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Vögel

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Anpassungen von VogelschnäbelnAnpassungen von Vogelschnäbeln
Artikelgliederung
1

Einleitung

Vögel, Klasse der Wirbeltiere, deren Arten Federn besitzen und in der Regel flugfähig sind.

Vögel haben einige Merkmale mit Säugetieren gemein, u. a. sind sie gleichwarm (siehe Homoiothermie) und haben ein Herz mit vier Kammern. Stammesgeschichtlich stehen sie jedoch den Reptilien nahe oder gelten gar als Gruppe innerhalb der Reptilien (siehe unten: Systematische Einordnung). Wie bei Reptilien und primitiven Säugern entwickeln sich Vogelembryonen in Eiern außerhalb des mütterlichen Körpers. Im Gegensatz zu den Schalen der meisten Reptilieneier sind diejenigen der Vogeleier nicht flexibel; bei großen Vogelarten können die Schalen sehr widerstandsfähig sein, bei kleinen jedoch leicht zerbrechen. Es gibt insgesamt etwa 9 000 Vogelarten, die Gesamtzahl der Vögel wird auf knapp 100 Milliarden geschätzt.

2

Anatomie und Physiologie

2.1

Skelett

Die meisten Vögel können fliegen, und alle stammen letztlich von flugfähigen Vorfahren ab. Der Körperbau der Vögel wird deshalb in erster Linie durch Anpassungen an das Fliegen bestimmt. Die Finger- und Handknochen der Vordergliedmaßen sind großenteils miteinander verschmolzen, was den großen Schwingenfedern des Flügels festen Halt gibt. Eine Verschmelzung von Knochen findet man auch im Schädel und im Beckengürtel; dies bewirkt größere Stabilität und spart Gewicht.

Viele Knochen ausgewachsener Vögel sind nicht mit Mark gefüllt, sondern hohl und an ein System von Luftsäcken angeschlossen, das sich durch den ganzen Körper zieht. Das Brustbein oder Sternum ist bei den meisten Vögeln relativ groß und trägt in der Mitte einen Kamm, die Carina. Am Brustbeinkamm setzt die kräftige Flugmuskulatur an. Bei den nicht flugfähigen Laufvögeln, zu denen u. a. Strauße und Kiwis gehören, ist der Brustbeinkamm zurückgebildet, und das Brustbein hat an Größe verloren.

Die Kiefer der heutigen Vögel sind zu zahnlosen Schnäbeln erweitert, deren Gewebe bei den meisten Vogelarten hart ist, bei einigen (wie Schnepfenvögeln und Enten) dagegen ledrig. Das Fehlen von Zähnen verringert das Schädelgewicht. Die Form des Schnabels ist nicht nur an die Art der Nahrung angepasst: Bei vielen Arten ragt der Oberschnabel über den Unterschnabel hinaus; diese weit verbreitete Struktur hat offensichtlich den Vorteil, das Gefieder effektiver nach Parasiten durchkämmen zu können (Proceedings of the Royal Society, 2005).

2.2

Gefieder

Die Gesamtheit der Federn eines Vogels, das Gefieder, erfüllt verschiedene Aufgaben. Das leuchtend bunte Gefieder vieler Männchen, zu dem häufig auch besondere Schmuckfedern gehören, dient der Werbung um Geschlechtspartner (siehe sexuelle Selektion). Andere Vögel sind dagegen getarnt: Sie sehen ähnlich aus wie ihre Umgebung und entgehen so der Aufmerksamkeit möglicher Fressfeinde. Dies ist insbesondere für Weibchen zur Brutzeit von großer Bedeutung. Manche Arten nehmen sogar Haltungen ein, welche die Schutzwirkung der Färbung noch unterstützen: Die zu den Reihern gehörenden Dommeln, die im Röhricht brüten, erstarren mit ausgestreckten Hälsen und steil nach oben gestreckten Schnäbeln in der so genannten Pfahlstellung, so dass sie dem umgebenden Schilf noch ähnlicher werden.

Zwergohreulen, deren Gefieder so gemustert ist, dass es der Rinde von Bäumen ähnelt, schließen ihre großen Augen und strecken sich, so dass sie mit einem abgebrochenen Ast verwechselt werden können. Bei den meisten Vögeln, etwa Enten und Fasanen, sind die ausgewachsenen männlichen Vögel bunt gefärbt, während sich die zur Brutzeit stärker gefährdeten Weibchen und die Jungvögel farblich der Umgebung anpassen. Manche Vögel, insbesondere die Regenpfeifer, tragen zur Tarnung kontrastreiche Gefieder mit unterbrochenen Mustern, die den Umriss des Vogels optisch auflösen, wenn er sich nicht bewegt, so dass er nur schwer zu entdecken ist.

Vögel werden durch ihr Gefieder gegen Kälte geschützt, weil darin isolierend wirkende Luft festgehalten wird. Arten, die besonders harte Winter überstehen müssen, haben oft ein dichteres Gefieder als verwandte Arten in gemäßigten Klimazonen. Schneehühner, kleine Raufußhühner, die arktische Tundren und hohe Gebirge besiedeln, sind die einzigen Vögel, die – wie manche Säugetiere, etwa das Hermelin – ein fast weißes Winterkleid anlegen und so im Schnee kaum zu erkennen sind. Schwimmvögel haben meist harte, Wasser abweisende Deckfedern, unter denen eine dichte Schicht kurzer, flaumiger Federn liegt, die Dunen oder Daunen. Die hervorragenden Isolationseigenschaften der Daunen, besonders derjenigen von Enten und Gänsen, machen sie für den Menschen zu nützlichen Füllmaterialien für Bettzeug und Winterkleidung.

