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VögelEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Anatomie und Physiologie; Größenspektrum; Lebenserwartung; Körperbau und Lebensweise; Verbreitung und Lebensräume; Fortpflanzung; Vogelzug; Vogelschutz; Vögel und Menschen; Evolution; Systematische Einordnung
Die in der Regel nachtaktiven Eulen und die Greifvögel, zu denen Habichte, Adler, Falken und die Aas fressenden Geier der Alten Welt gehören, gleichen einander in Körperbau und Lebensweise, sind jedoch nicht näher miteinander verwandt. Fast alle Arten dieser beiden Ordnungen sind Fleischfresser (außer einer afrikanischen Geierart, die sich von Palmnüssen ernährt), wobei das „Fleisch” für die kleineren Arten oft aus Insekten besteht und sich einige Arten ausschließlich von Fischen ernähren. Greifvögel und Eulen haben kräftige, scharfe, gebogene Schnäbel, und bis auf die Geier besitzen alle Fänge, Greiffüße mit gebogenen scharfen Klauen. Die Vögel beider Ordnungen (ebenso wie einige weitere Arten) würgen unverdauliche Nahrungsreste, etwa Knochen und Federn, als Gewölle hervor.
Die Arten mehrerer Vogelfamilien erbeuten in erster Linie fliegende Insekten und haben deshalb lange Flügel und weite Mundspalten (wenn auch oft mit kleinen Schnäbeln). Am stärksten an diese Lebensweise angepasst ist die Familie der Segler, deren aus dem Griechischen abgeleiteter wissenschaftlicher Name Apodidae „ohne Füße” bedeutet. Segler haben jedoch durchaus Füße, allerdings sehr winzige, mit denen sie sich noch nicht einmal auf einen Ast setzen können, so wie auch die Kolibris: Sie halten sich daher mit ihren kleinen, scharfen Krallen an senkrechten Oberflächen fest. Schwalben erinnern in ihrem Aussehen an Segler, gehören jedoch zu einer anderen, mit den Seglern nicht näher verwandten Gruppe, den Singvögeln. Schwalben sind in der Lage, auf Ästen zu sitzen. Die Ziegenmelker (oder Nachtschwalben) haben nicht nur große Mundspalten, mit denen sie Insekten im Flug fangen, sondern tragen um den Schnabelansatz zudem eine Reihe haarähnlicher Federn, die offenbar als Insektenfalle dienen. Zu manchen Vogelfamilien gehören Arten, die häufig Insekten im Flug fangen, und andere, die das selten tun. Die im Flug jagenden haben oft lange Federborsten am Schnabelgrund, während die Arten, die Insekten von Blättern oder Zweigen picken, nur schwach entwickelte oder gar keine Borsten haben.
Spechte zimmern nicht nur Löcher in Bäume, um die Gänge von Larven freizulegen und Nisthöhlen anzulegen, sondern kommunizieren auch „trommelnd” miteinander. Sie haben sehr dicke Schädel und ein stoßdämpfendes Knochen- und Muskelsystem im Kopf- und Halsbereich.
Vögel findet man auf allen Kontinenten und fast jeder Insel der Erde, da sie sich an die weitaus meisten Lebensräume angepasst haben. Manche Arten besiedeln scheinbar unbelebte Wüsten oder die Antarktis, Urwälder, hohe Berge oberhalb der Baumgrenze, Sümpfe, Felsküsten, Wälder, Felder oder Städte. Die größte Artenvielfalt gibt es in den Tropen. Zwar sind die meisten Vögel aufgrund ihrer Flugfähigkeit äußerst mobil, dennoch hat jede Art ihr geographisches Verbreitungsgebiet, das mehrere Kontinente oder auch nur eine einzige Insel umfassen kann (siehe Tiergeographie). Zu den am weitesten verbreiteten Arten gehören Wanderfalke und Schleiereule, die beide auf allen Kontinenten außer der Antarktis vorkommen. Im Gegensatz dazu ist der Blaufuß-Waldsänger nur in den Bergen der kleinen Antilleninsel Saint Lucia nachgewiesen, wo er wohl kurz vor dem Aussterben steht. Auch ganze Familien können ein begrenztes Verbreitungsgebiet haben. So gibt es in Südamerika, Afrika und Australien jeweils mehrere Vogelfamilien, die nur dort vorkommen. Fünf Vogelfamilien sind nur auf der großen Insel Madagaskar im Indischen Ozean heimisch, vier