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Sankt Petersburg, Hafenstadt in Russland, am Mündungsdelta des Flusses Newa, am östlichen Ende des Finnischen Meerbusens. Die nach der Landeshauptstadt Moskau zweitgrößte Stadt Russlands fungiert als Verwaltungszentrum (Gebietshauptstadt) der Region Leningrad. Von 1914 bis 1924 trug die Stadt den Namen Petrograd, von 1924 bis 1991 den Namen Leningrad. Das über 600 Quadratkilometer große Stadtgebiet umfasst 58 Quadratkilometer Wasserflächen, besonders die hier bis zu 650 Meter breite Newa, über 40 Flussarme des Newa-Deltas, rund 20 Kanäle und 42 Inseln des Mündungsgebiets. Hunderte von Brücken überqueren diese Wasserläufe. Schon immer musste Sankt Petersburg durch umfangreiche Hochwasserschutzbauten gesichert werden. Ein rund 25 Kilometer langer Hochwasserdamm mit Aquädukten und Schiffsschleusen ist seit 1980 im Bau; er führt von Lomonossow (an der Südküste des Finnischen Meerbusens) über die Insel Kotlin (Kronstadt) bis nach Gorskaja (an der Nordküste). Zu Sankt Petersburg gehören die acht Satellitenstädte Kolpino, Kronstadt, Lomonossow, Petrodworez, Puschkin, Pawlowsk, Selenogorsk sowie Sestrorezk. Die 1955 eröffnete U-Bahn umfasst inzwischen ein 90 Kilometer langes Streckennetz und bedient 53 Stationen. Sankt Petersburg besitzt einen der größten russischen Häfen. Ein Tiefseekanal in der Newa macht den Hafen über den Finnischen Meerbusen für Überseeschiffe zugänglich. Der Hafen ist meist von November bis April zugefroren, der Kanal wird jedoch von Eisbrechern offen gehalten. Kanäle und natürliche Wasserwege verbinden die schiffbare Newa mit dem Kaspischen Meer und dem Weißen Meer sowie mit dem Dnjepr und der Wolga.
Sankt Petersburg ist eines der größten Industriezentren Russlands. Besonders um den Hafen haben sich zahlreiche Werften niedergelassen, darunter die Admiralitäts-, die Baltische und die Nordwerft. Neben dem bedeutenden Schiffsbau sind hier zahlreiche Betriebe des Maschinen- und Fahrzeugbaus ansässig, darunter Traktoren-, Turbinen-, Generatoren-, Kran-, Bagger- und Waggonbau. Stark vertreten sind auch Betriebe, in denen militärische Geräte, wie z. B. U-Boote, produziert werden. Weitere wichtige Wirtschaftsbranchen der Stadt sind Elektronik, chemische, petrochemische und optische Industrie sowie Nahrungsmittelverarbeitung, Papierproduktion und Druckgewerbe. Die Verkehrsinfrastruktur ist sehr gut ausgebaut; die Stadt ist Knotenpunkt von zwölf Eisenbahnstrecken, Schnittpunkt bedeutender Autobahnen und wichtigster russischer Ostseehafen (seit 1996 mit Containerterminals). Neben der bedeutenden Binnenschifffahrt auf den Kanälen (u. a. Wolga-Ostsee-Wasserweg) gibt es zahlreiche Fährverbindungen, z. B. nach Helsinki, Stockholm und Kiel. Der internationale Flughafen Pulkowo befindet sich südlich der Stadt.
Die 17 Stadtbezirke von Sankt Petersburg werden nach „Seiten” zusammengefasst: Große (oder Moskauer) Seite (am Südufer der Newa), Wyborger Seite (am Nordufer der Newa), Petrograder Seite (im Newadelta) und Wassilij-Insel. Das heutige Zentrum von Sankt Petersburg liegt links der Newa auf dem Südufer, gegenüber auf dem Nordufer befindet sich die von Peter I. (dem Großen) errichtete Peter-und-Pauls-Festung, das älteste Gebäude der Stadt. Die Festung umfasst die klassizistische Peter-und-Pauls-Kathedrale (1712-33), das Staatsgefängnis (politisches Gefängnis während der Zarenzeit), die Münze und das Arsenal (heute Artilleriemuseum). Auf der Großen (Moskauer) Seite stehen die prächtigen Paläste, die imposanten Straßen („Prospekte” genannt) und die berühmten Theater. Die gesamte barock-klassizistische Innenstadt wurde 1990 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Direkt an der Newa erhebt sich das beeindruckende Winterpalais (1754-1762), ein prunkvoller Barockbau, der den russischen Zaren vor der Russischen Revolution (1917) als Winterresidenz diente. Gleich daneben befindet sich die Eremitage mit Kleiner Eremitage (1764-1767), Eremitage-Theater (1785-1787) und Neuer Eremitage (1839-1852 von Leo von Klenze). Zwischen 1918 und 1939 wurde das Winterpalais in das Ensemble der Eremitage integriert. Nordöstlich davon befindet sich der Sommerpalast (1714) Zar Peters I., im Südwesten der Eremitage die Admiralität (1704-1711 als befestigte Werft errichtet, 1806-1823 umgebaut) mit ihrem markanten Turm. Eine der Hauptachsen der Stadt ist der Newskij-Prospekt, eine Prachtstraße, die von der Admiralität zur Alexander-Newskij-Kathedrale (1776–1790) verläuft.
Sankt Petersburg ist Sitz eines russisch-orthodoxen Metropoliten und „Kulturhauptstadt” Russlands. Zu den bedeutendsten Bildungeinrichtungen gehören 35 Institute der Russischen Akademie der Wissenschaften, die Russische Akademie der Künste, die Universität (1819 gegründet) sowie 50 weitere Hochschulen. Im Oktober 2000 wurde das nach dem russischen Polarforscher Otto Juljewitsch Schmidt benannte Institut für Polar- und Meeresforschung eingeweiht. Unter den knapp 2000 öffentlichen Bibliotheken in der Stadt sind besonders die Saltykow-Schtschedrin-Bibliothek (1795 gegründet, über 28,5 Millionen Bände) sowie die Russische Nationalbibliothek hervorzuheben. Von den über 50 Museen und über 30 Theatern, Konzertsälen und Bühnen genießt besonders das Kirow-Theater mit seinem Kirow-Ballett Weltruhm. Das 1738 von Jean-Baptiste Landé gegründet Ballett ist im Marien-(Mariinski-)Theater zu Hause. Das Sankt Petersburger Philharmonische Orchester (bis 1991 Leningrader Philharmonie), direkter Nachfolger des Zaristischen Hoforchesters, gehört zu den internationalen Spitzenorchestern. Herausragende Museen sind Kunstkammer (Museum für Anthropologie und Ethnographie), Eremitage und Russisches Museum.
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