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Gegenreformation, von J. S. Pütter 1776 geprägte und innerhalb der Geschichtswissenschaft allgemein anerkannte Bezeichnung für jene europaweit agierenden Bewegungen innerhalb der katholischen Kirche, die im 16. und 17. Jahrhundert versuchten, dem Protestantismus entgegenzuwirken. Sie ging mit Bestrebungen von staatlicher Seite einher, protestantisch gewordene Gebiete wieder zu rekatholisieren. Als Periodisierungsbegriff für die Zeit zwischen 1555 und 1648 ist neuerdings auch die Bezeichnung Konfessionelles Zeitalter gebräuchlich geworden. Parallel zur Gegenreformation spricht die katholische Geschichtsschreibung von einer katholischen Reform, um zu betonen, dass Erneuerungsbestrebungen innerhalb der Kirche nicht allein als Folge der Reformation entstanden.
Die Gegenreformation setzte nach 1519 ein. Sie nahm gewaltsame Form an, als sich Papst Paul III. mit Karl V., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, verbündete und militärisch gegen die Protestanten vorging. 1559 schlug der Katholizismus in Repression um: Der Index librorum prohibitorum (Index der verbotenen Bücher) erschien. Außerdem wurde mit der Unterstützung von Paul IV. die Inquisition neu belebt. In Spanien wurde sie zum Instrument der Krone, das König Philipp II. dazu benutzte, jegliche Form von politischer und religiöser Opposition zu unterdrücken. Gegen Ende des Jahrhunderts traten in Norditalien, zum Teil unter dem Einfluss des Tridentinums, einige Bischöfe hervor, denen an einer Reorganisation des Klerus gelegen war. Vorbild vieler dieser Männer war Karl Borromäus, der damals Kardinal und Erzbischof von Mailand war. In zahlreichen Diözesen wurden Seminare eingerichtet, um die Ausbildung des Klerus zu verbessern. In Rom ließ Filippo Neri religiöse Texte vertonen, um größere Volkstümlichkeit zu erzielen; hieraus entwickelte sich das Oratorium. Der Augsburger Religionsfriede (1555) stärkte die Position der Lutheraner und führte zu verschärften gegenreformatorischen Aktivitäten, an deren Spitze Herzog Albrecht V. von Bayern stand. Petrus Canisius erstellte einen Katechismus, der das Gegenstück zum lutherischen Katechismus bildete. Die Spannungen zwischen Katholiken und Protestanten, die durch Interventionen aus dem Ausland noch verstärkt wurden und in Deutschland bzw. den Niederlanden ihre gewaltigsten Ausprägungen erfuhren, führten zum Dreißigjährigen Krieg, der von 1618 bis 1648 wütete und das Land verwüstete. Zentrale Gestalten der Gegenreformation waren dabei Maximilian I. von Bayern und Ferdinand von Steiermark, der später Kaiser Ferdinand II. werden sollte. Jedoch scheiterte der Versuch, durch ein Restitutionsedikt 1629 auch im Norden Deutschlands den Katholizismus wieder einzuführen, am Einschreiten von Gustav II. Adolf von Schweden. Während dieser Zeit trat eine religiöse Motivation immer weiter hinter machtpolitische Interessen (Frankreich gegen das Haus der Habsburger) zurück. In Frankreich führte die Gegenreformation im 16. Jahrhundert zu den Hugenottenkriegen (siehe Hugenotten). Andererseits bewirkte die Herausforderung durch den Protestantismus innerhalb des Katholizismus teilweise ein Umdenken: So kümmerten sich z. B. Vinzenz von Paul und Louise de Marillac verstärkt um die Armen. Franz von Sales, der Bischof von Genf, veröffentlichte seine Einführung in das fromme Leben (1608), die zu den bekanntesten christlichen Werken wurde. Die Gegenreformation endete mit dem Westfälischen Frieden von 1648. Die Gegenreformation war von missionierendem Eifer bestimmt und richtete sich nicht zuletzt auch auf die Evangelisierung der neu entdeckten Territorien im Fernen Osten und in Amerika. Sie führte außerdem zur Gründung konfessioneller Schulen, bei der die Jesuiten eine besondere Rolle spielten. In Spanien brachte die Zeit der Gegenreformation mit Theresia von Ávila und Johannes vom Kreuz zwei der größten Mystiker des Christentums hervor. Auch wurde die deutsche Literatur des Barock von ihr geprägt (Jesuitendrama, Erbauungsliteratur etc.).
Im 15. Jahrhundert führte das Abendländische Schisma innerhalb der katholischen Kirche zum Ruf nach Reformen. Girolamo Savonarola, der italienische Kirchenreformer, kritisierte aufs schärfste den weltlichen Lebensstil von Papst Alexander VI. Die so genannte Observantenbewegung innerhalb der Bettelorden forderte ihre Mitglieder auf, zum asketischen Leben zurückzukehren. Humanisten wie Erasmus von Rotterdam entwarfen Alternativen zur akademischen Theologie, die überwiegend von metaphysischen Spekulationen gekennzeichnet war. Diese Versuche blieben jedoch zunächst ohne spürbare Wirkung auf die Institution der Kirche. Erst 1534, mit der Wahl Pauls III. zum Papst, wurden reformerische Ansätze umgesetzt. Zu den wichtigsten Initiativen des neu gewählten Papstes gehörte, dass er Reformer wie Gasparo Contarini und Reginald Pole ins Kardinalskollegium berief. Auch förderte er neu gegründete religiöse Orden wie die Theatiner, Kapuziner, Ursulinen und die Jesuiten. Der Jesuitenorden, an dessen Spitze Ignatius von Loyola stand, setzte sich zur Aufgabe, den Glauben durch Predigten, einen Katechismus und durch Geistliche Übungen (Exercitia spiritualia) zu erneuern. Das erste Tridentinum 1545 setzte sich mit doktrinären und disziplinären Fragen auseinander, die durch den Protestantismus entstanden waren.
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