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  • Realismus | Xlibris

    Literaturepoche Realismus etwa 1850 bis 1900 ... Von Florian Wolfrum . Der Begriff Realismus, der Ende des 18. Jahrhunderts erstmals in Deutschland aufkam und um die Mitte des 19.

  • Realismus (1850-1890)

    Übersicht. Allgemeine Grundlagen; Realismus als literarisches Prinzip; Die Hauptgattung des Realismus: der Roman. Hauptvertreter. Der poetische Realismus in Deutschland

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Realismus

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Gustave Courbet: Begräbnis bei OrnansGustave Courbet: Begräbnis bei Ornans
Artikelgliederung
1

Einleitung

Realismus (lateinisch realis: sachlich, wirklich), in der Kunstwissenschaft allgemein die Bezeichnung für jeglichen Versuch einer wirklichkeitsgetreuen Darstellung der äußeren Realität in Malerei, Graphik und Bildhauerei. Im Besonderen wird eine diesem Grundsatz verpflichtete Strömung der Kunst zwischen 1830 und 1870 unter dem Epochenbegriff des Realismus gefasst.

2

Begriff und Stilmittel

Geprägt wurde der Begriff des Realismus in der französischen Kunst, namentlich von Gustave Courbet, dessen Gemälde von der Jury der Pariser Weltausstellung 1855 abgelehnt worden waren und der seine Bilder daher parallel zur offiziellen Präsentation zeitgenössischer Kunstwerke in seinem Pavillon du Réalisme präsentierte. Der Begriff diente vor allem dazu, seine Gemälde vom vorherrschenden Kunstgeschmack und den idealisierenden Werken des Klassizismus und der Romantik abzugrenzen.

Seit Courbet wird der Realismusbegriff auf alle Werke der älteren und neueren Kunstgeschichte angewandt, die versuchen, der Wirklichkeit durch Nachahmung möglichst nahezukommen und dabei nicht nur die Schönheit, sondern auch die „hässlichen” Seiten der Realität abzubilden. Je nach Lesart kann er inhaltlich (über die Motive) oder aber auch technisch (über den Malstil) gefüllt werden. In letzterem Sinn wird er in der Kunstwissenschaft oft mit dem Naturalismus („naturalistische Malweise”) gleichgesetzt.

3

Geschichte

Realistische Tendenzen in der bildenden Kunst gibt es seit der Antike. Plinius der Ältere berichtet über einen Wettstreit der Maler Zeuxis und Parrhasios gegen Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. über die Frage, wer die Natur am besten nachzuahmen imstande sei. Daraufhin malte Zeuxis Trauben, nach denen die Vögel pickten. Anschließend forderte er seinen Kollegen auf, doch den Vorhang von seinem Beitrag zu nehmen und sein Werk zu zeigen. Zu spät erkannte er, dass der Vorhang nur gemalt war, und gestand seine Niederlage ein: Zeuxis hatte zwar die Vögel, Parrhasios aber den Maler Zeuxis überlistet. Diese illusionistische Form der „Augentäuscherei” wird Trompe- l’œil genannt. Auch wenn zeitgenössische Beispiele nicht überliefert sind, soll sie in der griechischen und römischen Kunst überaus beliebt gewesen sein.

Ein wichtiger Schritt hin zum Realismus war vor allem die Entdeckung der Perspektive in der Renaissance durch den italienischen Künstler Filippo Brunelesci, mit der sich dreidimensionale Räume auf den zwei Dimensionen der Leinwand täuschend echt darstellen lassen. Diese Errungenschaft bedeutete einen Wendepunkt für die Landschafts- und Architekturmalerei der Folgezeit. Im Bereich des Porträts waren Maler wie Albrecht Dürer, Hans Holbein der Jüngere oder Lucas Cranach der Ältere wegbereitend. Caravaggio gab zudem dem Still-Leben eine neue, wirklichkeitsnahe Dimension; seine Nachfolger betrachteten, orientiert an diesem Vorbild, selbst welke Blätter und Obst als malwürdig.

Vor allem in den fein ausgeführten Herrschergemälden der spanischen Malerei und in den Genrebildern der niederländischen Malerei mit ihren teils derben Bauernszenen fanden die Realisten des 19. Jahrhunderts ihre Vorbilder. Vorbereitet wurde der Realismus außerdem von Malern des Biedermeier wie Carl Spitzweg, die sich der bürgerlichen Welt zuwandten, wenn sie diese auch oft noch verklärten.

3.1

19. Jahrhundert

Den als Illusion empfundenen idealistischen Heldenbildern des Klassizismus und der verklärenden, subjektiven Überhöhung der Natur in der Romantik setzten die Realisten des 19. Jahrhunderts die „objektive”, naturgetreue Darstellung entgegen, um die äußere Welt so gut wie möglich nachzuahmen. Hierzu wählten sie ihre Motive nicht mehr aus der Bibel oder der Mythologie, sondern aus der unmittelbaren Alltagsumgebung, vor allem erstmals verstärkt in der Großstadt und in der durch die industrielle Revolution veränderten Arbeitswelt mit ihren Maschinen und Fabriken. Zum Zweck einer realistischen Naturdarstellung malten viele englische und französische Maler erstmals im Freien (Pleinairmalerei) statt im Atelier. Wegweisend hierfür war die so genannte Schule von Barbizon; letztlich aber entwickelte sich der Realismus zwischen 1830 und 1870 in ganz Europa und den USA, bevor er von den neuen Strömungen der Moderne abgelöst wurde.

Mit seinem Werk Der Ursprung der Welt (1866), der detaillierten Darstellung einer weiblichen Scham, initiierte Gustave Courbet zudem eine damals als pornographisch empfundene Neuausrichtung der Aktmalerei, die heute als kunstgeschichtliche Revolution anerkannt wird. In Deutschland weisen die Bilder von Adolph Menzel erstmals realistische Züge auf. Dass Realismus jenseits von Bibeldarstellungen trotzdem stark religiös geprägt sein kann, zeigen Wilhelm Leibls Bilder von betenden Kirchenbesucherinnen, deren Sonntagsstaat bis in die kleinste Stickerei hinein detailliert wiedergegeben ist.

Andere wichtige Maler des Realismus waren Honoré Daumier, der sich auch mit Karikaturen von Mitgliedern der französischen Gesellschaft hervortat, Jean François Millet, der mit seinen bäuerlichen Motiven später Vincent van Gogh inspirierte, Karl Blechen, Hans Thoma und Wilhelm Trübner sowie in der russischen Kunst Ilja Repin, dessen Bilder aus dem entbehrungsreichen Leben des russischen Volkes stark sozialkritisch geprägt sind und auf diese Weise indirekt auch die Politik des Zaren anklagen. Berühmt wurde Repins Werk Burlaken an der Wolga (1873, auch Die Wolgatreidler).

Auch der nachfolgende Impressionismus wird bisweilen als „subjektiver Realismus” bezeichnet, weil er versuchte, Wahrnehmung naturwissenschaftlich zu ergründen und die Wirklichkeit in einer Art und Weise darzustellen, wie sie der menschlichen Rezeption entspricht. So lag der Trennung der Farben im Impressionismus die Erkenntnis zugrunde, dass sich eine Mischung erst im Bewusstsein des Betrachters ergeben kann. Auch malten die Impressionisten erstmals farbige statt schwarze Schatten – eine naturwissenschaftlich fundierte Erkenntnis, die von den Zeitgenossen nicht verstanden wurde.

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