africa (Reisen im Inneren Afrikas), dass „angesichts des unaufgeklärten Zustandes ihres Geistes” das Ergebnis der Abschaffung des europäischen Sklavenhandels „nicht so weit reichend oder heilsam [wäre], als es viele weise und achtbare Menschen von Herzen erwarten.” Nicht nur Europäer betrieben die Sklaverei. Die Tuareg in der Sahara hielten seit alters her schwarze Sklaven und handelten mit ihnen. Das Königreich Darfur im östlichen Sudan war der Ausgangspunkt von großen Sklavenkarawanen quer durch die Wüste. In den Barbareskenstaaten an der Mittelmeerküste wurden noch immer europäische Sklaven gehalten, wenngleich nicht mehr so viele wie im 17. Jahrhundert, als allein in der Stadt Algier 35 000 christliche Sklaven lebten. Trotzdem stand die Zahl weißer Sklaven in keinem Verhältnis zur Anzahl verschleppter schwarzer Sklaven, die sich auf mehrere Millionen belief.
In Vorderindien fiel der Niedergang des Mogulreiches zeitlich mit der Unterwerfung eines Großteils des Subkontinents durch europäische Handelsgesellschaften zusammen. Nach dem Tod Aurangsebs im Jahr 1707 setzten die Moguln ihr äußerst verschwenderisches Hofleben fort, obwohl das Reich wirtschaftlich am Rande des Abgrunds stand und eine Provinz nach der anderen sich abspaltete. Mohammed Shah, der nach einer Reihe von schnellen Thronwechseln eine Zeit lang im großen Stil regierte, schien in der Tat nur an prunkvollen Hoffestivitäten interessiert zu sein. Zur Finanzierung seiner aufwendigen Hofhaltung erhöhte er die Abgaben des Bauerntums bis an die Grenze des Erträglichen. Dies war eine der Ursachen für die sinkende Anzahl von kleinbäuerlichen Landbesitzern. Eine weitere fand sich in der Umverteilung des Bodens. Bauern, die ihre Steuern nicht mehr zahlen konnten, mussten ihr Land verkaufen. Auf diese Weise erhielten zahlungskräftige Dorfvorsteher mehr Boden und damit mehr Macht über die Dorfgemeinschaft. In der Mitte des 18. Jahrhunderts machten sich die Gouverneure von Murshidabad (siehe Bengalen), Hyderabad (Golconda) und Lucknow (Oudh) selbständig. So bestand das Mogulreich beim Tod Mohammed Shahs im Jahr 1748 nur mehr aus einem kleinen Gebiet zwischen Delhi und Agra. Von nun an stritten sich die Marathen und die Afghanen um die Macht in Indien. Die Marathen-Föderation eroberte in der ersten Hälfte des Jahrhunderts Mittelindien und drang von dort aus weiter nach Norden. 1761 wurden ihre Armeen in Panipat von den Afghanen unter Ahmed Shah vernichtend geschlagen. Infolge dieser Niederlage zerfiel die Marathen-Föderation in kleinere Fürstentümer, etwa das der Sindhia in Gwalior und das der Gaekwar in Baroda. Aber auch Ahmed Shah konnte sich seines Sieges nicht lange erfreuen. Nachdem er Delhi zerstört hatte, wurde er von den Sikhs von Lahore unter der Führung Ranjit Singhs geschlagen. Innerhalb von 25 Jahren hatten sich die drei wichtigsten politischen Mächte des Subkontinents gegenseitig ausgeschaltet. In der Folge verlagerte sich der Mittelpunkt des Geschehens nach Südindien und nach Bengalen. Hier bemühten sich die Briten um den Ausbau ihrer Herrschaft. Die englische Ostindische Kompanie hatte sich vor allem in Bengalen eine gute Ausgangsposition geschaffen, seitdem sie 1660 Fort William, ihre erste Niederlassung in den Sümpfen bei Kalkutta, gegründet hatte. Die Ostindische Kompanie beschränkte ihre Aktivitäten nicht nur auf den Handel. Von den Mogulherrschern erhielt sie die Feudalherrschaft über etwa 40 Dörfer im Umland von Kalkutta. Der Tribut, den die Gesellschaft an den Mogulherrscher entrichten musste, stand mit 3 000 Rupien jährlich in keinem Verhältnis