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Artikelgliederung
Enzyklopädie (von griechisch enkyklios paideia: Kreis der Bildung), im 5. Jahrhundert von dem Sophisten Hippias von Elis geschaffener Begriff, der das Ideal allumfassender Bildung bezeichnen sollte. Im 1. Jahrhundert v. Chr. fasste Marcus Terentius Varro unter der Bezeichnung Enzyklopädie sein System der Artes liberales (Grammatik, Rhetorik, Musik, Arithmetik, Dialektik, Geometrie, Astronomie) zusammen, also jener sieben „freien” Künste oder Wissenschaften, die dem Bürger zum Studium offenstanden. Dieser Kanon war für die Schulbildung des Mittelalters verbindlich. So entstand die Idee, die Artes liberales in Buchform zu systematisieren. Im Spätmittelalter wurde dann der Name Enzyklopädie für solche Bücher gebräuchlich. Die Idee der modernen Enzyklopädie als eines Kompendiums des Gesamtwissens entstand in der Neuzeit, vor allem aber im 17. und 18. Jahrhundert. Durch den gewaltigen Informationsanstieg vor allem im Bereich der Naturwissenschaften wurde es damals erstmals notwendig, Wissen zu organisieren. Nach den Formen dieser Organisation unterscheidet man systematische (nach Themenkreisen geordnete) und alphabetische Enzyklopädien. Obwohl ihre Anfänge bis ins Mittelalter zurückreichen, setzten sich alphabetische Enzyklopädien erst in der Neuzeit durch. Daneben sind die Bezeichnungen Allgemein-Enzyklopädie, Universal-Enzyklopädie, Real-Enzyklopädie, Fach- und Spezial-Enzyklopädie gebräuchlich. Ebenso wie das Wörterbuch ist die Enzyklopädie eine Sonderform des Lexikons.
Vorformen der systematischen Enzyklopädie werden dem griechischen Philosophen Speusippos zugeschrieben, einem Schüler Platons, von dessen im 4. Jahrhundert v. Chr. entstandenem Werk allerdings nur Fragmente naturhistorischen, mathematischen und philosophischen Inhalts überliefert sind. Der erste enzyklopädische Autor Roms war Marcus Terentius Varro. Im 1. Jahrhundert v. Chr. erschien seine Enzyklopädie der freien Künste (Disciplinarum libri IX) sowie sein staatswissenschaftliches Handbuch Antiquitates rerum humanarum et divinarum, das in 41 Büchern über geographische, anthropologische und religiöse Fragen informierte. Beide sind ebenfalls nur in Auszügen erhalten geblieben. Die älteste vollständig überlieferte systematische Enzyklopädie ist die Naturalis historia (um 79 n. Chr.) von Plinius dem Älteren. Ihre 37 naturgeschichtlich orientierten Bücher sind in 2 493 Kapitel unterteilt und befassen sich mit Gebieten der Physik, Botanik, Anthropologie, Land- und Forstwirtschaft, Zoologie und Mineralogie.
Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. entstand Martianus Minneus Felix Capellas Enzyklopädie De nuptiis Mercurii et Philologiae, die sich an römischen Quellen orientierte und während des gesamten Mittelalters als Lehrbuch hoch geschätzt war. Das allegorische Werk in Vers und Prosa beschreibt die Heirat von Merkur mit der „sehr gelehrten Jungfrau” Philologia (der Philologie). Die sieben freien Künste treten personifiziert als Brautjungfern auf. Der bemerkenswerteste Aspekt dieser Enzyklopädie ist die Behauptung, dass sich die Planeten Merkur und Venus um die Sonne und nicht um die Erde drehen. Das von dem Romanisten und Mediävisten Ernst Robert Curtius so genannte „Grundbuch mittelalterlicher Bildung” aber stellte zweifellos Flavius Magnus Aurelius Cassiodorus’ Institutiones divinarum et saecularium litterarum dar, das die Artes liberales mit Bibelwissen mischte und theologisch zu institutionalisieren suchte. Ein im Mittelalter ebenfalls beliebtes Wissenskompendium war das Etymologiarum sive originum libri XX (Zwanzig Bücher der Etymologien oder Ursprünge), die 623 von Isidor von Sevilla zusammengestellt wurde. Darin sind medizinische, biologische, erdgeschichtliche, biblische, grammatische, militärische und architektonische Gebiete abgehandelt. Isidors Anspruch zufolge sollte das gesamte damals bekannte Weltwissen in seiner Enzyklopädie zusammengetragen werden. Eine Besonderheit ist das zehnte Buch, das alphabetisch geordnet ist. Im 9. Jahrhundert wurden einige Bücher der Enzyklopädie Isidors neu zusammengestellt und später von dem Mainzer Erzbischof Hrabanus Maurus in einer Neuausgabe herausgegeben. 