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Alkoholismus

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1

Einleitung

Alkoholismus, eine chronische und in der Regel fortschreitende Suchterkrankung, die durch körperliche und seelische Abhängigkeit von Ethylalkohol gekennzeichnet ist.

Vermutlich ist eine Kombination körperlicher, seelischer, sozialer und erblich bedingter Ursachen für das Entstehen von Alkoholismus verantwortlich. Der ererbten Komponente wird heute aufgrund von Forschungsergebnissen, die an eineiigen Zwillingen (siehe Zwillingsforschung) bzw. Adoptivkindern gewonnen wurden, ein Einfluss von 50 bis 60 Prozent zugeschrieben. Häufig führt Alkoholismus zu Gehirnschäden oder zu einem frühen Tod. Als relativ risikoarm gilt bei Frauen der Genuss von bis zu zehn bis zwölf Gramm Alkohol (das entspricht einem viertel Liter Bier oder einem achtel Liter Wein) täglich, bei Männern beträgt dieser Grenzwert 20 bis 24 Gramm. Manche Menschen, denen ein Alkohol abbauendes Enzym fehlt (u. a. jeder zweite Asiate), vertragen überhaupt keinen Alkohol. Studien, denen zufolge der tägliche Genuss geringer Alkoholmengen sogar gesundheitsfördernde Wirkungen haben soll, gelten aufgrund methodischer Mängel als widerlegt.

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Häufigkeit von Alkoholmissbrauch und Alkoholismus

In Deutschland sind anderthalb Millionen Menschen alkoholabhängig, mehrere tausend Kinder werden hier jährlich mit einer Alkoholembryopathie geboren. Einer Schätzung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen zufolge trinken 10 Prozent der Konsumenten alkoholischer Getränke etwa die Hälfte der verkauften Alkoholmenge. Mehr Männer als Frauen leiden unter Alkoholismus; jeder fünfte 12- bis 17-Jährige trinkt mindestens einmal pro Woche Alkohol. Insbesondere auch der Alkoholmissbrauch Jugendlicher nimmt bedenkliche Formen an. Zu den besorgniserregenden Tendenzen gehören der häufige Konsum von Alkopops (Mischgetränken aus Limonade und Spirituosen), die wegen ihres süßen Geschmacks unter Jugendlichen zu einem Modegetränk avanciert sind, und das so genannte Komasaufen, bei dem Jugendliche sich absichtlich – und manchmal mit tödlichem Ausgang – in Bewusstlosigkeit endende Alkoholvergiftungen zufügen.

Die durch Alkoholmissbrauch entstandenen volkswirtschaftlichen Kosten betragen in Deutschland pro Jahr etwa 20 Milliarden Euro; berücksichtigt sind dabei nicht nur Behandlungskosten für „alkoholassoziierte Krankheiten”, sondern u. a. auch Arbeitsausfälle, Arbeitsunfälle, Sachschäden und Frührenten. In Deutschland sterben jährlich etwa 70 000 Menschen an den Folgen von Alkoholmissbrauch.

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Entwicklung der Alkoholabhängigkeit

Heute geht man davon aus, dass es sich beim Alkoholismus um ein eigenes, vielschichtiges Krankheitsbild handelt. Alkoholismus entwickelt sich meistens über einen Zeitraum von Jahren. Zu den frühen und unauffälligen Symptomen zählt die übermäßige Bedeutung, die der Betroffene der Verfügbarkeit von Alkohol beimisst. Sich diese Verfügbarkeit zu sichern, beeinflusst ihn stark bei der Auswahl seines gesellschaftlichen Umgangs und seiner Aktivitäten. Alkohol wird schließlich immer mehr als stimmungsverändernde Droge konsumiert – und nicht als Lebensmittel oder Getränk, das im Rahmen eines sozialen Brauchs gereicht wird.

Anfangs kann der Alkoholiker eine hohe Alkoholverträglichkeit zeigen: Er trinkt mehr und erlebt dabei weniger unerwünschte Wirkungen als andere. Nach und nach trinkt der Betroffene allerdings größere Mengen, als er vertragen kann, wobei der Alkohol wichtiger wird als persönliche Beziehungen, Arbeit, Ansehen oder sogar Gesundheit. Im Allgemeinen verliert der Betroffene dann die Kontrolle über sein Trinkverhalten und kann immer weniger im Voraus abschätzen, wie viel Alkohol er in einer bestimmten Situation zu sich nehmen wird. Es kann zur körperlichen Abhängigkeit von der Droge Alkohol kommen, was manchmal dazu führt, dass der Kranke den ganzen Tag trinkt, um Entzugserscheinungen zu vermeiden. Alkoholiker reagieren auf Stress oft durch eine besonders starke Ausschüttung des Hormons Hydrocortison und versuchen, dies durch Alkoholmissbrauch zu kompensieren.

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Körperliche und seelische Auswirkungen

Alkohol wirkt unmittelbar toxisch (giftig) und sedativ (beruhigend). Die Unfähigkeit des Alkoholikers, sich während ausgedehnter Phasen des Alkoholmissbrauchs um seine körperlichen Bedürfnisse zu kümmern (z. B. ausreichende Ernährung), verschlimmert das Problem zusätzlich. Im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit wird oft ein stationärer Krankenhausaufenthalt erforderlich. Die körperlichen Auswirkungen können mehrere wichtige Organsysteme gleichzeitig betreffen. So kommt es beispielsweise zu unterschiedlichen Störungen des Verdauungstrakts, etwa Magengeschwüren, Bauchspeicheldrüsenentzündungen und Leberzirrhose. Zentrales und peripheres Nervensystem können dauerhafte Schäden davontragen. So gingen im Tierversuch bei Ratten nach 48-wöchigem Alkoholkonsum viele Verbindungen im zentralen Nervensystem verloren. Ursache war die Durchlöcherung des Endoplasmatischen Reticulums, wodurch Nervenzellen mit Calcium überschwemmt wurden; dies könnte Bewegungsstörungen bei Alkoholikern erklären, etwa das Händezittern. Nach chronischem Alkoholmissbrauch bleibt in manchen Gehirnregionen mit grauer Gehirnsubstanz ein permanenter Schaden, während sich Bereiche mit weißer Gehirnsubstanz regenerieren können. Chronischer Alkoholmissbrauch verändert außerdem den Haushalt von Hormonen wie Vasopressin (siehe Hypophyse), welche die Wasserausscheidung steuern. Dies ist eine mögliche Ursache für das gehäufte Auftreten von Diabetes insipidus bei Alkoholikern. Darüber hinaus fördert Alkohol das Tumorwachstum und damit die Krebsentwicklung, weil Alkohol die Neubildung von Blutgefäßen anregt. Andererseits blockiert Alkohol die Osteoblasten; diese Zellen sind für den Aufbau von Knochensubstanz zuständig. Durch diese Störung der Knochenbildung werden Knochen brüchiger und heilen schlechter nach Knochenbrüchen.

Zudem können Bewusstseinslücken und Halluzinationen vorkommen. Diese Symptome treten neben starkem Zittern bei der schwersten Alkoholentzugserscheinung auf, dem Delirium tremens, das auch bei sofortiger Behandlung tödlich sein kann. Im Gegensatz dazu führt z. B. der sehr schmerzhafte Entzug von Drogen wie Heroin nur selten zum Tod. Neuere Erkenntnisse zeigen, dass selbst mäßiger – insbesondere aber starker – Alkoholgenuss während der Schwangerschaft beim ungeborenen Kind zu schweren Schäden führen kann, nämlich zu einer Hemmung der körperlichen und geistigen Entwicklung.

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