zum Profit von über 300 000 Pfund, den sie während der ersten Hälfte des Jahrhunderts alljährlich steuerfrei erwirtschaftete. Mit der Hilfe von indischen Händlern und Wucherern konnte die Ostindische Kompanie den Anbau von Zucker, Opium, Baumwolle, Seide, Indigo und Reis unter ihre Kontrolle bringen und Zehntausende Handwerker als Schuldsklaven für sich arbeiten lassen. Der Nawab von Bengalen, der sich inzwischen von den Mogulherrschern losgesagt und Bihar und Orissa annektiert hatte, beobachtete die wachsende Macht der Ostindischen Kompanie mit Argwohn. Um ihre Macht einzudämmen, überfiel er einige ihrer befestigten Handelsniederlassungen. 1757 erlitt er allerdings eine empfindliche Niederlage. Der englische Hauptmann Clive besiegte in Plassey mit etwa 3 000 Mann das etwa 70 000 Mann starke bengalische Heer, dessen Oberbefehlshaber von den Briten gekauft worden war. Mit diesem Sieg konnte die Ostindische Kompanie ihre Herrschaft über ganz Bengalen ausbauen. Sie war nun gleichzeitig Handelsgesellschaft und Regierung. Etwa 20 Jahre lang konnte sie das Land unkontrolliert ausbeuten und plündern. Nachdem die Berichte über die Missstände in Bengalen schließlich im Parlament in Westminster debattiert wurden, erließ der Premierminister William Pitt 1784 den India Act, der die Einrichtung einer Aufsichtsbehörde vorsah. Der erste Generalgouverneur, Cornwallis, sorgte dann auch dafür, dass die Ostindische Kompanie ihre Steuern bezahlte. Zwei Millionen Pfund führte die Gesellschaft alljährlich nach London ab, einen Betrag, der Schätzungen zufolge über fünf Prozent des britischen Bruttoinlandprodukts ausmachte. Gesteigert wurden die Erträge auch durch die allmähliche Ausschaltung der zamindars, der alten Feudalherren. Bisher hatten diese zamindars das Recht, in ihrem Gebiet die Steuern einzutreiben, wenn sie einen bestimmten, relativ geringen Betrag an die Zentralregierung bezahlten und außerdem ihre eigenen Heereseinheiten unterhielten. Mit einer Landreform machte Cornwallis diese zamindars zu steuerpflichtigen Großgrundbesitzern, denen die Enteignung drohte, wenn sie ihre Steuern nicht bezahlen konnten. Das Land wurde dann an geschäftstüchtige Städter verkauft. Diese Reform störte nicht nur das traditionelle Zusammenspiel von Landwirtschaft und Handwerk, sondern entzog auch dem ländlichen Raum sehr viel Kapital und Lebensmittel, die nach Kalkutta oder ins Ausland flossen. Mit der Ausschaltung der Klasse der Feudalherren kam der Niedergang des Handwerks, das bisher von der Nachfrage der prunksüchtigen Prinzen und zamindars gelebt hatte. Die verarmten Handwerker mussten ihre Produkte an die Vertreter der Ostindischen Kompanie abtreten. Viele von ihnen, vor allem die Weber, verlagerten ihre Aktivitäten nun auf die Landwirtschaft. Eine ständig wachsende Zahl von Pächtern bestellte immer kleinere Parzellen Landes. Gleichzeitig forderten die Vertreter der streng hierarchisch aufgebauten Ostindischen Kompanie immer höhere Steuern ein. 1770 kamen bei einer Hungersnot zehn Millionen Menschen ums Leben. Das entsprach etwa einem Drittel der Gesamtbevölkerung. Seither traten regelmäßig Hungersnöte auf, ohne dass das Steueraufkommen darunter gelitten hätte. Bis zum Ende des Jahrhunderts stiegen die Grundsteuersätze alljährlich um zehn Prozent an. Gegen Ende des Jahrhunderts war ein Drittel des fruchtbaren Bodens verlassen worden und vom Dschungel überwuchert. Wo früher Landwirtschaft betrieben wurde, streiften nun Tiger durch den Busch. Die einstige Perle des Ostens war zu einem Armenhaus verkommen. Überall in Bengalen brachen Bauernaufstände