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Dialektik

Enzyklopädieartikel
Artikelgliederung
1

Einleitung

Dialektik (griechisch dialektike techne: Gesprächskunst; dialegein: miteinander sprechen in Rede und Gegenrede), philosophischer Begriff, der im Verlauf der Philosophiegeschichte mehrere Wandlungen erfuhr. Den verschiedenen Ansätzen gemeinsam ist die Bedeutung des Widerspruchs und Gegensatzes innerhalb des vorhandenen Textes, der Rede oder des Gesprächs, der jedoch möglichst nicht in der Entgegensetzung der Momente stehen bleiben, sondern in deren Diskussion aufgelöst und aufgehoben werden soll.

Philosophie als geistige Tätigkeit funktioniert in Form von Argumentation und Kritik. Dialektik ist dabei eine der Methoden, die zunächst als rhetorische Technik des Gesprächs, als Dialog, auftritt und im weiteren Verlauf der Philosophiegeschichte als eine Bewegung der Wirklichkeit selbst aufgefasst wird, die von der Philosophie nachgezeichnet wird.

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Antike

Erstmals methodisch erscheint die Dialektik bei Platon, der seine Texte als „dramatisch” gestaltete Dialoge verfasste, in welchen sich Sokrates und sein Gegenüber bemühen, der Wahrheit über ein Problem im wechselseitigen Gespräch näher zu kommen. Hier besteht die Dialektik im das Thema bewegenden Dialog, der verschiedene Perspektiven aufzeigen, unterschiedliche Positionen gegeneinanderstellen, falsche Meinungen widerlegen, die Realität strukturieren helfen und – im Idealfall – zur Wahrheit führen soll.

Sokrates bedient sich dazu häufig der Ironie, indem er scheinbar den Standpunkt seines Gegenparts übernimmt und dann Fragen, Zweifel und Kritik vorbringt, die die Unhaltbarkeit dieser Position Schritt für Schritt darlegen. Dabei stellt sich heraus, dass die vorgetragene These nur das Resultat vorschneller, oberflächlicher Betrachtung ist, die sich vom Schein täuschen lässt, anstatt zum Sein, zum Wesen der Sache durchzudringen, das für Sokrates bzw. Platon in einer „höheren Wirklichkeit” der Ideen beheimatet ist. Die Dialektik als Kunst des inhaltlich niveauvollen Gesprächs ist ein Hilfsmittel, das man benötigt, um die Sphäre der Ideen zu erreichen.

Im Gegensatz dazu erscheint die Dialektik in Platos Dialogen bei Sokrates’ sophistischen Gegenspielern zumeist nur als wortspielerische Eristik, deren Absicht, einen Redewettbewerb zu gewinnen, der echten Anstrengung, die Sache zu durchdringen, im Wege steht und Erkenntnis somit methodisch verhindert. Außerhalb der Philosophie hat der Begriff der Dialektik daher auch heute noch die Bedeutung der „Kunst des Streitgesprächs”, der mit Misstrauen begegnet wird, die besonders in der Politik eingesetzt wird, um einer bestimmten Ideologie zum Sieg zu verhelfen, und die in Rhetorikseminaren gelernt werden kann.

Platons berühmtester Schüler Aristoteles definiert Dialektik als Spezialbereich der Logik, bei dem Für und Wider in strittigen Fragen gegeneinander abgewogen werden, um zu einer definitiven Klärung des jeweiligen Sachverhalts zu gelangen. Die Topik thematisiert dabei vor allem das Aufdecken von logischen Fehl- und Trugschlüssen sowie Fehlern und Kunstgriffen bei der Argumentation.

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Mittelalter

Im Mittelalter zählte die Dialektik im Rahmen der Artes liberales, der freien Künste, zur Grundausbildung, dem so genannten Trivium, in der die Grundlagen wissenschaftlicher Arbeit vermittelt wurden. Mit der einsetzenden Neuzeit bildete sich dabei eine Unterscheidung zwischen der Dialektik als der Lehre von den nur wahrscheinlichen Schlüssen und der Analytik als der Lehre von streng logischen Schlüssen heraus.

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Immanuel Kant

Immanuel Kants Transzendentalphilosophie setzt die Unterscheidung zwischen Analytik und Dialektik ein, um den Schein zu durchdringen. Anders als bei Platon bleibt für Kant das Wesen (das „Ding an sich”) eine für die Vernunft unerreichbare Sphäre, und die Dialektik, die bei Platon noch der bevorzugte Weg der Erkenntnis war, wird bei Kant zum Gegenteil, zur „Logik des Scheins”. Denn sie produziert Antinomien, die notwendigerweise entstehen, wenn die Vernunft den Bereich der sinnlich erfahrbaren, empirischen Realität überschreitet und zu Fragen übergehen will, die die menschliche Vernunft übersteigen, z. B. ob die Welt einen Anfang und ein Ende hat. In der Kritik der reinen Vernunft (1781) formuliert Kant zudem die Kritik an diesem „Blendwerk”, die zwar die Aufdeckung dieses „ideologischen Denkens” leisten, aber keinen Zugang zur Welt der Ideen, zum Wesen der Dinge zu gewähren vermag.

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