![]() |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse Seite 5 von 5
VögelEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Anatomie und Physiologie; Größenspektrum; Lebenserwartung; Körperbau und Lebensweise; Verbreitung und Lebensräume; Fortpflanzung; Vogelzug; Vogelschutz; Vögel und Menschen; Evolution; Systematische Einordnung
Archäologische Zeugnisse zeigen, dass Vögel dem Menschen schon lange vor Beginn der Geschichtsschreibung als Nahrung dienten. Einige Sammler und Jäger hängen hinsichtlich ihrer Proteinversorgung nach wie vor stark von wild lebenden Vögeln oder deren Eiern ab. Mit dem Ackerbau und der Zivilisation ging auch die Domestikation von Vogelarten einher. Fast überall auf der Erde werden Vögel, die dem Menschen als Nahrung dienen (vor allem Hühner, Truthühner, Perlhühner, Enten, Gänse und Tauben) zu diesem Zweck aufgezogen und gehalten. Obgleich in den meisten Ländern die Jagd auf Vögel zur Nahrungsversorgung nicht mehr nötig ist, wird sie vielerorts als „Sport” betrieben. In manchen südlichen Ländern werden noch immer Millionen Zugvögel mit Netzen und Schlingen gefangen oder geschossen. In Legenden, religiösen Bräuchen und in der Literatur spielen Vögel eine wichtige Rolle. In fast allen Kulturen wurden oder werden Vogelfedern als Schmuck oder für rituelle Zwecke verwendet, in manchen Regionen werden sie heute noch als Kleidung getragen. Vogelrufe inspirierten nicht nur die religiösen Gesänge von Stammesgesellschaften, sondern auch Komponisten. Einige wenige Vogelarten können dem Menschen Schaden zufügen – besonders diejenigen, die Obst- und Getreideernten dezimieren. Möwen und Stare gehören zu den Arten, die gelegentlich mit Flugzeugen kollidieren, was im schlimmsten Fall einen Absturz zur Folge hat. Heute interessieren sich immer mehr Menschen dafür, Vögel zu bestimmen oder in ferne Länder zu reisen, um exotische Arten zu beobachten; manche Reisebüros haben sich auf vogelkundliche Reisen spezialisiert. Bücher und Zeitschriften über Vögel, Tonaufnahmen von Vogelgesängen, Ferngläser und Fernrohre für die Vogelbeobachtung finden reißenden Absatz. Die große Popularität der Vögel fördert die breite öffentliche Unterstützung von Artenschutzmaßnahmen und lässt auf ein allgemeines Umweltbewusstsein schließen. Viele Hobbyornithologen beschränken sich nicht auf die Vogelbeobachtung, sondern widmen sich dem Naturschutz oder verfassen vogelkundliche Beiträge.