aus, die vom Regenten der Ostindischen Kompanie, dem unerbittlichen Warren Hastings, mit schonungsloser Härte niedergeschlagen wurden. Um die Bauern einzuschüchtern, ließ er die Aufständischen in ihren Dörfern standrechtlich erschießen, legte den Dörfern unbezahlbare Geldbußen auf und ließ die Angehörigen der Aufständischen als Sklaven abführen. Aber auch die unabhängigen indischen Fürstentümer hatten mit Unruhen zu kämpfen. Warren Hastings bot diesen Fürsten großzügig seine Dienste in der Aufstandsbekämpfung an und erhielt dafür wirtschaftliche und politische Zugeständnisse. Auf diese Weise erlangte er die Kontrolle über Benares und einen Großteil des Königreichs Oudh. So wurde die Ostindische Kompanie, die den passenden Beinamen Company Bahadur (mutige Gesellschaft) erhielt, auch in Nordindien zur bedeutendsten politischen Macht. Die Unterwerfung Südindiens war mit viel größeren Schwierigkeiten verbunden. Neben dem nicht unerheblichen holländischen und französischen Einfluss in diesem Gebiet lag das vor allem an dem erbitterten Widerstand des Fürstentums Mysore. Dieser Staat war sicher von den Bergen der West- und Ostghats umschlossen und daher von den Auseinandersetzungen zwischen den Marathen und den Moguln nicht betroffen. Das Land hatte eine starke Armee, und seine hoch entwickelte Landwirtschaft und der Handel mit Eisenwaren und Glasprodukten trugen zu einem relativ großen Wohlstand bei. Die Bauern litten dort nicht unter den Formen der Ausbeutung, die auf dem Rest des Subkontinents vorherrschten. 1761 kam der muslimische Heerführer Hyder Ali an die Macht. Mit der Unterstützung von französischen Militärberatern baute er eine Berufsarmee auf, die durch ihre Disziplin, Beweglichkeit, Ausrüstung und modernen Taktiken von den übrigen indischen Armeen deutlich abstach. Hyder Ali annektierte einige Gebiete und geriet dadurch in Auseinandersetzungen mit den Staaten der Marathen-Föderation und Hyderabad. Diese Fürstentümer waren zwar durch innere Machtkämpfe und die unablässige Ausbeutung ihrer eigenen Bevölkerung geschwächt, aber mit der Unterstützung der Briten konnten sie Mysore die Stirn bieten und selbst in die Offensive übergehen. Anfangs gelang es Hyder Ali, alle Angriffe abzuwehren und die Briten bis nach Madras zurückzudrängen. Aber die Ostindische Kompanie, die inzwischen Verstärkung bekommen hatte, brachte ein Bündnis mit fast allen südindischen Fürstentümern zustande und schaltete die beiden anderen europäischen Mächte aus, indem sie die französische Flotte abfing und die niederländische Festung Negapatam einnahm. Mysore war nun auf sich selbst gestellt. Tipu Sultan, der seinem Vater 1782 auf den Thron folgte, musste sich letztlich der Ostindischen Kompanie unterwerfen, die ihm harte Reparationszahlungen auferlegte und seine beiden Söhne als Geiseln verschleppte. Nachdem er die Reparationen bezahlt und seine Söhne zurückerhalten hatte, zeigte es sich, dass der Widerstand dieses Herrschers noch nicht gebrochen war. Tipu Sultan schloss ein Geheimbündnis mit den Franzosen und wurde in seiner Hauptstadt ein führendes Mitglied des freidenkerischen Bundes der Jakobiner. Beunruhigt von dieser Entwicklung, fielen die Briten 1799 erneut nach Mysore ein und setzten der Unabhängigkeit Mysores, der Pracht von Seringapatam und den jakobinischen Ideen in Indien ein Ende. Nach 30 Jahren war die letzte indische Großmacht ausgeschaltet. Ganz Indien war dem Zugriff Englands ausgeliefert.
