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Millennium: 20. Jahrhundert

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Theodore Roosevelt: Die Grundprinzipien seiner PolitikTheodore Roosevelt: Die Grundprinzipien seiner Politik
Artikelgliederung
2.13

Afrika

In Afrika waren 1914 nur noch Abessinien und Libyen unabhängige Staaten. Marokko war 1911 – nach dem deutsch-französischen Interessenkonflikt in den Marokkokrisen – französisches Protektorat geworden. Die britischen, französischen, portugiesischen, italienischen, spanischen, deutschen und belgischen Kolonien in Afrika waren in der Regel nur locker organisiert. Die Kolonialmächte überließen einen Großteil der Verwaltung den Afrikanern und widmeten sich selbst vor allem dem Ausbau der Verkehrswege, um militärische Operationen zügig durchführen zu können. In weiten Teilen Afrikas beschränkten sich die Europäer auf die wirtschaftliche Erschließung, d. h. den Handel, die Ausbeutung der Bodenschätze und den Landerwerb. Der Kongo-Freistaat, den König Leopold II. von Belgien seit der Berliner Afrika-Konferenz 1884/85 als seinen persönlichen Besitz betrachtete, wurde 1908 dem belgischen Staat unterstellt, nachdem die brutale Ausbeutung von Land und Menschen infolge des persönlichen Regiments Leopolds II. im Kongo-Freistaat selbst sowie international heftige Proteste hervorgerufen hatte. In Südafrika endete 1902 der Burenkrieg mit dem Verlust der Unabhängigkeit für die Burenrepubliken Transvaal und Oranje-Freistaat. 1910 schlossen sich die vier britischen Kronkolonien in Südafrika zur Südafrikanischen Union zusammen.

3

1914 bis 1919

Nach einer relativ langen Zeit des Friedens in einem großen Teil Europas brach im August 1914 der 1. Weltkrieg aus. Unmittelbarer Auslöser war die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Gemahlin am 28. Juni 1914 in Sarajevo durch den serbischen Nationalisten Gavrilo Princip (siehe Attentat von Sarajevo) und die daran anschließende Julikrise. Die politischen Motive des Attentats waren eng mit dem ungelösten Nationalitätenproblem im österreichisch-ungarischen Vielvölkerstaat verknüpft. Zu Beginn des Krieges standen sich im Wesentlichen Deutschland und Österreich (die Mittelmächte) auf der einen, Großbritannien, Frankreich und Russland (Entente) auf der anderen Seite gegenüber; später traten noch zahlreiche weitere Staaten in den Krieg ein, die meisten auf der Seite der Entente (z. B. 1914 Japan und 1917 die USA), den Mittelmächten schlossen sich das Osmanische Reich und Bulgarien an. Die Hauptschauplätze des Krieges lagen in Europa. Der Krieg an der russischen, der Ostfront, wurde nach dem Ausbruch der Oktoberrevolution 1917 durch einen Waffenstillstand im Dezember 1917 bzw. dem Frieden von Brest-Litowsk im März 1918 beendet. An der Westfront zog sich der Stellungskrieg noch bis November 1918 hin. Die fortgeschrittene Industrialisierung der Krieg führenden Staaten manifestierte sich in der Vernichtungskraft und der Menge der eingesetzten Waffen. Der fast vier Jahre andauernde Stellungskrieg an der Westfront brachte nur minimale wechselseitige Geländegewinne bei immensen Verlusten an Menschen und Material. Mit den Pariser Vorortverträgen (1919/20) veränderte sich die politische Landschaft vor allem in Mittel- und Osteuropa. Die Sieger des Krieges, die Entente, erlegten dem Deutschen Reich, dem zusammen mit seinen Verbündeten die Kriegsschuld zugeschrieben wurde, hohe Reparationszahlungen auf. Außerdem verabschiedeten die Teilnehmer der Pariser Friedenskonferenz die Satzung eines Völkerbundes, der in Zukunft über den Weltfrieden wachen sollte.

3.1

Russland

Der Weltkrieg brachte für Russland große Verluste. Die Mittelmächte fügten den deutlich schlechter ausgerüsteten russischen Truppen schwere Niederlagen zu: Schon 1915 waren zwei Millionen russische Soldaten getötet, verwundet oder gefangen genommen. Der Kriegszustand verschärfte die sozialen Unruhen in Russland, und auch bislang politisch Gemäßigtere gerieten zunehmend in Opposition zum zaristischen Regime. Im März 1917 (Februar nach dem damals in Russland gebräuchlichen julianischen Kalender) brachen in Petrograd vor allem aufgrund akuter Nahrungsmittelknappheit Unruhen aus. Die in Petrograd stationierten Truppen, die eigentlich die Unruhen hatten niederschlagen sollen, verbündeten sich mit den Aufständischen, Arbeiter und Soldaten bildeten Räte (Sowjets), die gesamte Regierung einschließlich des Zaren Nikolaus II. trat zurück. Duma-Abgeordnete und der Petrograder Sowjet bildeten zusammen eine Provisorische Regierung mit Fürst Lwow als Ministerpräsidenten, der jedoch bald von dem Sozialrevolutionär Kerenskij abgelöst wurde. Die Provisorische Regierung wurde der Lage im Lande nicht mehr Herr: Bauern nahmen überall Land in Besitz, die Front gegen die Mittelmächte stand kurz vor dem Zusammenbruch, eine Offensive Kerenskijs gegen die Mittelmächte scheiterte, politische Reformen blieben aus. Russland drohte im Chaos zu versinken. Im April 1917 war der Führer der Bolschewiki, Wladimir I. Lenin, aus dem Exil zurückgekehrt. Mit seinen Aprilthesen gelang es ihm, die Bolschewiki, im Sowjet noch in der Minderheit, zu mobilisieren und auf einen Umsturz der politischen Verhältnisse vorzubereiten. Die katastrophale militärische, soziale und Versorgungslage bescherten den Bolschewiki weiteren Zulauf und Rückhalt.

