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SozialpsychologieEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Theorieentwicklung; Erste Experimente; Forschungsgebiete; Forschungsmethoden; Angewandte Sozialpsychologie; Zwischenmenschliche Beziehungen; Interpersonelle Kommunikation; Soziale Wahrnehmung
Sozialpsychologen, die die Erscheinungsformen der Sozialisation– also den Prozess der Vorbereitung auf und der Einübung für eine bestimmte soziale Umwelt – untersuchen, fragen danach, wie Individuen die Regeln lernen, die für ihr Verhalten gegenüber anderen Mitgliedern ihrer Gesellschaft, der Gruppen, denen sie angehören, und gegenüber anderen Menschen, mit denen sie in Kontakt kommen, gelten. Fragen, z. B. wie Kinder ihre Sprache, Geschlechtsrollen, moralische und ethische Prinzipien und allgemein angemessenes Verhalten lernen, sind intensiv untersucht worden. Gut erforscht sind auch die Techniken, mit deren Hilfe Erwachsene ihr Verhalten an neue Situationen oder Institutionen anpassen.
Einstellungen werden in der Regel als erworbene Tendenzen betrachtet, die die Reaktionen einer Person auf Objekte, Menschen oder Gruppen relativ dauerhaft beeinflussen. Einstellungen werden im Allgemeinen als Ergebnis der Sozialisation und daher als veränderbar angesehen. Da das Verhalten einer Person gegenüber anderen oft, allerdings nicht immer, mit ihren Einstellungen gegenüber diesen übereinstimmt, ist die Erforschung der Bildung, seelisch-geistigen Strukturierung und Veränderung von Einstellungen für die Theoriebildung wie für die Praxis der Sozialpsychologie von großer Bedeutung. Einstellungen ergeben sich auch aus dem Verhalten, nicht nur umgekehrt. Diese Erkenntnis basiert auf der gut bestätigten Annahme, dass Menschen danach streben, in ihrer Sicht von sich selbst und ihrer Umgebung Folgerichtigkeit und Konsistenz aufrechtzuerhalten. Eine Reihe von Theorien der kognitiven (gedanklichen) Konsistenz nimmt in der Sozialpsychologie einen wichtigen Platz ein. In diesen Theorien wird formuliert, dass es Menschen sehr wichtig ist, davon ausgehen zu können, dass ihr Denken und ihr Handeln miteinander übereinstimmen und dass eine wahrgenommene Inkonsistenz zwischen Handeln und Denken dazu veranlasst, diese Inkonsistenz reduzieren zu wollen. Die sozialpsychologische Forschung bemüht sich zu klären, unter welchen Bedingungen Menschen Inkonsistenz wahrnehmen und unter welchen Bedingungen sie versuchen, durch eine Änderung wichtiger Einstellungen Inkonsistenz zu reduzieren. Die Konsistenztheorien sagen voraus, dass die Einstellung einer Person gegenüber einer Personengruppe geändert werden kann, indem man die Person veranlasst, sich gegenüber dieser Gruppe anders zu verhalten; die Einstellungsänderung ist ein Ergebnis der Bemühungen der Person, ihre Vorstellungen von der Gruppe mit ihrem aktuellen Verhalten gegenüber den Gruppenmitgliedern in Übereinstimmung zu bringen.
Häufig haben sich Sozialpsychologen damit befasst, wovon es abhängt, ob und an wen Menschen sich binden und von wem sie beeinflusst werden und ob und wie sie versuchen, andere zu beeinflussen. So hat man beispielsweise herausgefunden, dass Menschen sich in unbekannten oder unangenehmen Situationen, in denen sie sich ihrer Empfindungen nicht sicher sind oder nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen, an andere wenden, die sie vielleicht mit Informationen zu diesem Problem versorgen. Weiter haben Sozialpsychologen auch herausgefunden, dass erstgeborene Kinder und Einzelkinder zeit ihres Lebens eine stärkere Neigung aufweisen, sich Gruppen anzuschließen, als später geborene Kinder.
Sozialpsychologische Forschung hat sich mit vielen Fragen der gegenseitigen Einflussnahme von Gruppe und Individuum befasst, u. a. mit Führungsfunktionen, Führungsstilen und der Führungseffektivität. Die Bedingungen, unter denen Einzelne oder Gruppen ihre Konflikte kooperativ oder im Wettstreit lösen sowie die vielfältigen Folgen dieser allgemeinen Stile der Konfliktlösung, werden ebenfalls erforscht. Darüber hinaus wird auch untersucht, wie Gruppenkonformität hergestellt wird und wie eine Gruppe mit abweichlerischen Mitgliedern umgeht.
Die Aufklärung der Entwicklung und der Auswirkungen dauerhafter Unterschiede zwischen Menschen ist ein weiterer Forschungsbereich. Unterschiede in der Leistungsmotivation (Motivation) können gemessen werden; sie haben bedeutsame Folgen für das Verhalten in den verschiedensten sozialen Situationen. Einstellungen gegenüber Autoritäten stehen im Zusammenhang mit der Haltung gegenüber ethnischen Minderheiten und mit bestimmten Aspekten des Sozialverhaltens; dies ist beispielsweise für die autoritäre Persönlichkeit nachgewiesen.
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