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Millennium: 20. JahrhundertEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; 1900 bis 1914; 1914 bis 1919; 1919 bis 1929; 1929 bis 1939; 1939 bis 1945: Der 2. Weltkrieg; Rückblick auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts; 1945 bis 1965; 1965 bis 1989; 1989 bis 1999
1936 wurde Abessinien ein Teil von Africa Orientale Italiana, der Kolonie Italienisch-Ostafrika. Der italienische König übernahm anstelle des geflohenen Haile Selassie die abessinische Kaiserwürde. Im seit 1922 formal unabhängigen Königreich Ägypten hatte sich die ehemalige Mandatsmacht Großbritannien noch weit reichende militärische Rechte reserviert; erst 1936 erkannte Großbritannien Ägypten die volle Souveränität zu und beschränkte seine Militärpräsenz auf die Zone um den Suezkanal. Das politisch autonome Liberia war wirtschaftlich in hohem Maß von den Vereinigten Staaten abhängig. In den britischen Kolonien strebte man eine Politik des indirect rule („indirekte Herrschaft”) und eine Dezentralisierung der Verwaltung an. Im Gegensatz dazu verfolgten die Kolonialmächte Frankreich, Portugal, Belgien und Italien eine Politik der Zentralisierung und Assimilierung in ihren Kolonien.
Der 2. Weltkrieg begann ohne Kriegserklärung am 1. September 1939 mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen. Die Sowjetunion – die sich kurz zuvor mit Deutschland im Hitler-Stalin-Pakt auf die Eliminierung des polnischen Staates und die Aufteilung Osteuropas geeinigt hatte – besetzte daraufhin den Osten Polens und die baltischen Staaten. Am 3. September 1939 erklärten Großbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg, blieben jedoch vorerst weitgehend passiv, so dass Westeuropa bis zum Frühjahr 1940 noch von Kampfhandlungen frei blieb. Doch dann griff Deutschland an mehreren Fronten an: Am 9. April 1940 Norwegen und Dänemark, am 10. Mai die Niederlande, Belgien und Luxemburg und anschließend Frankreich. Am 10. Juni 1940 griff Italien auf der Seite Deutschlands in den Krieg ein, und am 22. Juni schloss das besiegte Frankreich in Compiègne mit Deutschland ein Waffenstillstandsabkommen. Damit kämpfte Deutschland an der Westfront nur noch gegen Großbritannien; der Luftkrieg gegen England schlug jedoch fehl. Im Juni 1941 fielen deutsche Truppen unter Bruch des Hitler-Stalin-Paktes in der Sowjetunion ein und rückten anfangs rasch vor. Die Schlacht um Stalingrad (Winter 1942/43) markierte den Wendepunkt des Krieges. Durch den Überfall auf Pearl Harbor im Dezember 1941 provozierte Japan im Pazifikraum die USA zum direkten Eingreifen in den unterdessen zum Weltkrieg ausgeweiteten Krieg. Die westlichen Alliierten besiegten die Achsenmächte Italien und Deutschland zunächst in Nordafrika und stießen über Sizilien (Juli 1943) und die Normandie (Landung in der Normandie im Juni 1944) in Richtung Deutschland vor. Im Mai 1945 war der Krieg in Europa mit der deutschen Kapitulation beendet; Japan verweigerte die Kapitulation, bis die USA im August 1945 Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abwarfen. Bereits während des Krieges hatten sich die „großen Drei”, die Regierungschefs der USA, von Großbritannien und der Sowjetunion, mehrmals getroffen, um eine gemeinsame Strategie gegen das nationalsozialistische Deutschland zu entwickeln und um auch schon die jeweiligen Einflussbereiche für die Nachkriegszeit festzulegen.
Nach der Kapitulation im Mai 1945 wurde Deutschland von britischen, französischen, amerikanischen und sowjetischen Truppen besetzt und in Besatzungszonen aufgeteilt. Die meisten Städte lagen in Schutt und Asche, die Industrie, insbesondere die Schwerindustrie war weitgehend zerstört. Millionen Flüchtlinge kamen aus den ehemals deutschen Ostgebieten jenseits der Oder-Neiße-Linie in den Westen. Durch die Gewaltverbrechen des nationalsozialistischen Regimes hatte Deutschland immense Schuld auf sich geladen. Der Terror, der im Namen des NS-Regimes in Deutschland und in den besetzten Gebieten ausgeübt worden war, hatte seinen Höhepunkt in der Vernichtung von Millionen von Menschen „nicht arischer Rassen”, allen voran Juden sowie Sinti und Roma, politischen Gegnern und Behinderten in Konzentrations- und Vernichtungslagern (Holocaust). Die deutsche Rüstungsindustrie war von Millionen von Zwangsarbeitern aufrechterhalten worden. Vor allem in Osteuropa war das Kriegsrecht systematisch verletzt worden.
Nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 annektierte die Sowjetunion gemäß dem Hitler-Stalin-Pakt Ostpolen; Ende November 1939 fielen sowjetische Truppen in Finnland ein und zwangen im Finnisch-Sowjetischen Winterkrieg Finnland zu territorialen Zugeständnissen. Im Mai 1940 besetzte die Sowjetunion die drei baltischen Staaten und gliederte sie wenig später als sozialistische Sowjetrepubliken in ihr Staatsgebiet ein. Am 22. Juni 1941 marschierten deutsche Truppen in der Sowjetunion ein. Stalin übernahm selbst das Volkskommissariat für Verteidigung und damit auch die Führung in diesem „Großen Vaterländischen Krieg”. Die deutschen Truppen stießen zunächst rasch vor, kamen dann aber vor Leningrad, Moskau und am Kaukasus zum Stehen; und nach ihrer Niederlage in der Schlacht um Stalingrad im Winter 1942/43 wurden die deutschen Truppen immer rascher zurückgedrängt. Im Herbst 1944 war die Sowjetunion von deutschen Truppen befreit. Während des 2. Weltkrieges kamen in der Sowjetunion schätzungsweise 15 bis 20 Millionen Menschen ums Leben. 15 Großstädte, 1 700 Kleinstädte und 70 000 Dörfer waren ganz oder teilweise zerstört, sechs Millionen Gebäude beschädigt oder völlig zerstört. 25 Millionen Menschen waren obdachlos.
Im Mai 1940 wurde in Großbritannien eine Allparteienregierung unter der Führung von Winston Churchill gebildet. Bis 1941 führte Großbritannien praktisch alleine Krieg gegen Deutschland, das seinerseits versuchte, den britischen Luftraum unter seine Kontrolle zu bringen. Ende 1940 ließ der Kampf, die so genannte Battle of Britain, allmählich nach. Im Frühjahr 1944 bereiteten die Alliierten in Südengland die „Operation Overlord”, die Landung in der Normandie, vor. Nach der Landung in der Normandie konnten die Alliierten die deutschen Truppen an der Westfront nach und nach zurückdrängen. 1945 verloren Churchill und die Konservativen die Wahl; die Regierung bildete nun die Labour Party unter Clement Attlee. Großbritannien war infolge des Krieges hoch verschuldet, und die Wirtschaft war durch die Inflation stark geschwächt.
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