Am 7. November (25. Oktober nach dem julianischen Kalender) stürzten die Bolschewiki die Provisorische Regierung. Der „Rat der Volkskommissare” unter der Führung Lenins übernahm als neue Regierung die Macht; Lew D. Trotzkij wurde Kommissar für Äußere Angelegenheiten, Jossif W. Stalin Kommissar für Nationalitätenfragen. In den folgenden Monaten gelang es Lenin mit zum Teil repressiven Maßnahmen, seine Macht zu stabilisieren. Im März 1918 schlossen Russland und die Mittelmächte den Frieden von Brest-Litowsk.

Widerstand gegen die Machtübernahme durch die Bolschewiki regte sich schon unmittelbar nach der Oktoberrevolution; Anfang 1918 eskalierte er im Russischen Bürgerkrieg zwischen den „Roten”, den Bolschewiki und ihrer von Trotzkij aufgebauten und befehligten Roten Armee, und den „Weißen”, dem breiten Spektrum der antibolschewistischen Kräfte von den linken Sozialrevolutionären bis zu den rechten Monarchisten, auf deren Seite zudem Truppen der Entente intervenierten. Am Ende setzten sich die „Roten” durch, vor allem auch dank der mangelnden Koordination unter den „Weißen”, und stellten Russland in etwa in den Grenzen des Zarenreiches wieder her.

Bereits am 10. Juli 1918 hatte der 3. Allrussische Sowjetkongress die Verfassung der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR) verabschiedet; am 30. Dezember 1922, nach dem Ende des Bürgerkrieges, wurde die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) gegründet. Unternehmen wurden verstaatlicht, doch die Maßnahmen waren keineswegs konsequent. Im März 1919 fand in Moskau, der neuen Hauptstadt Sowjetrusslands, der Gründungskongress der Kommunistischen Internationale (siehe Internationale) statt, auf dem die Zukunft des internationalen Kommunismus, d. h. auch der „Export” der Revolution in andere Länder, vor allem die entwickelten Industriestaaten in Europa, im Mittelpunkt stand.

3.2

Frankreich

Hauptschauplatz des 1. Weltkrieges in Westeuropa waren der Nordosten Frankreichs und Belgien; hier war die Front schon kurz nach Kriegsbeginn in einem grausamen Stellungskrieg erstarrt. Die Schlachten an der Marne (1914), der Somme (1916) und bei Verdun (1916) forderten zahllose Menschenleben. Allein an der Somme fielen mehr als eine Million Soldaten. Der Stellungskrieg wurde zum Symbol für sinnlose Vernichtungswut.

1917 traten die Arbeiter in Paris und anderen Städten in den Streik, Meutereien in mehreren Einheiten der Armee folgten; sie wurden jedoch von General Pétain niedergeschlagen. Die Moral der Bevölkerung, die eigentlich nicht mehr an einen Sieg glaubte, erfuhr ungeheuren Auftrieb, als im November 1917, inmitten einer schweren innenpolitischen Krise, Georges Clemenceau erneut zum Ministerpräsidenten ernannt wurde. General Foch, von Clemenceau Ende 1917 zum Generalstabschef der französischen Truppen befördert, übernahm im April 1918 das Oberkommando über alle Entente-Truppen in Frankreich und trug in dieser Funktion wesentlich zum Sieg der Alliierten über die Mittelmächte bei.

In den Friedensverhandlungen der Entente mit dem Deutschen Reich, die schließlich im Versailler Vertrag mündeten, setzte sich Clemenceau mit seiner kompromisslosen Haltung gegenüber dem Deutschen Reich weitgehend durch: Elsass-Lothringen kam an Frankreich zurück, Deutschland wurde zu extrem hohen Reparationszahlungen verpflichtet, und Frankreich besetzte im Interesse seiner Sicherheit das Saargebiet und das linksrheinische Deutschland.

3.3

Großbritannien

1916 wurde in Großbritannien die allgemeine Wehrpflicht eingeführt, und wenig später hatte sich das britische Heer erheblich vergrößert: Konnte Großbritannien die Truppen der Entente 1914 nur mit fünf Divisionen verstärken, so standen jetzt 70 Divisionen zur Verfügung. Die britische Marine blockierte erfolgreich die deutsche Küste, auf den britischen Werften liefen die Arbeiten auf Hochtouren, um den Vorsprung gegenüber der deutschen Flotte auszubauen. In der kriegswichtigen Produktion wurden nun mehr und mehr Frauen beschäftigt, und auch in der Armee waren Frauen in verschiedenen Bereichen tätig. 1918 wurde das allgemeine Wahlrecht für Männer und Frauen eingeführt.

Der Osteraufstand im April 1916 in Dublin warf die Frage nach der Unabhängigkeit Irlands erneut in aller Heftigkeit auf. 1918 gewann die radikal-republikanische, nationalistische Sinn Féin bei den Wahlen zum britischen Unterhaus die Mehrheit der irischen Parlamentsmandate; 1919 errichtete die Sinn Féin ein erstes irisches Parlament und erklärte Irland für uanabhängig, was von der britischen Regierung selbstverständlich nicht anerkannt wurde.

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