Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse
Seite 6 von 23

Millennium: 20. Jahrhundert

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Theodore Roosevelt: Die Grundprinzipien seiner PolitikTheodore Roosevelt: Die Grundprinzipien seiner Politik
Artikelgliederung
4

1919 bis 1929

In Europa waren die Folgen des Weltkrieges in den zwanziger Jahren noch deutlich zu spüren. Misstrauen und Ressentiments gegenüber anderen griffen immer weiter um sich, und Demagogen vergifteten das politische Klima. Auf der anderen Seite schienen sich Demokratie und wirtschaftliche Stabilität hervorragend zu entwickeln, und die Bevölkerung schien in einem Taumel des Wohlstands zu leben. Doch die Vormachtstellung Europas in der Welt bröckelte, und auch das Kräftegleichgewicht innerhalb Europas stand auf äußerst wackligen Füßen. In den überseeischen Kolonien erstarkten die nationalistischen Bewegungen, die europäischen Kolonialmächte dachten aber noch lange nicht daran, ihre Kolonien in die Unabhängigkeit zu entlassen.

4.1

Sowjetunion

1929 hatte sich Stalin nach Ausschaltung aller oppositioneller Strömungen und parteiinterner Gegner de facto als Alleinherrscher in Staat und Partei etabliert. Der Kampf um die Macht in Partei und Staat hatte schon vor Lenins Tod 1924 eingesetzt; prominentester Gegner Stalins war dabei Trotzkij. Trotzkijs Theorie einer permanenten Revolution (siehe Trotzkismus) war unvereinbar mit der Stalinschen Doktrin, dass der Sozialismus erst in einem Land, also der Sowjetunion, aufgebaut werden müsse, bevor er sich über die ganze Welt ausbreiten könne. Die nach Weltkrieg und Bürgerkrieg völlig desolate Wirtschaft hatte Lenin ab 1921 durch eine vergleichsweise liberale Wirtschaftspolitik, die Neue Ökonomische Politik (NEP), wieder zu beleben versucht – mit einigem Erfolg: Schwerindustrie und Außenhandel blieben zwar in staatlicher Hand, die Landwirtschaft bzw. die Vermarktung ihrer Produkte wurde jedoch dem freien Markt überlassen, was eine spürbare Erhöhung der landwirtschaftlichen Erträge zur Folge hatte. 1928 erklärte Stalin die Phase der NEP für beendet und führte ein dirigistisches, durch Fünfjahrespläne bestimmtes Wirtschaftssystem ein. Der erste Fünfjahresplan hatte eine massive Steigerung der landwirtschaftlichen und der industriellen Produktion zum Ziel; erreicht werden sollte dieses Ziel durch die Kollektivierung der Landwirtschaft, die zum Teil mit brutalen Zwangsmaßnahmen durchgeführt wurde, und durch den forcierten Ausbau der Industrie, vor allem der Schwerindustrie, durch den sich die Sowjetunion innerhalb kurzer Zeit in den Kreis der Industriemächte einreihen konnte.

In der sowjetischen Architektur und der bildenden Kunst setzte sich der Konstruktivismus durch (siehe russische Kunst und Architektur). Beispiel dafür ist der Entwurf für das Monument der III. Internationale (1919/20) von Wladimir Tatlin, der mit dem Moskauer Kunstinstitut eng zusammenarbeitete. Einige der bekanntesten Komponisten und Musiker waren aber bereits ins Ausland emigriert: Igor Strawinsky war schon vor der Revolution ausgewandert, später folgten Sergej Rachmaninow und Sergej Prokofjew.

4.2

Osteuropa

Der 1. Weltkrieg bzw. die anschließenden Pariser Friedensverhandlungen hatten die politische Landkarte in Osteuropa 1919 radikal verändert. Nur zum Teil nahmen die neuen Grenzen auf die verschiedenen Nationalitäten Rücksicht, so dass in fast allen osteuropäischen Staaten die heterogene ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung erneut Spannungen heraufbeschwor. Neben den ethnischen Problemen waren es insbesondere auch die Agrarreformen, d. h. die Aufteilung des Großgrundbesitzes in kleine, unabhängige landwirtschaftliche Betriebe und die damit vielfach einhergehende Ertragsminderung, die dazu beitrugen, dass sich die wirtschaftliche und die politische Situation kaum stabilisieren konnte.