Die meisten ausgewachsenen Vögel mausern sich, d. h., sie verlieren und erneuern mindestens einmal im Jahr alle Federn. Bei einigen sehr großen Vögeln kann sich die Mauser der Schwungfedern der Flügel über zwei Jahre hinziehen, beispielsweise bei Adlern und Kranichen. Federn verschleißen, und wenn sie lange dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, bleichen sie aus und werden spröde. Während der Mauser wachsen in Follikeln der Haut neue Federn heran und schieben die alten Federn hinaus. Mauserzyklen stehen oft mit anderen Lebenszyklen in Verbindung. Bei den meisten Zugvogelarten wächst das neue Gefieder nach der Brutzeit und vor dem Herbstzug.

2.3

Sinnesorgane

Die meisten Vögel haben relativ große Augen, besonders diejenigen, die im schwachen Licht der Morgen- oder Abenddämmerung oder gar nachts aktiv sind oder dunkle Wälder bewohnen. Vögel können ebenso wie der Mensch Farben unterscheiden (siehe Farbensehen). Dies ist nicht überraschend, denn die Färbung des Gefieders spielt in ihrem Leben eine wichtige Rolle. Mit wenigen Ausnahmen sitzen die Augen der Vögel seitlich am Kopf – nicht vorn, wie beim Menschen. Deshalb ist zwar ihr räumliches Sehen nicht besonders ausgeprägt, dafür können sie jedoch einen größeren Ausschnitt ihrer Umgebung überblicken, ohne den Kopf drehen zu müssen. Die Augen der Eulen befinden sich wie beim Menschen an der Vorderseite des Kopfes, können aber in den Augenhöhlen nicht bewegt werden. Deshalb müssen Eulen einem Objekt ihr Gesicht zuwenden, um es erkennen zu können. Auch sie brauchen Licht, um sehen zu können; wenn sie in vollständiger Dunkelheit jagen, beispielsweise in einer Höhle, verlassen sie sich auf ihr Gehör.

Das Gehör ist auch für die meisten anderen Vögel ein wichtiges Sinnesorgan. Mit ihren Stimmen kommunizieren sie in vielfältiger Weise miteinander; oft erkennen sie ihre Partner und Jungen nicht am Aussehen, sondern an deren Lauten. Die meisten Vögel nehmen etwa denselben Frequenzbereich wahr wie Menschen. Einige kleine Vögel hören allerdings keine tiefen Töne, können jedoch hohe Frequenzen unterscheiden, die der Mensch nicht mehr hört; große Eulen und einige andere Vögel dagegen können Töne hören, die unterhalb des menschlichen Wahrnehmungsspektrums liegen. Vögel produzieren ihre stimmlichen Laute und Gesänge mit Hilfe eines nur Vögeln eigenen Organs, der Syrinx; dieses Organ fehlt nur wenigen Vögeln, so etwa Störchen.

Die südamerikanischen Fettschwalme und die in Asien beheimateten Echosalanganen (siehe Segler) nisten tief im Inneren von Höhlen, wo vollständige Finsternis herrscht. Sie orientieren sich nach dem Prinzip des Echolots: Sie stoßen Klicklaute aus, die von den Höhlenwänden zurückgeworfen werden. Das Echo wird im Gehirn des Vogels so verarbeitet, dass er Richtung und Entfernung des Hindernisses erkennt. Ein ähnliches System der Echoorientierung gibt es bei Fledertieren.

Man weiß nur von wenigen Vögeln, dass sie einen gut entwickelten Geruchssinn haben. Unter den Neuweltgeiern, die wie die Störche zu den Stelzvögeln zählen, gehören Truthahngeier und Königsgeier dazu: Sie spüren die toten Tiere, von denen sie sich ernähren, mit den Augen, aber auch nach deren Geruch auf. Die ebenfalls zu dieser Familie gehörenden Kondore und die nicht näher mit ihnen verwandten Altweltgeier, deren ökologische Nischen ähnlich sind, haben nur wenig entwickelte Geruchsorgane. Für Sturmschwalben, Albatrosse und Sturmtaucher ist der Geruchssinn dagegen ebenfalls von Bedeutung.

Honiganzeiger, kleine in Afrika und Asien heimische Vögel aus derselben Ordnung wie die Spechte, ernähren sich von den Larven und dem Wachs der Bienen, deren Stöcke sie mit Hilfe des Geruchssinnes aufspüren. Kiwis, die kleinsten Laufvögel, sind fast blind. Ihre Nahrung wie Würmer und andere wirbellose Tiere, nach denen sie im Boden stochern, erkennen sie ebenfalls am Geruch. Sie sind die einzigen Vögel, deren Nasenlöcher an der Spitze des Schnabels sitzen. Über den Geschmackssinn frei lebender Vögel weiß man nur wenig; Experimente mit Haushühnern und Haustauben haben allerdings gezeigt, dass diese eindeutige Geschmacksvorlieben haben. Anders als Säuger haben Vögel nur wenige Geschmacksknospen auf ihrer Zunge.

Die Augen von Vögeln sind nicht nur lichtempfindlich, sondern auch besonders berührungsempfindlich. Wenn die Oberfläche des Augapfels mit einem Gegenstand in Berührung kommt, gleitet ein drittes „Augenlid”, die Nickhaut, über das Auge, so dass es von Schmutz- oder Nahrungspartikeln freigehalten wird. Die Nickhaut ist zum Teil durchsichtig und bedeckt unter Wasser auch die Augen von Schwimm- und Tauchvögeln. Vögel haben einen ausgezeichneten Gleichgewichtssinn und können dadurch auch geringe Schwingungen des Untergrunds wahrnehmen. Dies ist äußerst wichtig, um auf schwankenden Zweigen das Gleichgewicht zu halten und beim Fliegen Wind und Luftströmungen auszugleichen.

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