Im Jahr 1700 regierte K’ang-hsi, der zweite Kaiser der Qing-Dynastie, die 1644 gegründet worden war, über das Chinesische Reich. Obwohl die Qing aus der Mandschurei kamen und damit keine Chinesen waren, behielten sie doch das chinesische Verwaltungssystem bei und übernahmen den Beamtenapparat ihrer Vorgänger. Kaiser K’ang-hsi blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1722 auf dem Thron. Sein Nachfolger wurde sein vierter Sohn, der unter dem Namen Jung Tscheng 1723 den Thron bestieg. Über diese Thronfolge wurden verschiedene Geschichten erzählt. Ursprünglich soll Kaiser K’ang-hsi seinen ältesten Sohn zum Nachfolger bestimmt haben. Die vielen Brüder dieses Sohnes, die alle gerne Kaiser geworden wären, sollen ihn dann mit schwarzer Magie in den Wahnsinn getrieben haben. Danach habe sich K’ang-hsi bis zu seinem Tod nicht mehr über die Thronfolge äußern wollen, bestimmte aber seinen 14. Sohn in mehreren offiziellen Dokumenten zum Nachfolger. Als K’ang-hsi mit 61 Jahren auf dem Sterbebett lag, soll der vierte Sohn eines dieser Dokumente in die Hand bekommen haben und auf raffinierte Weise das Wort vierzehnter zu vierter verfälscht haben. Um zu verhindern, dass seine Brüder diesen Betrug entdeckten, trachtete Jung Tscheng sofort nach seiner Thronbesteigung danach, alle Dokumente, die sich auf die Thronfolge bezogen, unter Verschluss zu bringen. Um sicherzugehen, ließ er außerdem alle seine Brüder einsperren oder unter die Aufsicht seiner engen Vertrauten stellen. Jung Tscheng erwies sich als ein fähiger Politiker und Herrscher. Er festigte die Macht des Kaisers und richtete einen Kronrat ein, der ihm direkt unterstand und mit dem er jeden Tag die wichtigsten Anliegen besprach. Außerdem bekämpfte er wirkungsvoll die Korruption unter den Beamten und führte mehrere Finanzreformen durch. Er regierte allerdings nicht lange und starb 1736. Über seinen plötzlichen Tod gab es viele Mutmaßungen. Gerüchten zufolge soll er von einer unbekannten Frau ermordet worden sein. Sein Nachfolger wurde Qianlong, unter dem die Herrschaft der Qing den Höhepunkt ihrer Macht erreichte. Im Inland waren die politischen Verhältnisse stabil, die Verwaltung funktionierte gut, und die Armee gewann an Stärke. Außerhalb der Grenzen des Reiches brachte das Militär riesige Gebiete unter seine Kontrolle. Aus der Äußeren Mongolei, gegen die die Qing-Armeen schon oft vorgegangen waren, drangen immer wieder dsungarische Stämme in das Chinesische Reich ein. In der Mitte des Jahrhunderts führte Kaiser Ch’ien Lung mehrere Feldzüge gegen die Dsungaren, die sie schließlich unterwarfen. Zur selben Zeit festigte China seine Kontrolle über Tibet, mit dem es seit dem vorangegangenen Jahrhundert in Kontakt stand. Dort herrschten chaotische Zustände. Mehrere Male wurden Dalai-Lamas abgesetzt und vertrieben. Außerdem stand Tibet in Kontakt mit den Dsungaren, was die Qing natürlich nicht begrüßten. Nach einem Einfall der Dsungaren in Tibet wurden diese von chinesischen Truppen vertrieben. Seither verblieben eine chinesische Garnison und zwei Residenten in Lhasa, um den Dalai-Lama „vor weiteren Gefahren zu beschützen”. Im selben Jahrhundert wurden außerdem Korea, die Ryukyu-Inseln, Vietnam und Birma zu chinesischen Tributärstaaten. Auch Nepal musste eine jährliche Abgabe an China entrichten, nachdem ein Stamm aus Nepal nach Tibet eingedrungen war und durch die Chinesen vertrieben wurde. Der chinesische Handel mit Europa entwickelte sich weiter. