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Sozialpsychologie

Enzyklopädieartikel
Artikelgliederung
1

Einleitung

Sozialpsychologie, Gebiet der Psychologie, in dem das Verhalten von Menschen unter direktem oder indirektem Einfluss sozialer Stimuli (Reize) wissenschaftlich erforscht wird. Wie allen anderen Sozialwissenschaften geht es auch der Sozialpsychologie zudem um die Frage, wie gesellschaftliche Ordnung entsteht, wie sich der Einzelne zu ihr verhält und warum.

Sozialpsychologen interessieren sich für das Denken, die Gefühle, Wünsche und Urteile von Menschen ebenso wie für ihr Verhalten. Die inneren Zustände eines Menschen lassen sich aus seinem beobachtbaren Verhalten nur erschließen. Menschliches Handeln hängt, unabhängig davon, ob im Moment der Handlung tatsächlich andere Menschen anwesend sind, von sozialen Stimuli ab. Praktisch alles, was eine Person tut oder erlebt, wird in gewissem Umfang von aktuellen oder früheren Sozialkontakten beeinflusst.

2

Theorieentwicklung

Die Geschichte der Sozialpsychologie als einer eigenen wissenschaftlichen Disziplin beginnt 1908 mit dem Erscheinen zweier Lehrbücher: der Introduction to Social Psychology (1928; Einführung in die Sozialpsychologie) des britischen Psychologen William McDougall und Social Psychology. An Outline and Sourcebook von dem amerikanischen Soziologen Edward Alsworth Ross. McDougall entwickelte eine umstrittene Theorie der menschlichen Triebe, die er als breit angelegte zielgerichtete Tendenzen verstand, die sich im Prozess der Evolution herausgebildet haben. Ross untersuchte einen völlig anderen Bereich, indem er sich mit der Übertragung sozialen Verhaltens zwischen Individuen befasste, beispielsweise mit dem Einfluss der Gefühle einer Person auf die einer anderen in einer Masse oder mit der Frage, warum Menschen Moden mitmachen.

1924 veröffentlichte der amerikanische Psychologe Floyd H. Allport sein Lehrbuch der Sozialpsychologie, das die Sozialpsychologie als Spezialgebiet der Allgemeinen Psychologie behandelte. Allport erklärte einen Großteil des sozialen Verhaltens mit den Prinzipien des Assoziationslernens, die er erstmals auf soziale Tatbestände anwandte. Er vermied so den Bezug auf soziale Kräfte, die Ross vermutete, ebenso wie den Rückgriff auf differenzierte Trieb-Dispositionen, die McDougall und seine Schüler für das Sozialverhalten verantwortlich machten.

3

Erste Experimente

In den dreißiger Jahren wurden erste empirische Untersuchungen zum Sozialverhalten bei Tieren (Vergleichende Verhaltensforschung), zum Problemlösen in Gruppen, zu Einstellungen und zur gegenseitigen Beeinflussung (Persuasion), zu nationalen und ethnischen Stereotypen (Vorurteilen), zur Ausbreitung von Gerüchten und zu Führungsstilen durchgeführt. Der deutschamerikanische Psychologe Kurt Lewin betonte die Notwendigkeit einer theoretischen Grundlegung. Der Zweck der Forschung war seiner Auffassung nach, die dem in Frage stehenden Verhalten zugrunde liegenden Mechanismen, die auf theoretischem Weg gefunden worden waren, zu klären. Die Theorie bietet für ein bestimmtes Verhalten eine bestimmte Erklärung und ermöglicht dem Forscher, die speziellen Bedingungen vorherzusagen, unter denen das in Frage stehende Verhalten auftreten oder nicht auftreten wird. Der Forscher entwirft dann Experimente, in denen die entsprechenden Bedingungen systematisch variiert werden und das Auftreten des Verhaltens beobachtet und gemessen werden kann. Die Ergebnisse können Veränderungen und Erweiterungen der Theorie zur Folge haben.

1939 veröffentlichte Lewin gemeinsam mit zwei seiner Doktoranden ein Experiment von historischer Bedeutung. Die Forscher veranlassten ein und dieselben Erwachsenen zu verschiedenen Führungsstilen in gemischten Kindergruppen. Die Erwachsenen versuchten jeweils ein spezielles Gruppenklima – also eine soziale Umgebungsbedingung– zu erzeugen, und zwar durch einen demokratischen, einen autokratischen und einen Laissez-faire-Führungsstil. Die Reaktionen der Kinder in den Gruppen wurden sorgfältig beobachtet, die entstehenden Muster des Sozialverhaltens detailliert aufgezeichnet. Zwar hatte das Experiment viele Schwächen, aber dennoch konnte gezeigt werden, dass etwas so schwer Greifbares wie ein demokratisches Sozialklima unter kontrollierten Laborbedingungen herzustellen ist.

Die Originalität und der Erfolg dieser Untersuchung wirkten auf andere Forscher befreiend. Gegen Ende des 2. Weltkrieges war eine wahre Flut experimenteller Forschung zu registrieren, in der soziale Umwelten mit Hilfe von Schauspielkunst im Labor vorübergehend verändert wurden. Etwa gleichzeitig machte die nichtexperimentelle sozialpsychologische Forschung, die Feldforschung, bedeutende Fortschritte.

4

Forschungsgebiete

Die Sozialpsychologie befasst sich in weiten Teilen mit denselben Themen wie andere Fachgebiete, insbesondere die Soziologie und die Ethnologie. Jedoch unterscheiden sich diese drei Wissenschaften insofern, als die Soziologie soziale Gruppen und Institutionen und die Ethnologie menschliche Kulturen erforscht, während die Sozialpsychologie danach fragt, wie soziale Gruppen, Institutionen und Kulturen das Verhalten der Einzelnen beeinflussen. Im Folgenden wird ein Überblick über die wichtigsten sozialpsychologischen Forschungsgebiete gegeben.

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