Die Vögel entwickelten sich im oberen Jura bzw. in der unteren Kreide aus Reptilien der Unterordnung Theropoda (Raubtierfuß-Dinosaurier), die zur Ordnung der Echsenbecken-Dinosaurier (Saurischia) gehört. Zu dieser Unterordnung zweibeinig laufender Dinosaurier gehörten nicht nur riesige Formen wie Tyrannosaurus, sondern auch kleine, leichte Räuber, die bereits sehr vogelähnlich waren: Manche besaßen wie Vögel hohle Knochen, auch ihr mikroskopischer Knochenfeinbau entsprach dem heutiger Vögel, und einige waren zahnlos. Die bekannteste Art aus dem Übergangsfeld zwischen Reptilien und Vögeln ist der so genannte „Urvogel” Archaeopteryx lithographica, der etwa die Größe einer kleinen Taube hatte und ein Federkleid trug. Von ihm wurden neben einer einzelnen (allerdings nicht sicher dieser Art zuzuordnenden) Feder zehn vollständig oder teilweise erhaltene Abdrücke gefunden, die alle aus dem Oberjura (vor 157 Millionen bis 145 Millionen Jahren) der Südlichen Frankenalb stammen. Aufgrund von Merkmalen im Fußbau gilt Archaeopteryx heute nicht mehr als direkter Vorfahr der Vögel, sondern als ausgestorbener Seitenzweig der Deinonychosauria. Archaeopteryx hatte Zähne, die allen heutigen Vögeln fehlen. Seine Schwanzknochen waren nicht wie bei den heutigen Vögeln verschmolzen, sondern bildeten einen langen eidechsenartigen Schwanz, der von Federn gesäumt war. Federn haben sich zweifellos aus den Schuppen der Reptilien entwickelt, da es jedoch keine fossilen Belege dafür gibt, ist man hinsichtlich der Art und Weise, wie dieser Übergang vor sich ging, auf Vermutungen angewiesen. In Argentinien wurden über 212 Millionen Jahre alte, maximal vier Zentimeter lange Fußabdrücke von Dinosauriern gefunden. Die etwa 50 Tiere, von denen die Abdrücke stammten, hatten sich in einer an Stillgewässern reichen Landschaft der späten Trias aufgehalten. Die Abdrücke haben große Ähnlichkeit mit denen heutiger Watvögel, es handelt sich um den ältesten Hinweis auf Reptilien mit eindeutig vogelähnlichen Füßen. Zwischen den ältesten bekannten fossilen Vögeln und den heutigen Vögeln sind mehrere Übergangsformen überliefert. In Spanien wurden Fossilien aus der Unteren Kreidezeit vor 130 bis 120 Millionen Jahren gefunden: Schwanz und Schulterknochen dieser Tiere waren wie bei Vögeln ausgebildet, zugleich hatten die Fossilien jedoch ein urtümliches Becken und urtümliche Hintergliedmaßen. Ebenfalls etwa aus dieser Zeit stammen nordchinesische Fossilien dreier gefiederter Individuen der Gattungen Protarchaeopteryx und Caudipteryx sowie der krähengroße, 124 Millionen Jahre alten Microraptor zhaoianus. Die über 120 Millionen Jahre alte Spezies Jeholornis prima, die hinsichtlich ihres Schwanzes Archaeopteryx glich, hatte sich wie heutige Vögel von Pflanzensamen ernährt. Ebenfalls in China wurden sechs Exemplare des etwa 130 Millionen Jahre alten, ungefähr einen Meter langen, vierflügeligen Microraptor gui gefunden, der an Vorder- und Hintergliedmaßen sowie am Schwanz Federn besaß und offensichtlich als Baumbewohner zum Gleitflug fähig war. Die Entdecker gingen davon aus, dass ein gemeinsamer Vorfahr von Microraptor gui und Archaeopteryx ebenfalls vierflügelig war und sich die Hinterflügel in der Entwicklung zum Vogel zurückbildeten. Ein 90 Millionen Jahre alter, aus Patagonien stammender so genannter Halbvogel mit dem wissenschaftlichen Namen Unenlagia comahuensis wird einem Seitenzweig der Dromaeosaurier zugeordnet. Um fliegen zu können, war Unenlagia zu schwer und seine Vorderextremitäten waren zu kurz. Die Form seines Schlüsselbeins legt jedoch die Vermutung nahe, dass er zu flatternden Bewegungen in der Lage war. Mit derartigen Bewegungen könnten die zweibeinigen Saurier ihren schnellen Lauf stabilisiert