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahrhunderten waren es nun vor allem die Engländer, die sich im Handel mit China engagierten. Sie wurden von der Ostindischen Kompanie vertreten. Die chinesische Regierung hatte eine Anzahl von Regeln für den Auslandshandel eingeführt. So standen alle Geschäfte mit Ausländern unter der Aufsicht des so genannten Hoppo, wie diese Institution von den Ausländern ausgesprochen wurde. Nur Kaufleute, die zur Gilde der Cohong gehörten und damit direkt dem Hoppo unterstanden, durften als Handelspartner der Ausländer auftreten. Seit 1757 durften solche Geschäfte nur noch in der Stadt Kanton getätigt werden. Aufgrund der vielen Bedingungen, die China an den Außenhandel stellte, entstanden allmählich immer mehr Probleme. Verschiedene Delegationen aus dem Westen, darunter auch niederländische, versuchten diese Probleme zu lösen, konnten aber keine Erfolge erzielen. Ein gewisses Aufsehen erregte der Besuch des englischen Gesandten Macartney am Hof in Peking. Macartney weigerte sich, dem Kaiser den traditionellen Kotau zu entbieten, jene Verbeugungsbewegung, die in China als ein Zeichen des Respekts gegenüber einem Ranghöheren gilt. So machen Kinder gegenüber ihren Eltern, Schüler gegenüber ihren Lehrern und jeder natürlich gegenüber dem Kaiser den Kotau. Macartney verweigerte den Kotau, da er ihn für gleichbedeutend mit dem Niederknien in Europa hielt. Der Vorfall war für das gegenseitige kulturelle Unverständnis zwischen den Chinesen und den Europäern, das die Ursache zahlreicher Probleme war, bezeichnend. Auch die westlichen Missionare, die in den letzten Jahrhunderten in großer Zahl nach China geströmt waren, begannen auf Widerstände zu stoßen. Die Jesuiten, die als Erste nach China kamen, hatten recht viel Einfluss gewonnen. Viele von ihnen konnten Chinesisch lesen und sprechen und sich recht gut in die chinesische Ideenwelt einfühlen. Außerdem verurteilten sie nicht alle chinesischen Riten. Vor allem unter Kaiser K’ang-hsi genossen sie großes Ansehen. Als der Papst es ihnen allerdings verbot, die christlichen Riten an die der Konfuzianer anzupassen, begann ihr Einfluss in China zu schwinden. Unter Kaiser Jung Tscheng und seinem Nachfolger Qianlong setzten die ersten Christenverfolgungen ein. Qianlong, der zu Beginn seiner Herrschaft eine sehr überlegte Politik verfolgte, begann im Lauf der Jahre immer mehr von seiner Macht an He Schen abzugeben, einen hohen Offizier, den er schließlich zum Premierminister ernannte. Unter dem Patronat He Schens breitete sich die Korruption in großem Stil aus. Erst mit dem Tod des Kaisers und dem Amtsantritt seines Nachfolgers Chia Ch’ing im Jahr 1796 verlor He Schen seine Macht. He Schen wurde enthauptet. Unter Kaiser Chia Ch’ing begann der Niedergang der Qing-Dynastie. Die Korruption in der Verwaltung des Reiches ließ sich kaum mehr bekämpfen, und der Großteil der erhobenen Steuern floss in die Taschen der Steuereintreiber. Die Unzufriedenheit über die herrschenden Verhältnisse kam 1776 im Aufstand des Weißen Lotus zum Ausdruck. Die Bewegung des Weißen Lotus bestand zum Teil aus Mitgliedern einer Geheimgesellschaft, zum größeren Teil aber aus gewöhnlichen Räubern. Die Führer des Aufstands waren entschlossene Gegner der Herrschaft der mandschurischen Qing und sagten der Korruption den Kampf an. Obwohl der Aufstand vor allem den Charakter eines Bandenkrieges hatte, gelang es den Herrschern bis zur Jahrhundertwende nicht, den Aufstand niederzuschlagen. In kultureller Hinsicht erlebte das Chinesische Reich eine Blütezeit. Vor allem das Porzellan aus der Zeit der Kaiser K’ang-hsi und Qianlong war auch in Europa hoch begehrt. Die Malerei, die sich bereits im vorangegangenen Jahrhundert entwickelt hatte, wurde weiterhin kultiviert. Nie zuvor entstanden so viele literarische Sammelwerke wie im 