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Windows Live® Suchergebnisse Populäre MusikEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Ursprünge; Populäre Musik als Massenmedium; Musikproduktion und Reproduktion; Schlager und Popmusik in Deutschland; Der anglophone Kulturraum; World Pop
Populäre Musik oder Popmusik, Sammelbegriff für eine Vielzahl musikkultureller Phänomene und Stilrichtungen. Populäre Musik im weiteren Sinn bezeichnet im Unterschied zur Kunstmusik zumeist erfolgreiche, ohne spezielle Vorbildung verständliche, massenhaft konsumierbare und uneingeschränkt zugängliche Unterhaltungs- und Tanzmusik. Popmusik im engeren Sinn umfasst stilistische Entwicklungen und Äußerungsformen musikalischer Jugendkultur seit Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts.
Bis zum 18. Jahrhundert war populäre Musik im Wesentlichen Volksmusik, d. h. eine in bestimmte rituelle Ordnungen und traditionelle Überlieferungen eingebettete Ansammlung mündlich tradierter, sich häufig innerhalb eines kulturellen formalen Rahmens verändernder Melodien und Texte. Denn die ständische Gliederung der vorbürgerlichen europäischen Gesellschaft wies ihr spezielle Funktionen im Lebensablauf der Menschen zu. Waren im aristokratischen und kirchlichen Umkreis die Gestaltungskriterien von Kompositionen streng geregelt und hatten den gehobenen, gebildeten Ansprüchen des höfischen und geistlichen Kanons zu genügen, waren die Lieder der übrigen Gesellschaft vor allem durch ihre Aufführungssituation festgelegt. Man sang und musizierte bei der Arbeit oder nach Feierabend, spielte auf zum Tanz bei Volks- und Saisonfesten, Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen. In den Städten gab es neben den zunfteigenen Ensembles u. a. Stadtpfeifer und Ratsmusiker, Turmbläser und Nachtwächter, Bierfiedler und Tanzpfeifen, Spielleute, Jahrmarkts- und Bettelmusikanten, die ihre Trink- und Venuslieder, Moritaten und Geschichten vortrugen. Mit der Aufklärung veränderte sich die Gesellschaft. Der Gedanke des „Ausgangs des Menschen aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit” (Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?, 1784) entließ den Einzelnen aus den bisherigen Sinnzusammenhängen des Glaubens und der Feudalherrschaft. Der im Kampfspruch der Französischen Revolution („Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit”, 1789) beispielhaft formulierte neue Zeitgeist des Zusammenlebens veränderte auch die Musikkultur. Kunst sollte für jeden zugänglich sein. Einfachheit, Verständlichkeit und Eingängigkeit, mit einem Wort Popularität wurden zu wichtigen Gestaltungskriterien von Kompositionen. Johann Abraham Peter Schulz oder Johann Friedrich Reichardt schrieben Lieder „im Volkston”, Sammlungen von Johann Gottfried Herders Stimmen der Völker in Liedern (1778/79) bis zu Des Knaben Wunderhorn (1808) von Achim von Arnim und Clemens Brentano prägten den frühen Trend zur kunstvollen Popularität. Selbst Komponisten wie Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven oder Wolfgang Amadeus Mozart widmeten sich volksmusikalisch empfundenen, einfachen Melodieführungen. Die politischen Umwälzungen nach 1789 und die Veränderungen der gesellschaftlichen Schichtung im Gefolge der industriellen Revolution führten dazu, dass das ehemalige adelige Privileg der Unterhaltung zunächst dem erstarkenden Bürgertum und schließlich auch Handwerkern, Arbeitern und Bauern zugänglich wurde. Alois Senefelders Erfindung der Lithographie, die durch Ätzung von Kalkschieferplatten im Unterschied zum bisherigen Kupferstich nahezu grenzenlose Verbreitung von Druckerzeugnissen ermöglichte, sorgte von 1796 an dafür, dass Musik über Notenblätter erstmals als Massenmedium flächendeckend verbreitet werden konnte.
