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Windows Live® Suchergebnisse Internationaler StilEnzyklopädieartikel
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Internationaler Stil, Architekturstil in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der einen radikalen Bruch mit der Bautradition vollzog. Der Internationale Stil experimentierte mit neuen Materialien, insbesondere mit Beton. Er zeichnet sich durch geradlinig-rechtwinklige, oft asymmetrische Formgebung und glatte, dekorationslose Oberflächen aus, die von horizontalen Fensterreihen durchbrochen werden. Erste Hauptwerke des Internationalen Stiles wurden in den zwanziger Jahren von Architekten wie Walter Gropius, Mies van der Rohe, J. J. P. Oud und Le Corbusier geschaffen. Den Begriff selbst prägten Henry-Russel Hitchcock und Philip Johnson 1932 in ihrem Ausstellungskatalog The International Style: Architecture since 1922. Auch nach dem 2. Weltkrieg entstanden bedeutende Werke des Internationalen Stiles, doch wurde die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts von anderen Entwicklungen dominiert.
Ein Vorläufer des Internationalen Stiles war die englische Arts and Crafts Movement, die den zeitgenössischen Historismus kritisierte und mit ihrem Ruf nach einfachen architektonischen Formen, einer zurückhaltenden Ornamentik und einem sozialen Funktionalismus Hauptgedanken der architektonischen Moderne vorwegnahm. Mit Stahlbeton experimentierten Anfang des 20. Jahrhunderts die Brüder Perret (siehe Auguste Perret) in Frankreich sowie Louis Sullivan bei seinen Hochhausbauten in Chicago. Sullivans Schüler Frank Lloyd Wright bevorzugte beim Entwurf seiner niedrigen, weitflächigen Präriehäuser horizontale Formen. Die radikalste Haltung jener Zeit nahm der Wiener Architekt Adolf Loos ein, der um 1890 Chicago besuchte. Nach seiner Rückkehr nach Österreich führte Loos einen vehementen Kampf gegen die ornamentale Architektur des Jugendstiles. Er schuf eine Anzahl strenger, schmuckloser Häuser, darunter das berühmte Haus Steiner in Wien (1910). Einer dezidierten Industriearchitektur wandte sich der Deutsche Werkbund zu, ein Zusammenschluss von Künstlern, Kunsthandwerkern und Architekten, der 1907 in München gegründet wurde. Zu seinen Mitgliedern gehörte Peter Behrens, der für die Elektrizitätsgesellschaft AEG außergewöhnliche Gebäude entwarf, ebenso Hermann Muthesius und Walter Gropius. Muthesius etwa wollte den Prozess der Massenfertigung auf architektonische Produkte erweitern. Auf der Werkbund-Ausstellung 1914 in Köln jedoch widersetzte sich eine Gruppe um Henry van de Velde, die auf die individuelle Schöpferkraft des Künstlers bestand, diesem Konzept.
Durch die Verwüstungen des 1. Weltkrieges und die damit verbundene Wohnungsnot machte sich Le Corbusier daran, ein Konzept für preiswerte Massenbauten zu entwickeln. Es entstand das so genannte Dom-ino-Projekt. Le Corbusier schlug den Bau von Häusern mit einer Betonkonstruktion vor, die aus drei horizontalen Platten bestand, von denen die beiden oberen auf zurückgesetzten Stützpfeilern ruhten. Diese Konstruktion erwies sich als so stabil, dass die äußeren Mauern nicht das Gewicht des Gebäudes tragen mussten. In seinem Buch Vers une Architecture (1923) machte Le Corbusier geltend, dass jeder baumeisterliche Entwurf mit Grundformen wie Kubus und Zylinder arbeiten müsse. Des Weiteren forderte er eine architektonische Sprache, die an der Ästhetik der Maschinen orientiert sein solle. Aufgabe der modernen Architekten müsse sein, Häuser gemäß den industriellen Standards von Automobilen zu entwerfen. 1924 begann Gerrit Rietveld mit dem Bau des Schröder-Hauses in Utrecht, einem Beispiel für die Architektur der holländischen Gruppe De Stijl. De Stijl wurde 1917 in Leiden gegründet: Unter anderem gehörten ihr der Architekt J. J. P. Oud sowie die Maler Piet Mondrian und Theo Van Doesburg an. Der Farbflächenaufteilung im Werk Mondrians entspricht die flächige, aus sich überschneidenden Ebenen komponierte Konstruktion des Schröder-Wohnhauses, die wie schwerelos wirkt. In den frühen zwanziger Jahren wirkte in Weimar das Bauhaus, das 1919 von Walter Gropius, zunächst noch unter kunsthandwerklichem Aspekt, gegründet worden war. 1922 hielt Van Doesburg am Bauhaus eine Reihe von Vorträgen, die zu einer entschiedenen Umorientierung der Schule im Sinn der De-Stijl-Bewegung führten. Dies wird etwa an jenen klar strukturierten Blockgebäuden in Beton- und Glasbauweise deutlich, die Gropius von 1925 bis 1926 für