lediglich in Neuseeland, wenn man die in historischer Zeit ausgestorbenen Moas mitzählt. Die Familie mit dem kleinsten Verbreitungsgebiet umfasst nur eine einzige Art, den Kagu – einen grauen, haubentragenden Vogel, den man nur auf der Pazifikinsel Neukaledonien findet. Lediglich eine einzige Familie, die der Blattvögel, ist in ihrem Vorkommen auf Asien (einschließlich der südlich und östlich benachbarten Inseln) beschränkt. Es gibt keine Vogelfamilie, die nur in Europa oder Nordamerika verbreitet ist – es sei denn, man definiert die Truthühner (zwei Arten, die man in gemäßigten und tropischen Zonen Nordamerikas antrifft) als eigenständige Familie und sieht sie nicht als Unterfamilie der Fasanenvögel. Mehrere Vogelfamilien kommen in einem Gürtel mit ähnlichen Umweltbedingungen vor, der sich um die ganze Erde zieht. Seetaucher und Alken nisten in subarktischen und gemäßigten Klimazonen Nordamerikas, Europas und Asiens. Mehrere Vogelfamilien – insbesondere die Schlangenhalsvögel, Papageien und Trogons – bewohnen tropische und subtropische Gebiete in Nord- und Südamerika, Afrika und Asien, wobei Schlangenhalsvögel und Papageien bis nach Australien vorgedrungen sind. Verbreitungsgebiete sind nicht etwa starr festgelegt, sondern unterliegen im Lauf der Zeit Veränderungen. So werden die Areale vieler Arten aufgrund der Zerstörung von Naturlandschaften zunehmend kleiner. Manchmal jedoch erweitern Vogelarten ihr Verbreitungsgebiet. So sind der aus dem Mittelmeergebiet stammende Orpheusspötter sowie der nordosteuropäische Karmingimpel zwei Vogelarten, die erst in neuerer Zeit in Deutschland als Brutvögel heimisch wurden. Bereits seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts breitet sich die ursprünglich asiatische Türkentaube in Mitteleuropa Richtung Westen aus. In neuerer Zeit stattfindende Arealerweiterungen stehen insbesondere auch im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung: Beispielsweise sind manche afrikanischen Vogelarten wie Kaffernsegler oder Wüstengimpel heute auch in Südeuropa anzutreffen. Am Bodensee nahm die Zahl der Vogelarten zwischen 1980 und 2002 von 141 auf 154 zu, während die Durchschnittstemperaturen dort im selben Zeitraum um mehr als 2 °C stiegen; neu festgestellt wurden in diesem Gebiet vor allem auch mediterrane Arten wie die Felsenschwalbe.
Während es in den arktischen und gemäßigten Zonen der nördlichen und südlichen Hemisphäre wie bei uns vier Jahreszeiten gibt, sind in vielen tropischen und subtropischen Regionen zwei Jahreszeiten die Regel: Regenzeit und Trockenzeit – wobei es auch Varianten wie zwei Regenzeiten und zwei Trockenzeiten gibt. Viele Vögel synchronisieren ihre Brutperiode mit dem Beginn der Regenperiode, weil mit der neuen Vegetation reichlich Nestbaumaterial und Beuteinsekten zur Verfügung stehen. Zeitlich begrenzt entstehen dann außerdem Stillgewässer mit pflanzlicher und tierischer Nahrung. Manche Vogelarten sind allerdings daran angepasst, ihre Jungen in der Trockenzeit aufzuziehen. Einige tropische Wasservögel nisten in großen Strömen wie dem Amazonas auf sandigen Inseln, die nur freiliegen, wenn der Wasserstand zurückgeht. In Großbritannien brüten viele Vogelarten heute durchschnittlich etwa zwei Wochen früher als noch vor zwei Jahrzehnten; Watvögel wie Austernfischer sind von diesem Effekt ebenso betroffen wie Insekten fressende Zaunkönige und Stare. Diese Vorverlegung der Brutperiode findet vermutlich im gesamten mitteleuropäischen Raum statt, sie wurde auch in Deutschland beobachtet. Ursache dürfte – ebenso wie im Hinblick auf die Arealausdehnung mancher Arten – die globale Erwärmung sein, die offensichtlich eine frühere Vegetationsperiode zur Folge hat und u. a. auch dazu führt, dass Amphibien früher laichen.
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