4.3

Deutschland

In der Weimarer Republik gelang es nicht, ein dauerhaft stabiles System zu schaffen. Die Ablehnung des vielfach als „Diktat von Versailles” apostrophierten Versailler Vertrags durch breite Kreise der Bevölkerung bildete einen äußerst fruchtbaren Nährboden für antidemokratische, antirepublikanische, rechtsgerichtete Kräfte, und die hohen Reparationszahlungen schienen das Land auf Jahrzehnte hinaus in Schulden zu stürzen. 1923 erreichte die Inflation ihren Höhepunkt: Im November kostete ein US-Dollar 4,2 Milliarden Mark. Anfang 1923 hatten französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet und damit den Ruhrkampf ausgelöst; am 9. November 1923 putschten rechtsgerichtete Kreise unter Führung Adolf Hitlers in München; doch der so genannte Hitler-Putsch schlug fehl.

Die auf Ausgleich und Verständigung angelegte Politik von Außenminister Gustav Stresemann führte 1925 zur Unterzeichnung des Locarnopakts, und 1926 trat Deutschland dem Völkerbund bei. Zudem erreichte Stresemann eine realistische Regelung der Reparationszahlungen. Die Wirtschaft verzeichnete in diesen Jahren einen leichten Aufschwung, der jedoch durch die Weltwirtschaftskrise 1929 einen herben Rückschlag erfuhr. Innenpolitisch blieb die Weimarer Republik weiterhin äußerst instabil, u. a. deshalb, weil sich die demokratischen Parteien gegenseitig blockierten und keine gemeinsame Strategie gegen den sich erhebenden Nationalsozialismus fanden. Die alten Machtstrukturen hatten sich trotz demokratischer Verfassung kaum verändert: Die Industrie, Junkertum und das nun auf 100 000 Mann reduzierte Heer hatten ihren Einfluss nicht verloren. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) Adolf Hitlers gewann immer mehr Anhänger. In Mein Kampf (1925/26) – geschrieben nach dem missglückten Putsch während der Haft in Landsberg – formulierte Hitler die politischen Ziele der nationalsozialistischen Bewegung, die nach der Machtergreifung 1933 mit äußerst brutaler Gewalt und Menschenverachtung umgesetzt wurden.

Zwischen 1924 und 1929 verzeichnete die deutsche Filmindustrie große Erfolge: Regisseure wie Fritz Lang erlangten internationalen Ruhm; die Berliner Kabaretts spielten Texte von Kurt Tucholsky und Erich Kästner; Bertold Brecht und Erwin Piscator revolutionierten das Theater: 1929 fand in Berlin die Uraufführung der Dreigroschenoper von Brecht mit der Musik von Kurt Weill statt; Dirigenten wie Bruno Walter, Otto Klemperer und Wilhelm Furtwängler erlangten Weltruhm. Großen Einfluss hatte die 1919 gegründete Hochschule für Architektur und angewandte Künste in Weimar, das Bauhaus, mit dem sich Namen wie Walter Gropius, Wassily Kandinsky und Paul Klee verbinden.

An der Universität in Freiburg übernahm Martin Heidegger 1928 den Lehrstuhl von Edmund Husserl. Ein Jahr zuvor hatte Heidegger das Hauptwerk der deutschen Existenzphilosophie, Sein und Zeit, veröffentlicht, und 1929 erhielt Thomas Mann den Literaturnobelpreis.

4.4

Frankreich

Das Verhältnis gegenüber Deutschland war nach wie vor angespannt. Besonders Frankreich hatte auf hohen Reparationszahlungen sowie auf Gebietsabtretungen bestanden; so erhielt Frankreich z. B. das im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 verlorene Elsass-Lothringen zurück. Wegen ausbleibender deutscher Reparationsleistungen ließ die Regierung Raymond Poincaré 1923 das Ruhrgebiet besetzen. Die französische Wirtschaft stand unter starkem Druck: Die immensen Kriegsschäden mussten beseitigt werden, außerdem hatte Frankreich hohe Schulden bei Großbritannien und den USA, der Franc litt unter der Inflation, die Bevölkerung drohte zu verarmen. In der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre gelang es Poincaré, nun Ministerpräsident und Finanzminister zugleich, das Land finanziell einigermaßen zu sanieren.

In Literatur und Kunst kam der Surrealismus als neue Strömung auf; 1924 erschien das Manifest des Surrealismus, in dem André Breton die Theorie des Surrealismus darlegte. Die erste Ausstellung surrealistischer Gemälde fand 1925 in Paris statt.

Zurück
| | | | | | | | | ... 
Nächste
In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2008 Microsoft