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RealismusEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Die gesellschaftskritischen Impulse des Realismus wurden im 20. Jahrhundert fortgeführt, u. a. in den bedrückenden, gesellschaftskritischen und pazifistischen Kohlezeichnungen von Käthe Kollwitz oder bei John Heartfield, der zudem die Technik der Fotomontage weiterentwickelte. Eine realistische Kunstrichtung der zwanziger Jahre, die aus dem eher subjektiv geprägten Expressionismus hervorging, war die Neue Sachlichkeit. Außer bei den analytisch kalten Gesellschaftsbildern Christian Schads ist hier allerdings meist nur die Malweise realistisch, während die Werke anderer Vertreter der Neuen Sachlichkeit wie Georg Schrimpf oder Franz Radziwill zur Idylle oder zum Surrealismus neigen. Seit den dreißiger Jahren galt in der Sowjetunion der Sozialistische Realismus als offizielle Kunst- und Literaturdoktrin. Hier allerdings herrschte vor allem eine Heroisierung der kommunistischen Arbeitswelt und ihrer Protagonisten vor, die der wirklichkeitsgetreuen Wiedergabe der Gegebenheiten nicht entsprach. In den sechziger Jahren entstand in den USA parallel zur Pop-Art und in Abgrenzung zu den vorherrschenden Tendenzen zur Abstraktion der Fotorealismus (auch Hyperrealismus), der eine Übersteigerung realistischer Darstellungsmöglichkeiten anstrebte. Ein herausragendes Beispiel dieser fotorealistischen Spielart sind die Figuren von Durchschnittsamerikanern aus Glasfiber und Polyesterharz, die der Bildhauer Duane Hanson mit echten Haaren und Kleidungsstücken ausstattete. Die Irritation von Museumsbesuchern besteht nach wie vor darin, dass sich bei manchen dieser auch heute noch überaus lebensecht wirkenden Figuren ihr Status als Kunstwerk erst auf den zweiten Blick erschließt. Hansons Werk ist nicht zuletzt ein Reflex auf den 1960 begründeten Nouveau Réalisme, der in Anlehnung an Marcel Duchamp reale Objekte in das Kunstwerk integrierte oder diese zur Kunst erklärte.
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