das Bauhaus nach seinem Umzug in Dessau schuf. Diese Gebäude gehören zu den wichtigsten Frühwerken des Internationalen Stiles. Neben dem Bauhaus entwickelte sich in den zwanziger Jahren in Deutschland die Architektenverbindung Der Ring zu einem Forum für modernes Bauen. Dem 1925 gegründeten Ring gehörten u. a. Bruno Taut und Ludwig Mies van der Rohe an, der 1926 auch Vizepräsident des Deutschen Werkbundes wurde. Obwohl Mies van der Rohe kurz nach dem 1. Weltkrieg mit Stilmitteln des Expressionismus experimentierte, bekannte er sich nach 1923 zur Rationalität des Internationalen Stiles. Zu den wichtigsten Werken dieser Zeit gehören der deutsche Pavillon auf der Weltausstellung von Barcelona (1929) und die Weißenhof-Siedlung in Stuttgart (1927). Ähnlich wie für seine Wohnhäuser legte Le Corbusier auch für das Gebäude des Völkerbundes in Genf (1927, nicht ausgeführt) einen unkonventionellen, phantasievollen Entwurf vor. Die von den Architekten der Avantgarde mit Empörung aufgenommene Ablehnung seiner Pläne führte neben anderen Faktoren 1928 zur Gründung des Congrès Internationaux d’Architecture Moderne (CIAM), der zum jährlichen Gedankenaustausch diente und bis zu seiner letzten Sitzung 1959 die internationale Verknüpfung der architektonischen Moderne dokumentierte. Besonders anschaulich illustrierte dies eine 1932 durchgeführte Ausstellung im Museum of Modern Art (New York), die Entwürfe auch britischer, skandinavischer, japanischer und amerikanischer Architekten, darunter solche von Joseph Emberton, Mamoru Yamada, Erik Gunnar Asplund und Alvar Aalto, miteinbezog. Unter den Amerikanern waren auch George Howe und William Lescaze, die mit dem Philadelphia Savings Fund Society Building (1926-1932) einen der ersten Wolkenkratzer im Internationalen Stil errichteten. Ein weiterer führender amerikanischer Architekt der Ausstellung war der Wiener Emigrant Richard Neutra, dessen Lovell-Haus (1929) die Grundgedanken des Internationalen Stiles in einer außereuropäischen Umgebung realisierte. Somit zeigte der Ausstellungskatalog The International Style: Architecture since 1922 die globale Spannweite der Bewegung.
Der Nationalsozialismus brachte die moderne Architekturbewegung des Internationalen Stiles in Deutschland abrupt zum Stillstand. Da das faschistische Italien nicht gänzlich antimodernistisch war, konnte eine Strömung wie der Razionalismo entstehen, die sich mit dem Faschismus arrangierte und im Namen der Maschinenästhetik neoklassizistische und neofuturistische Tendenzen vertrat. So entstanden Bauten wie Giuseppe Terragnis Casa del Fascio (1932-1936) in Como. In Deutschland hingegen wurde 1933 das Bauhaus geschlossen. Mies van der Rohe und Gropius flohen 1937 in die USA. In der Zwischenkriegsphase entwarf Le Corbusier Pläne für eine moderne Stadt, die in soziale Funktionszonen aufgeteilt sein sollte. Diese Vorstellung führte 1933 zu der vom CIAM verabschiedeten Charta von Athen, die eine Unterteilung der Großstädte in Arbeits- und Wohnbereiche forderte. Noch auf Le Corbusiers urbanistische Nachkriegsprojekte wie die Planung für Chandigarh in Indien (1950) färbten solche Gedanken ab. Le Corbusier konnte erst zwischen 1947 und 1952 seinen Traum, das große Wohnhochhaus Unité d’Habitation in Marseille, realisieren. Hier verwendete er erstmals Sichtbeton (französisch béton brut), so dass die unruhige Fassadenstruktur betont wurde. Somit stellt das Unité d’Habitation einen Übergang Le Corbusiers vom klaren Internationalen Stil zum Brutalismus dar. Le Corbusiers brutalistisches Spätwerk übte auf Architekten wie James Stirling und Tange Kenzo großen Einfluss aus. Dennoch zeigt etwa Philip C. Johnsons 1949 in New Canaan (Connecticut) fertig gestelltes Glass House deutliche Bezüge zum Internationalen Stil. Mies van der Rohes Einfluss ist in zahlreichen europäischen und amerikanischen Bürohochhäusern der fünfziger und sechziger Jahre, z. B. in den von Skidmore, Owings & Merrill ausgeführten, sichtbar. Mies van der Rohe selbst schuf das Seagram Building, einen eleganten Wolkenkratzer mit getönten Glasfronten (1959 fertig gestellt). Während der sechziger Jahre entwarf eine neue Generation von Architekten, so die New York Five, eine Reihe von Gebäuden, die sich am Internationalen Stil orientierten. Die meisten Architekten allerdings lösten sich vom eleganten Rationalismus der Moderne. Neben dem Brutalismus traten andere Richtungen hervor, vor allem etwa eine postmoderne Architektur.
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