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InternationaleEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Die Erste Internationale; Die Zweite Internationale; Die Dritte Internationale (Komintern); Die Vierte Internationale; Das Kommunistische Informationsbüro (Kominform)
Im März 1919 entstand in Moskau auf Initiative Lenins die Dritte oder Kommunistische Internationale (Komintern, KI). Die Komintern war als kommunistische Weltorganisation – mit den nationalen kommunistischen Parteien als Sektionen der Weltpartei – konzipiert und basierte organisatorisch auf dem Prinzip des demokratischen Zentralismus. Erster Präsident des Exekutivkomitees, des Führungsorgans der Komintern, das seinen Sitz in Moskau hatte, war Grigorij J. Sinowjew. Auf ihrem zweiten Weltkongress 1920 formulierte die Komintern einen Katalog von 21 Aufnahmebedingungen und provozierte damit die Spaltung mehrerer sozialistischer Parteien, so z. B. der USPD und der französischen Sozialisten. Durch diese Bedingungen grenzte sich die Komintern zudem klar von der wieder gegründeten, nun sozialdemokratisch orientierten Zweiten Internationale ab. Unter Stalin, der nach Lenins Tod 1924 die Macht in Partei und Staat übernahm, geriet die Komintern selbst wie ihre Mitgliedsparteien völlig in die politische Abhängigkeit von der KPdSU und wurde von Stalin zunehmend auch als außenpolitisches Instrument missbraucht. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland legte die Komintern auf ihrem siebten und letzten Weltkongress 1935 ihre Mitglieder auf eine Volksfrontpolitik gegen Faschismus und Nationalsozialismus fest, was wiederum die faschistischen Mächte Deutschland und Japan 1936 zur Gründung des Antikominternpaktes veranlasste. Als Zugeständnis an die westlichen Alliierten im 2. Weltkrieg löste Stalin im Mai 1943 die Komintern auf.
Die Vierte Internationale wurde 1938 in Frankreich von Trotzkij und seinen Anhängern in Opposition zu Stalin und mit orthodox-leninistischer Programmatik gegründet. Nach Trotzkijs Ermordung 1940 versank die unter vielfachen Spaltungen leidende Organisation in der Bedeutungslosigkeit.
De facto als Nachfolgeorganisation der Kommunistischen Internationale gründeten am 30. September 1947 die kommunistischen Parteien der Sowjetunion, Bulgariens, Polens, Jugoslawiens, der Tschechoslowakei, Ungarns sowie Italiens und Frankreichs in Warschau das Kommunistische Informationsbüro (kurz: Kominform; eigentlich Informationsbüro der kommunistischen und Arbeiterparteien). Das Kominform war ursprünglich als Organisation zur gegenseitigen Information, zum Erfahrungsaustausch sowie zur freiwilligen Koordination der Tätigkeiten ihrer Mitglieder angelegt; tatsächlich aber wurde es, wie schon die Komintern, von der KPdSU dominiert und von Stalin für außenpolitischen Zwecke eingesetzt, vor allem gegenüber Jugoslawien und den emanzipatorischen Tendenzen des jugoslawischen Staats- und Parteichefs Tito. Tito allerdings lehnte es ab, die jugoslawische KP der sowjetischen Linie gleichzuschalten, bestand vielmehr auf einem „eigenen Weg zum Sozialismus”, weshalb die jugoslawische KP schon im Juni 1948 wieder aus dem Kominform ausgeschlossen wurde; Tito-Anhänger in den anderen Mitgliedsparteien des Kominform wurden auf Anordnung Stalins rücksichtslos verfolgt. Der Sitz des Kominform, bisher in Belgrad, wurde nach Bukarest verlegt. Im Rahmen der Entstalinisierung und im Hinblick auf eine Normalisierung der sowjetisch-jugoslawischen Beziehungen löste sich das Kominform am 17. April 1956 auf Betreiben Chruschtschows auf.
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