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VögelEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Anatomie und Physiologie; Größenspektrum; Lebenserwartung; Körperbau und Lebensweise; Verbreitung und Lebensräume; Fortpflanzung; Vogelzug; Vogelschutz; Vögel und Menschen; Evolution; Systematische Einordnung
Das Herz der Vögel ist relativ groß und sehr leistungsfähig, Herz- und Atemfrequenz sind höher als bei Säugern. Körper- und Lungenkreislauf sind wie bei Säugern getrennt. Die Körpertemperatur beträgt bei den meisten Vogelarten 41 bis 43 °C, bei Pinguinen und Kiwis nur 38 °C. Eine von Säugetieren gut bekannte, bei Vögeln jedoch seltene Anpassung ist die Verlangsamung der physiologischen Prozesse und die Verringerung der Körpertemperatur, die bei Säugern in den Winterschlaf überleiten kann. Einige Arten von Ziegenmelkern, Seglern und Kolibris können bei kalter Witterung in einen winterschlafartigen Starrezustand (Torpor genannt) übergehen, in dem der Energieaufwand stark verringert ist. Vögel haben keine Schweißdrüsen und können ihren Körper daher nicht durch Schwitzen kühlen. Überschüssige Wärme wird im Flug durch die Zirkulation der Luft in den Luftsäcken abgeleitet. Ruhende Vögel führen Wärme durch Hecheln ab. Eine Bürzeldrüse dient zum Einfetten des Gefieders. Die meisten Vögel besitzen eine Kloake, eine Körperöffnung, in die Ausscheidungs- und Sexualorgane münden. Bei der Begattung pressen Männchen und Weibchen ihre Kloaken gegeneinander. Die Männchen der Straußenvögel und Entenvögel haben einen Penis.
Die größten lebenden Vögel sind Laufvögel, die ihre Flugfähigkeit verloren und stattdessen kräftige Laufbeine entwickelt haben. Mit etwa drei Meter Höhe und 150 Kilogramm Gewicht ist der Strauß der größte und schwerste lebende Vogel; die tertiären Terrorvögel erreichten sogar rund 350 Kilogramm. Ebenfalls im Tertiär lebte Argentavis magnificens, der mit etwa 70 Kilogramm schwerste bekannte flugfähige Vogel. Dieser in Südamerika heimische Stelzvogel hatte eine Spannweite von rund sieben Metern, er konnte jedoch nur durch Nutzung von Aufwinden in der Luft bleiben. Der schwerste flugfähige Vogel unter den heute lebenden Arten ist mit knapp 20 Kilogramm die afrikanische Riesentrappe. Die kleinsten Vögel dagegen sind die Kolibris der Neuen Welt, von denen der winzigste mit nur sechs Zentimeter Länge von der Schnabel- bis zur Schwanzspitze die zwei Gramm schwere kubanische Bienenelfe ist. Ihre frisch geschlüpften Jungen sind nicht größer als Honigbienen. Kolibris sind wahre Akrobaten der Luft und die einzigen Vögel, die auch rückwärts fliegen können, um sich von den Blüten zurückzuziehen, nachdem sie deren Nektar aufgenommen haben. Ihre Beine und Füße sind zum Laufen oder Hüpfen zu schwach, so dass sie von einem Zweig zum anderen fliegen müssen.
Kleine Singvögel können in Ausnahmefällen mehr als zwölf Lebensjahre erreichen. Auch kleine Meeresvögel wie Seeschwalben sind in Anbetracht ihrer Körpergröße relativ langlebig: Noch mit mehr als 20 Jahren können sie brüten. 2002 wurde ein Sturmtaucher gefangen, der 1957 vermutlich im Alter von fünf Jahren beringt worden war und demzufolge ein Alter von etwa 50 Jahren erreicht hatte. Die Lebenserwartung im Freiland kommt jedoch nur selten an die Werte heran, die Vögel in der Gefangenschaft erreichen, wo sie vor Räubern geschützt sind und regelmäßig Nahrung erhalten. Zu den langlebigsten Vogelarten in Zoos gehören Papageien, große Wasservögel und große Greifvögel. Gelbhaubenkakadus z. B. werden in Gefangenschaft durchschnittlich etwa 65 Jahre und im Extrem sogar 120 Jahre alt.
Obwohl alle Vögel in ihrem Körperbau einen gemeinsamen Grundbauplan aufweisen, weichen sie in Größe und Proportionen stark voneinander ab, weil sie an ihre jeweilige Lebensweise angepasst sind und sich in Nahrungssuche oder Beutefang unterscheiden oder bestimmte Strategien entwickelten, ihren Feinden zu entkommen oder ihre Eier und Nachkommen zu schützen. Die folgenden Abschnitte veranschaulichen dies anhand einiger Beispiele.
Es gibt zahlreiche Vogelarten, die ihre Beute unter Wasser schwimmend jagen, doch keine andere ist an diese Jagdweise ähnlich hervorragend angepasst wie die Pinguine. Die Anatomie des Pinguinflügels ist so abgewandelt, dass er eine steife, ruderblattartige Flosse wie bei einem Tümmler darstellt. Pinguine wirken an Land unbeholfen, unter Wasser jedoch bewegen sie sich mit Hilfe ihrer Flügel so geschickt fort wie andere Vögel im Flug. Die meisten Tauchvögel – wie Seetaucher, Lappentaucher, Kormorane und manche Enten – bewegen sich mit Hilfe ihrer kräftigen Füße voran, manche benutzen dazu als Unterstützung ihre Flügel. Fast alle Wasservögel, seien sie nun Tauchvögel oder Schwimmvögel, haben zwischen den Zehen Schwimmhäute, die wirksame Paddel bilden. Bei einigen wenigen, beispielsweise den Lappentauchern und den Blesshühnern, sind die Zehen nicht durch Schwimmhäute verbunden, sondern jede einzelne Zehe trägt einen Flossensaum oder Schwimmlappen. Zu einer anderen Gruppe von Wasservögeln, den Sturmvögeln oder Röhrennasen (nach der Form ihrer Nasenlöcher), gehören Meeresvögel wie Albatrosse, Sturmschwalben und Sturmtaucher. Sie brüten zwar an Land, in der Regel auf Inseln, verbringen jedoch den größten Teil des Jahres auf dem Meer, wo sie sich von Fischen und wirbellosen Tieren ernähren. In keiner anderen Vogelordnung kommen derartige Größenunterschiede vor: von den sperlingsgroßen Sturmschwalben bis zum Riesen unter den Meeresvögeln, dem Wanderalbatros, mit einer Spannweite von bis zu 3,5 Metern.
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