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Millennium: 20. JahrhundertEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; 1900 bis 1914; 1914 bis 1919; 1919 bis 1929; 1929 bis 1939; 1939 bis 1945: Der 2. Weltkrieg; Rückblick auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts; 1945 bis 1965; 1965 bis 1989; 1989 bis 1999
Das schnelle Wirtschaftswachstum in Japan während des 1. Weltkrieges fand in den zwanziger Jahren ein Ende. Bereits 1920 kam es zu einer ersten Krise, als Absatzmärkte wegen der minderwertigen Qualität der japanischen Produkte einbrachen. 1927 mussten 36 Banken schließen, Unternehmen gingen Bankrott. Nur die größten Konzerne nutzten die Krise zu ihren Gunsten und übernahmen kleinere Unternehmen. Die 1918 begonnene Demokratisierung hatte Mitte der zwanziger Jahre ihren Höhepunkt bereits wieder überschritten: Seit 1928 wurden zunehmend Kommunisten inhaftiert, und die sozialistische Partei verlor immer mehr Einfluss.
In China wurden die Entwicklungen in der Sowjetunion mit Enthusiasmus verfolgt, vor allem nachdem die Sowjetunion ihre Ansprüche auf die Mandschurei aufgegeben hatte. Die chinesischen Kommunisten kooperierten zunächst mit der bürgerlichen Kuomintang. Aber schon bald nach dem Tod des Kuomintang-Führers Sun Yatsen 1925 zeigte sich, dass die Zusammenarbeit zwischen Kommunisten und Nationalisten nicht aufrechtzuerhalten war, und 1927 brach der neue starke Mann der Kuomintang, Chiang Kai-shek, mit den Kommunisten. Wenig später beseitigte die Kuomintang auch die Macht der Warlords im Norden. In der chinesischen Literatur fand nach 1921 der Realismus seinen Eingang, und einige literarische Intellektuelle stellten sich seit 1926 in den Dienst der marxistischen Propaganda.
Die Weltwirtschaftskrise, die mit dem New Yorker Börsenkrach (siehe Schwarzer Freitag) von 1929 ihren Anfang nahm, zeitigte in allen Wirtschaftsbereichen und in nahezu allen Ländern Folgen. Innerhalb von drei Jahren ging der Welthandel um zwei Drittel zurück, die Arbeitslosigkeit nahm rapide zu. In Deutschland gewann der Nationalsozialismus an Boden und wurde schließlich zu einer Bedrohung für den Weltfrieden. In Asien baute Japan durch eine aggressive Außenpolitik seinen Einflussbereich aus. Die indigene Bevölkerung in den Kolonien begehrte mehr und mehr gegen die europäischen Kolonialmächte auf. Die Appeasement-Politik, durch die die westeuropäischen Staaten einen neuerlichen Krieg hatten verhindern wollen, scheiterte am Ende: Die Hoffnung, den Frieden erhalten zu können – die nach Abschluss des Münchner Abkommens (1938) noch bestanden hatte –, zerschlug sich spätestens nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch deutsche Truppen 1939; man begann sich auf einen neuen großen Krieg vorzubereiten.
Die Weltwirtschaftskrise hatte die deutsche Wirtschaft besonders schwer getroffen; vor diesem Hintergrund konnte sich die NSDAP bald zur stärksten politischen Kraft im Land entwickeln. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 wurde die Opposition brutal ausgeschaltet, Parteien und Gewerkschaften wurden verboten, die demokratischen Grundrechte wurden massiv eingeschränkt bzw. suspendiert, die ersten Konzentrationslager wurden errichtet. 1934 ließ Hitler die Führung der SA liquidieren und machte damit den Weg für den Aufstieg der SS unter Heinrich Himmler frei. Himmler übernahm auch die Führung der berüchtigten Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich das Dritte Reich zu einer wachsenden Bedrohung für den Rest Europas. Die deutsche Wirtschaft stabilisierte sich – u. a. durch die vermehrte Produktion kriegswichtiger Güter. Die deutsche Außenpolitik nahm stetig an Aggressivität zu. 1936 kündigte Hitler durch die Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes den Locarnopakt, und ab 1937 forcierte er seine Pläne für die Erweiterung des so genannten Lebensraums für das deutsche Volk im Osten: Im März 1938 erzwang er den Anschluss Österreichs an Deutschland, im September 1938 erwirkte er das Münchner Abkommen und im März 1939 besetzten deutsche Truppen die Rest-Tschechoslowakei. Die Partei, die alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens unter ihre Kontrolle gebracht hatte, steuerte mit Hilfe der Reichskulturkammer auch das gesamte kulturelle Leben. Die Propaganda – bereits 1933 wurde zu diesem Zweck ein gesondertes Ministerium unter Joseph Goebbels geschaffen – richtete sich im Bereich der Kunst in erster Linie gegen die so genannte entartete Kunst. 1937 wurde unter dieser Bezeichnung ein Teil der beschlagnahmten Kunstwerke in München ausgestellt und anschließend ins Ausland verkauft oder vernichtet. Dazu gehörten Werke von Paul Klee, Käthe Kollwitz und Emil Nolde. Seit Hitlers Machtergreifung flohen unzählige Deutsche ins Ausland. Bis 1939 hatten 400 000 Juden das Land verlassen, ebenso emigrierten zahlreiche Gegner und Verfolgte des neuen Regimes, darunter viele Schriftsteller wie z. B. Thomas und Heinrich Mann sowie Bertolt Brecht. Auch Paul Klee, der Dirigent Otto Klemperer, der Komponist Paul Hindemith und der Physiker Albert Einstein verließen Deutschland.
Unmittelbar nachdem sich das Münchner Abkommen zur Befriedung Deutschlands als wirkungslos erwiesen hatte, begann sich Großbritannien auf einen Krieg vorzubereiten. Die Appeasement-Politik der vergangenen Jahre hatte Großbritannien in militärisch-technischer Hinsicht gegenüber Deutschland enorm zurückgeworfen. Die Dominions im Commonwealth erhielten 1931 den Status souveräner Staaten. Im selben Jahr bestätigte das britische Parlament das Westminster-Statut, das die Beziehungen der einzelnen Staaten des Commonwealth untereinander und zu Großbritannien festlegte. Der Export Großbritanniens florierte weiterhin: 1937 betrug der britische Anteil am weltweiten Export industriell gefertigter Produkte 21 Prozent. Damit lag der Prozentsatz jedoch um einiges unter dem Wert von 1900 (33 Prozent), als die Konkurrenz der anderen Industriemächte noch deutlich schwächer war. Textilien blieben nach wie vor der wichtigste Exportartikel. 1931 wurde der Goldstandard aufgehoben, um die Kapitalflucht einzudämmen, die durch die Weltwirtschaftskrise entstanden war; viele andere Länder folgten hierin dem britischen Vorbild. In seinem Werk General Theory of Employment, Interest and Money (1936; Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes), das tief greifende Veränderungen im wirtschaftlichen Denken bewirkte, kritisiert John Maynard Keynes die klassischen wirtschaftspolitischen Visionen, da mit ihnen offensichtlich große Krisen nicht vermieden werden konnten.
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