Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Lateinische Sprache", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren.
Verwandte Elemente
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Lateinische Sprache

Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse
Seite 2 von 2

Lateinische Sprache

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Klassisches lateinisches AlphabetKlassisches lateinisches Alphabet
Artikelgliederung
5

Neulatein oder modernes Latein

Im 15. und 16. Jahrhundert entstand das Neulatein, auch modernes Latein genannt. Die Schriftsteller der Renaissance schrieben in einem neuen, ausgezeichneten Latein, das die Autoren der klassischen Periode – vor allem Cicero – nachahmte. Nahezu alle Bücher von Rang, ob naturwissenschaftlichen, philosophischen oder religiösen Inhalts, wurden zu jener Zeit in lateinischer Sprache verfasst. Dazu gehören auch die Werke des holländischen Gelehrten Erasmus, des englischen Philosophen Francis Bacon und des englischen Physikers Isaac Newton. Daneben war Latein auch das Verständigungsmittel für die diplomatischen Beziehungen zwischen den europäischen Nationen. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts schwand seine Bedeutung als internationale Sprache. Dennoch blieb es auch im 18. und 19. Jahrhundert die Sprache der klassischen Gelehrsamkeit, und sogar noch im 20. Jahrhundert werden bisweilen Abhandlungen in lateinischer Sprache verfasst. Die katholische Kirche verwendet die lateinische Sprache weiterhin in ihren offiziellen Dokumenten.

Im modernen Lateinunterricht werden verschiedene Aussprachen verwendet. In Europa, mit Ausnahme von Großbritannien, orientiert man sich an der Aussprache der modernen europäischen Sprachen, die wiederum die an das Italienische angelehnte Aussprache der katholischen Kirche übernommen haben. In Großbritannien klingen die lateinischen Wörter wie englische, wobei jedoch jede Silbe ausgesprochen wird. Daneben gibt es noch die römische Methode, die versucht, das Lateinische nach den Regeln der Zeit Ciceros auszusprechen; sie wird in Schulen und Universitäten in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern gelehrt. Eigennamen werden jedoch nach den Normen der jeweiligen Landessprache ausgesprochen: Cicero klingt in Deutschland wie Tsítsero, in Italien wie Chíchero, in Spanien wie Thíthero, in Frankreich wie Siséro und in England wie Sísero.

6

Eigenschaften

Der Lautbestand des Lateinischen weist fünf Vokale auf (a, e, i, o, u), deren Länge phonologisch relevant ist. Der Wortakzent befindet sich meist auf der vorletzten Silbe. Das Lateinische ist eine synthetisch-flektierende Sprache. Es werden sechs Kasus unterschieden (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Vokativ und Ablativ), drei Genera (Maskulinum, Femininum und Neutrum) und fünf Deklinationsklassen. Es gibt die Tempora Präsens, Perfekt, Imperfekt, Plusquamperfekt Futur I und Futur II. Das Tempussystem des Lateinischen ist geeignet, den zeitlichen Bezug eines Vorgangs zum Sprecher und die zeitlichen Relationen zwischen Vorgängen auszudrücken, nicht jedoch den Aspekt. In der Verbalflexion unterscheidet man vier Konjugationsklassen. Latein ist eine Nullsubjektsprache mit deutlicher Tendenz zur Subjekt-Objekt-Verb-Wortstellung (grundsätzlich ist die Wortstellung frei). Die lateinische Sprache besitzt einen strengen Satzbau und eine gewichtige Diktion, Kraft und Präzision; aufgrund dieser Eigenschaften war es all die Jahrhunderte hindurch hervorragend als wissenschaftliches und philosophisches Medium geeignet.

Die lateinische Sprache lebt in zweifacher Hinsicht weiter: Zum einen wird die literarische Sprache bis heute gelehrt und gelesen, und zum anderen besteht sie in den romanischen Sprachen weiter, denn sie stellen die moderne Weiterentwicklung des Vulgärlateins dar. Italienisch vor allem trägt zu Recht die Bezeichnung „modernes Latein” (romanische Sprachen). Die europäischen Sprachen haben vieles aus dem Lateinischen übernommen, direkt und – über die heute noch bestehenden romanischen Sprachen wie Französisch und Italienisch – auch indirekt. Die lateinische Sprache ist nicht nur wegen ihrer Literatur von Bedeutung, sondern auch weil sich aus der Betrachtung ihrer Entwicklung viel über Sprachgeschichte im Allgemeinen, aber auch über den Ursprung und die Entwicklung wichtiger moderner europäischer Sprachen lernen lässt.

Zurück
|
Nächste
In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2008 Microsoft