18. Jahrhundert. Der kaiserliche Hof ließ verschiedene Prachtausgaben historischer und literarischer Werke, Enzyklopädien usw. anfertigen. Unter Kaiser Qianlong erhielt eine Anzahl von Gelehrten den Auftrag, die Vollständige Bibliothek der Klassiker, der Geschichte, der Philosophie und der Literatur zusammenzustellen. Nach ungefähr zehn Jahren vollendeten sie dieses Werk mit 79 339 Bänden. Die Entwicklung des Romans setzte sich fort. Zu den bekanntesten Werken gehören das Hong-lou meng (Der Traum der roten Kammer), welches das Leben einer sehr großen und reichen Familie beschreibt, und das Zhu-lin wai-se (Die Gelehrten), ein satirischer Roman über die Korrumpiertheit der konfuzianischen Gelehrten. Einer der berühmtesten Dichter seiner Zeit war Juan Méi (1716-1797), der sowohl Lyrik als auch Prosa verfasste.
Obwohl die niederländische Vereinigte Ostindische Kompanie während des 18. Jahrhunderts große finanzielle Verluste erlitt, gelang es ihr, das politische, wirtschaftliche und soziale Leben des Malaiischen Archipels nachhaltig zu beeinflussen. Die Kompanie vergrößerte ihre Macht, indem sie durch Abkommen mit den örtlichen Fürsten immer mehr staatliche Verfügungsgewalten an sich riss. Als Gegenleistung für ihren militärischen Beistand bei der Niederschlagung eines Aufstands gewährte ihr das javanische Königreich Mataram zunächst eine Anzahl von Handelsmonopolen, darunter das Monopol auf die Einfuhr von Opium und Leinen und die Ausfuhr von Zucker aus Japara und Semarang. Nach dem ersten javanischen Erbfolgekrieg (1705) trat Mataram der Ostindischen Kompanie einen Teil der Insel Madura und Cirebon ab. 1743 schloss die Kompanie einen Vertrag mit Mataram ab, in dem sie das Recht erhielt, eigene Verwaltungsbeamte und Regenten einzusetzen. Wieder erwarb die Kompanie neue Gebiete: Semarang, Japara, Surabaya, den Rest der Insel Madura, Rembang und das östliche Ende Javas. Nach dem dritten javanischen Erbfolgekrieg (1755) bewirkte die niederländische Intervention die Teilung des Reiches in die Fürstentümer Yogyakarta und Surakarta. Die Ostindische Kompanie erhob Abgaben und unterstützte im Gegenzug die Fürsten und den Adel, so dass eine stabile Beziehung von gegenseitigen Abhängigkeiten geschaffen und die bestehenden sozialen Strukturen verfestigt wurden. So entwickelten sich allmählich politische Herrschaftsstrukturen, wobei die Ostindische Kompanie die Rolle der Regierung übernahm. Man kann die Abgaben, die die verschiedenen Gebiete leisten mussten, durchaus mit den Steuern vergleichen, die eine Regierung von ihren Untertanen erhebt. Der Erfolg, den die Ostindische Kompanie im politischen Bereich errang, stand allerdings in starkem Gegensatz zu ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. 1779 hatte sie bereits einen Schuldenberg von 87 Millionen Gulden angehäuft. Trotz der beunruhigenden finanziellen Situation erhielten die Aktionäre in der Zeit zwischen 1737 und 1782 alljährlich eine Dividendenausschüttung von 16 bis 21 Prozent. So konnte die hoch verschuldete Kompanie ihre Interessen nicht mehr durchsetzen, als andere europäische Mächte, vor allem die Engländer, in Konkurrenz zu ihr ihre eigenen Niederlassungen im Malaiischen Archipel gründeten. Die niederländische Vormachtstellung über den Archipel war verloren gegangen. Aufgrund der schlechten Betriebsführung und der finanziellen Unregelmäßigkeiten, die in der Kompanie, deren Vertreter oft korrupt waren, auftraten, wurde ihre Lizenz 1798 nicht mehr verlängert. Damit wurde die Vereinigte Ostindische Kompanie aufgelöst.
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