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VietnamEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Von alters her herrscht im Land der Buddhismus (circa 70 Prozent) vor, der auf den chinesischen Einfluss zurückzuführen ist. Zu der traditionellen Religion des Mahayana-Buddhismus sind die neuzeitlicheren Glaubensrichtungen des Caodaismus und des Hoa Hao hinzugekommen. Die philosophischen Weltanschauungen des Konfuzianismus und des Taoismus nehmen, zusammen mit verwandten chinesischen Religionen, einen hohen Stellenwert ein. Es gibt rund 4,5 Millionen Anhänger des römisch-katholischen Glaubens. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Sekten verschiedener Glaubensrichtungen.
Der wichtigste vietnamesische Feiertag ist Têt, das Neujahrsfest nach dem Mondkalender, das Ende Januar oder Anfang Februar gefeiert wird. Têt wird drei Tage lang mit Festessen und Besuchen bei Freunden und der Familie gefeiert. Trung Nguyên, der Tag der umherirrenden Seelen, ist ein buddhistischer Feiertag. Er wird am 15. Tag des siebten Monats im Mondkalender begangen und ist der zweithöchste Feiertag nach Têt. Thanh Minh („rein und hell”) ist ein Fest zum Gedenken an Verstorbene am fünften Tag des dritten Mondmonats. Phật Đan, im April oder Mai, erinnert an die Geburt, die Erleuchtung und den Tod Buddhas. Doan Ngu, am fünften Tag des fünften Mondmonats, ist das Fest zur Sommersonnenwende. Weitere Feiertage sind der Neujahrstag (1. Januar), der 30. April, der an das Ende des Vietnamkrieges 1975 erinnert, der Tag der Arbeit (1. Mai), der Nationalfeiertag (2. September) und Ho Chi Minhs Todestag (3. September). Christen feiern außerdem Ostern und Weihnachten (25. Dezember).
Die lange Zeit des Vietnamkrieges hat auch in den Bereichen Bildung und Kultur zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen geführt. Nach der nationalen Wiedervereinigung wurde der Schwerpunkt auf die Umerziehung der Bevölkerung des Südens nach kommunistischem System gelegt. Das kulturelle Leben wurde bis zur Übernahme durch die Franzosen im 19. Jahrhundert stark von China beeinflusst. Seit diesem Zeitpunkt wurde die traditionelle Kultur langsam von westlichen Charakterzügen überlagert. Nach der Wiedervereinigung wollte die Regierung das vietnamesische Leben von westlichen Einflüssen befreien. Dieser politische Kurs wurde aber wieder gelockert. Kunst und Literatur werden von den Behörden streng zensiert. Seitdem 1986 eine Reformpolitik eingeleitet wurde, genießen Kulturschaffende bescheidene Freiheiten, die ihnen auch gelegentlich kritische Äußerungen erlauben.
In der gemeinsamen Republik wurden alle Schulen verstaatlicht. Es besteht eine unentgeltliche, allgemeine Schulpflicht für Kinder von 6 bis 14 Jahren (Primarschule). Die bedeutendsten Universitäten sind die Universität von Hanoi (gegründet 1956) und die Universität von Ho-Chi-Minh-Stadt (1917). Vietnam verfügt über insgesamt 106 Universitäten und Hochschulen. Der Alphabetisierungsgrad liegt für Männer bei 96,5 Prozent, für Frauen bei 91,2 Prozent. Die verbreitetste Fremdsprache ist Englisch, doch durch längere Arbeits-, Ausbildungs- und Studienaufenthalte, vor allem in der DDR, sprechen auch viele Vietnamesen Deutsch.
Zwei bedeutende Museen der vietnamesischen Kultur sind in Hanoi 1958 und in Ho-Chi-Minh-Stadt 1977 eingerichtet worden. Die Staatsbibliothek wurde 1919 in Hanoi eröffnet. 1976 wurde in Ho-Chi-Minh-Stadt das Gegenstück dazu gegründet. In Hanoi wurde 1997 ein Goethe-Institut eröffnet. Seit 1994 findet in Hanoi alljährlich ein internationales Filmfestival statt.
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