847 legte Maurus sein Werk dem Römischen Kaiser Ludwig II. vor. 1473 wurde es unter dem Titel De rerum naturis seu de universo erstmals gedruckt. Die umfassendste Enzyklopädie des Hochmittelalters ist zweifellos das Speculum maius (der Große Spiegel) des Dominikanermönches Vinzenz von Beauvais. Aus dem 13. Jahrhundert stammend, sind in ihm über 2 000 Quellen verarbeitet. So gingen in die in vier Abteilungen (Spiegeln) organisierten 80 Bücher neben theologischen Schriften die von 450 griechischen, hebräischen und römischen Autoren ein. Mehr als jedes andere Werk des Mittelalters weckte das Speculum maius das Interesse an antiker Literatur neu. In der Folge erschienen zahlreiche Enzyklopädien in der Tradition Vinzenz von Beauvais. Die meisten dieser Bücher wurden auf Latein verfasst. Die erste nationalsprachliche Enzyklopädie stammt von Brunetto Latini, einem Freund und Ratgeber Dantes. Seine im französischen Exil geschriebenen Schätzbücher (1260-1267, Li livres dou trésor) sind das erste Beispiel einer reinen Laien-Enzyklopädie, die einem bürgerlichen Leserkreis praxisbezogenes Wissen vermitteln sollte. Die volkssprachliche Bearbeitung einer lateinischen Enzyklopädie legte zwischen 1349 und 1350 Konrad von Megenberg mit seinem Buch der Natur vor. 1559 kam die Encyclopaedia Paul Scalichs heraus, welche – so unbedeutend sie auch war – den Begriff Enzyklopädie erstmals im Titel trug. Als einer der ersten unternahm der englische Philosoph Francis Bacon in seiner Instauratio Magna (Die große Erneuerung) den methodologischen Versuch einer enzyklopädisch-systematischen Neueinteilung der Wissenschaften. Zwei Hauptteile erschienen zwischen 1620 und 1622: Das Großprojekt selbst wurde nie vollendet. Zum Ausklang des 17. Jahrhunderts wurde es üblich, Enzyklopädien in der jeweiligen Landessprache abzufassen. Zu den größeren französischen Enzyklopädien dieser Art gehört Thomas Corneilles Dictionnaire des arts et des sciences (1694).
Die Idee der modernen (alphabetischen) Enzyklopädie verdankt sich zum Großteil dem Zeitalter der Aufklärung. Viele deutsche Enzyklopädien des 17. und 18. Jahrhunderts allerdings waren zunächst noch systematisch strukturiert. Dazu gehört das Lehrbuch der Wissenschaftskunde (1792) von Johann Joachim Eschenburg, der Versuch einer systematischen Encyclopädie der Wissenschaften (1796-1798) von Wilhelm Traugott Krug sowie Georg Wilhelm Friedrich Hegels bedeutende Encyclopädie der philosophischen Wissenschaften (1817). Gleiches gilt für die erste englische Enzyklopädie, Ephraim Chambers’ Cyclopedia, or an Universal Dictionary of Arts and Sciences (1728), welche die – jetzt alphabetische – Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts, et des métiers (1751-1776) von Jean Le Rond d’Alembert und Denis Diderot (siehe unten) maßgeblich beeinflusste. Allmählich jedoch löste die alphabetische Enzyklopädie die systematische ab. Auch wurden die Einträge kürzer, die Anzahl der Stichworteinträge ausgeweitet. Auf diese Weise sollte die Wissensaufnahme für breite Bevölkerungsschichten erleichtert, das Spektrum des archivierten Wissens selbst ausgedehnt werden. Die Enzyklopädie wurde immer mehr zum Nachschlagewerk. Es entstand die heute übliche Form des enzyklopädischen Universal-Lexikons.
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