In der Folge entstand ein Musikmarkt, Komponisten schrieben im Akkord zum Broterwerb, neue Berufsgruppen wie Arrangeure vereinfachten die Werke berühmter Meister auf das Niveau der zahlreich entstehenden Laien-Ensembles. Der klassische Kulturbetrieb versuchte, sich gegen die bald als Vereinnahmung der Musik empfundene Begeisterung breiter Bevölkerungsschichten durch Stilisierung eines zweckfreien, genialischen Künstlerideals abzugrenzen. Die Polemiken gegen das nun trivial genannte Populäre reichen von Robert Schumanns Aufsätzen und Kritiken der dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts in der Neuen Zeitschrift für Musik bis zu Richard Wagners kompositorischer Überhöhung der Komplexität, die am Ende des 19. Jahrhunderts bereits auf eine festgefügte Dichotomie von gehobenem Kunstgenuss und gemeiner Unterhaltung zurückgreifen konnten. Diese Trennung ließ sich jedoch nicht aufrechterhalten. Populäre Musik drang von etwa 1850 an in immer mehr Lebensräume vor und vermischte sich mit den Werken der Hochkultur. Ob in Form bürgerlicher Hausmusiken oder salonorchestraler Zerstreuungen bei Bällen und Gesellschaften, ob in Varietés oder Kaffeehäusern, in Militär-, Vereins-, Feuerwehr- oder Fabrikkapellen, der Bedarf an akustischer Rahmung des öffentlichen Alltags- und Repräsentationsgeschehens nahm zu. Neben der boomenden Unterhaltungsindustrie, die fortwährend neue Schlager produzierte, wurden zahlreiche Opernarien und Operettenmelodien durch die Volksbearbeitungen für Blasorchester wie etwa den italienischen, südfranzösischen und spanischen Bandas zu Gassenhauern und ihre Komponisten wie Giuseppe Verdi, Gaetano Donizetti, Giacomo Meyerbeer, Charles Gounod unverhofft zu Größen der frühen Popularkultur. Darüber hinaus sorgte die Veränderung der Arbeitswelt und die beginnende Urbanisierung für musikalischen Bedarf. Mit der Erfindung der Freizeit im Gefolge der aus den einstigen sozialen, ständischen Bindungen herausgelösten Lohnarbeiterschaft stieg vor allem in den Städten die Nachfrage und das Angebot nach neuen Reizen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts etablierte sich in Ballungszentren wie Berlin, Paris, London oder New York eine Unterhaltungskultur in Kneipen, Tanz- und Bierlokalen, Varietés und Kleinkunstbühnen.
Im Jahr 1877 erfand Thomas Alva Edison den Silberpapierphonographen und verfeinerte damit die ersten Experimente mit einem Schalloszillographen des französischen Malers Léon Scott von 1857. Mit diesem Gerät begann das Zeitalter der Tonaufzeichnung, der die Musik vom unmittelbaren Äußerungszusammenhang loslöste. Am 16. Mai 1887 präsentierte der Deutschamerikaner Emile Berliner öffentlich sein Grammophon, das anstatt Edisons Wachszylinder einen Prototyp der strapazierfähigeren Schellackplatte zur Klangwiedergabe verwendete. 1892 gelang ihm die Produktion von „Vaterplatten”, die eine Vervielfältigung der Aufnahmen durch Pressung ermöglichten. 1895 waren Schellackplatten serienreif und entwickelten sich neben konkurrierenden Multiplikatoren wie etwa den Piano Rolls für mechanische Klaviere und Jahrmarktsorgeln schnell zum Massenartikel. 1901 wurde die Anzahl der in Deutschland hergestellten Walzen und Platten auf fünf bis sechs Millionen Exemplare geschätzt, 1928 waren es bereits etwa 30 Millionen, wobei ein Großteil des Repertoires sich aus populären Schlagern zusammensetzte. Seitdem ist die Ausbreitung von populärer Musik wesentlich mit der Verfeinerung der Archivierungs- und Präsentationsmöglichkeiten verbunden. 1921 wurde in Pittsburgh (USA) der erste Mittelwellensender in Betrieb genommen. Der Rundfunk begann von da an, nach dem öffentlichen auch den privaten Raum für reproduzierte Musik zu erobern. 1925 löste das von Joseph Maxfield erfundene Mikrophon mit elektrischem Aufnahmeverfahren die bislang üblichen unhandlichen Schalltrichter ab und verfeinerten die Klangqualität erheblich. 1929 schuf der Tonfilm neue Publikationsforen für Musik; im selben Jahr begann das Reichszentralamt von Berlin aus erste Fernsehsendungen zu übertragen und leitete das TV-Zeitalter ein. 1948 ersetzten die Langspielplatten aus dem Kunststoff Vinyl die Schellackplatten und verlängerten die Spieldauer einer Tonträgerseite von etwa drei bis vier auf 23 Minuten. 1958 kam die erste Stereoplatte auf den Markt, die Experimente mit Quadrophonie um 1971 jedoch blieben ohne Wirkung. Zur gleichen Zeit wurde die Forschung mit Bildplatten intensiviert, die von 1982 an mit der Compact Disc als digitalem Datenträger ein neues marktreifes Speichermedium fand. Bereits seit Bob Dylans Kurzfilm zum Subterranean Homesick Blues (1968) begann die Musikindustrie, den (Video-)Clip als mediales Transportmittel für Popmusik zu nützen. 1981 wurde der TV-Kabelkanal MTV (Music Television) gegründet, der 1987 nach Europa expandierte und seit Anfang der neunziger Jahre über Satellit weltweit Tag und Nacht Musikvideos ausstrahlt. Und mit der Ausweitung des Internets und der damit verbundenen, industrieunabhängigen Verbreitung von Klängen in Form komprimierter MP3-Dateien hat von 1998 an die populäre Musik die bislang größte Möglichkeit globaler Kulturstreuung erreicht. Siehe auch Tonaufnahme und -wiedergabe
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