Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Mythologie", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren.
Verwandte Elemente
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Mythologie

Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse

Mythologie

Enzyklopädieartikel
Multimedia
GilgameschGilgamesch
Artikelgliederung
1

Einleitung

Mythologie, die Gesamtheit der überlieferten Mythen einer bestimmten Kultur sowie deren wissenschaftliche Darstellung und Erforschung. Der Mythos ist eine Erzählung mit einem religös-weltanschaulichen Gehalt, im Allgemeinen eine Legende, die den Ursprung der grundlegenden Umstände und Voraussetzungen einer Kultur allegorisch beschreibt und schildert. So kann eine mythische Erzählung vom Anfang der Welt, von der Schöpfung der Menschen und Tiere und der Entstehung bestimmter Bräuche, Gebärden oder Formen menschlicher Aktivitäten handeln. Fast alle Kulturen besitzen oder besaßen Mythen und erklären ihre Welt u. a. in mythischen Kategorien.

Mythen unterscheiden sich von Märchen (siehe Volksdichtung) darin, dass sie „in einer Zeit vor der Zeit” angesiedelt sind, d. h. vor der Entstehung der Welt. Auch der Ort ihrer Handlung ist deshalb ein anderer als die uns bekannte Welt, er ist „die Welt vor der Welt”. Weil in Mythen die handelnden Personen Götter sowie andere übernatürliche Geschöpfe sind, wird der Mythos gewöhnlich als Aspekt der Religion betrachtet. Doch er ist weit mehr – aufgrund seines allumfassenden Charakters kann er viele Aspekte im Leben des Einzelnen und einer Gesellschaft erhellen.

2

Bedeutung und Interpretation

Seit den frühen Tagen der Philosophie ist die Bedeutung des Mythos Gegenstand ausgesprochen kontroverser Interpretationen. Philosophen lesen bis in die heutige Zeit Mythen als Ausdruck anderer Wahrheiten.

2.1

Mythos, Geschichte und Vernunft

Das Verhältnis zwischen dem Mythos (oder der Mythe) und der Vernunft (oder dem Logos) ist seit jeher gespannt. So priesen schon die griechischen Philosophen Xenophanes, Platon und Aristoteles die Vernunft und übten scharfe Kritik an dem Mythos, der als Methode, die Wirklichkeit zu erkennen, ungeeignet sei.

In der jüdisch-christlichen Tradition wurde der Mythos mit dem Begriff der Geschichte konfrontiert. Als komplizierend erwies sich jedoch dabei, dass der Gott der Juden und der Christen sich den Menschen in ihrer Geschichte und Gesellschaft offenbart hatte, trotz seiner Existenz außerhalb der gewöhnlichen Zeit und des gewöhnlichen Raumes.

Die Unterscheidung zwischen Vernunft und Mythos sowie zwischen Mythos und Geschichte war zwar grundlegend, aber niemals absolut. Aristoteles war der Auffassung, dass sich in einigen der frühgriechischen Schöpfungsmythen Logos und Mythos überschneiden. Platon verwendete Mythen als Allegorie und auch als literarischen Kunstgriff bei der Ausarbeitung eines Arguments. Mythos, Logos und Geschichte greifen auch in der Einleitung zum Johannesevangelium im Neuen Testament ineinander; hier wird Jesus Christus als Verkörperung des Logos dargestellt, der aus der Ewigkeit in die historische Zeit eintritt. Frühchristliche Theologen disputierten in ihren Deutungsversuchen der christlichen Offenbarung über die Rollen von Mythos und Geschichte in der biblischen Darstellung.

2.2

Mythen als kulturelles Erbe und Gegenstand der Forschung

Zum Erbe der westlichen Kultur gehört seit ihren frühesten Überlieferungen neben ihren vielgestaltigen Mythen auch die Auseinandersetzung darüber, ob der Mythos, die Vernunft oder die Geschichte die Bedeutung der Wirklichkeit von Göttern, Menschen und Natur am besten zum Ausdruck bringe. Aus dem reichhaltigen mythologischen Fundus der westlichen Kulturen haben die Mythen der Griechen eine herausragende Bedeutung. Sie inspirierten nicht zuletzt durch die Adaptionen der Römer (siehe römische Mythologie) Künstler und Philosophen späterer Epochen wie Renaissance und Romantik zu immer neuen Werken über die mythischen Stoffe. Auch von den heidnischen Kulturen aus dem Norden Europas ist eine sehr reichhaltige Mythenwelt überliefert, die vielfach verfremdet in den folkloristischen Elementen der Kulturen fortlebt.

Die romantische Bewegung wandte sich den älteren indogermanischen Mythen zu. Romantische Gelehrte sahen im Mythos eine nicht zu hinterfragende essentielle Form des menschlichen Ausdrucks: Für sie besaß der Mythos als Denk- und Wahrnehmungsweise eine Geltung, die dem rationalen Verständnis der Wirklichkeit gleichwertig oder manchmal sogar überlegen war. Im Westen gehörten Mythen schon immer zur klassischen und theologischen Bildung, aber in und nach der Aufklärung wuchs das Interesse an einer wissenschaftlichen Erkundung des Mythos vor allem in Ethnologie, Geschichte, Psychologie, Religionsgeschichte und in den Politikwissenschaften.

Zurück
| |
Nächste
In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2008 Microsoft