haben. Unenlagia hatte die Größe eines Straußenvogels, jedoch die Gestalt eines zweibeinigen Raubsauriers. Da es zu Zeiten von Unenlagia bereits Vögel gab, kommt er als Vorfahr der Vögel nicht in Frage. Weitere gut erhaltene Fossilien sind etwa 88 Millionen Jahre alt. Es handelte sich bereits um Vögel, deren Skelett sich kaum von heutigen Vögeln unterscheidet, außer dadurch, dass zumindest einige von ihnen noch Zähne und längere Schwänze besaßen. Weil die Bedingungen für die Entstehung von Fossilien in Sand- und Schlammablagerungen flacher Gewässer am besten sind, waren die meisten der gefundenen Arten Wasservögel. Ein riesiger, den Seetauchern ähnlicher Tauchvogel (Hesperornis genannt) und eine weitere Art (Ichthyornis), deren Lebensweise den heutigen Seeschwalben glich, waren ebenfalls unter den Funden. Einige fossile Vögel aus der Oberen Kreidezeit vor rund 65 Millionen Jahren ähnelten heute lebenden Wasservögeln. Besonders im darauf folgenden Tertiär vollzog sich die schnellste Entwicklung der Vögel, und eine große Formenzahl entstand. Gegen Ende dieser Periode (vor etwa 1,6 Millionen Jahren) hatten sich alle heutigen Vogelgruppen herausgebildet; einige Abstammungslinien waren ausgestorben. Das Quartär, das vor 1,6 Millionen Jahren begann, wird in zwei Epochen unterteilt, das Pleistozän und das Holozän; zu letzterer gehört auch die Gegenwart. Die meisten heutigen Vogelarten, zumindest jedoch die Arten, die ihnen nahe verwandt waren, entwickelten sich während des Pleistozäns. Einige Arten aus dieser Zeit sind ausgestorben. Dies ist vermutlich den starken Klimaschwankungen zuzuschreiben, die durch das Vordringen und den Rückzug großer Gletschermassen verursacht wurden – das Pleistozän nennt man deshalb umgangssprachlich auch Eiszeitalter. Einer neueren Hypothese zufolge entwickelten sich die Vorfahren der Vögel von bodenbewohnenden Reptilien zu Baumbewohnern, weil dies mit einem besseren Schutz für ihre Brut einherging. Federn hätten sich später zunächst aus Gründen des Kälteschutzes entwickelt, während parallel dazu allmählich eine konstante Körpertemperatur aufrechterhalten worden sei; zugleich hätten die Federn der Tarnung gedient. Der Vogelschnabel sei vermutlich entstanden, weil er den Nestbau und punktgenaues Füttern der Jungen erleichterte (Archaeopteryx, 2002).
Vögel bilden die Klasse Aves des Unterstammes Vertebrata im Stamm Chordata. Unter den heute lebenden Wirbeltieren sind Krokodile die den Vögeln stammesgeschichtlich nächstverwandte Gruppe. Im Sinn der von Willi Hennig begründeten phylogenetischen Systematik ist es aufgrund dieser Verwandtschaftsverhältnisse nicht zulässig, die Vögel den Reptilien als gleichrangiges Taxon gegenüberzustellen: Danach sollte man die Vögel entweder als Taxon innerhalb der Reptilien sehen oder das Taxon Reptilien auflösen. Auch die Einordnung mancher Vogelgruppen in die wissenschaftliche Systematik ist nicht unumstritten. In der Regel lässt sich relativ leicht entscheiden, welche Arten nahe miteinander verwandt sind, auf den höheren Ebenen der Systematik werden die Verhältnisse jedoch zunehmend komplizierter. Die Beziehungen der Ordnungen lebender Vögel untereinander und zu Ordnungen fossiler Vögel sind Gegenstand ständiger Diskussion. Frühe Klassifikationsschemata basieren ausschließlich auf anatomischen Merkmalen, die jedoch oft nur relativ grobe Anhaltspunkte liefern. Mit Hilfe neuerer Erkenntnisse aus Biochemie, Genetik und Verhaltensforschung werden diese Zuordnungen ständig überprüft. Bei der Erstellung von Stammbäumen wird u. a. berücksichtigt, ob Merkmale ursprünglich (stammesgeschichtlich alt) oder abgeleitet (im Lauf der Evolution neu entstanden) sind.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |