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VietnamEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Der Aufstand der Schwestern Trung war der erste einer Reihe auftretender Revolten während der tausendjährigen chinesischen Herrschaft über Vietnam. Schließlich nutzten vietnamesische Truppen unter Ngo Quyen die chaotische Situation in China 939, um die Besatzungstruppen vor Ort zu schlagen und ein unabhängiges Reich zu errichten. Ein paar Jahre später leitete der Tod Ngo Quyens zwar eine Zeit bürgerkriegsähnlicher Zustände ein, doch wurde Anfang des 11. Jahrhunderts die erste der großen vietnamesischen Dynastien errichtet. Unter der Führung verschiedener Herrscher bestand die Ly-Dynastie über mehr als 200 Jahre fort und regierte über Vietnam von 1009 bis 1225. Obwohl die Entstehung der Ly-Dynastie das Aufkommen eines regen vietnamesischen Nationalbewusstseins widerspiegelte, behielten die Ly-Herrscher viele der politischen und sozialen Einrichtungen aus der Zeit der chinesischen Herrschaft bei. Der Konfuzianismus blieb weiterhin die Grundlage der politischen Staatseinrichtungen.
Vietnam war wie viele seiner angrenzenden Reiche ein auf Landwirtschaft ausgerichtetes Land, in dem der Anbau von Reis die Lebensgrundlage schuf. Weite Teile des Gebiets waren im Besitz mächtiger Familien, die über Tausende von Leibeigenen oder Haussklaven verfügten. Weiterhin gab es aber auch eine Schicht von Kleinbauern mit Landbesitz. Mächtige Herrscher unternahmen häufig Schritte, diese Schicht zu schützen, indem sie die Großgrundbesitzer einschränkten und deren riesige Landgüter aufteilten.
Unter der Herrschaft der Ly-Dynastie und den Nachfolgern der Tran (1225-1400) wurde Vietnam zu einer dynamischen Macht in Südostasien. Die chinesischen Herrscher hatten aber ihr historisches Ziel der Einnahme des Tonking-Deltas nie aus den Augen verloren. Als im 13. Jahrhundert das mongolische Weltreich auch China in Form der Yuan-Dynastie beherrschte, griffen die Truppen Kublai Khans Vietnam an, um es ebenfalls ihrem Reichsgebiet einzuverleiben, stießen aber auf heftigen Widerstand. Über Jahrhunderte beschränkte sich das vietnamesische Reich auf das Kernland im Tal des Roten Flusses und auf die angrenzenden Berge (Tonking). Zwischen Vietnam und dem Reich Champa, einem Seefahrerreich entlang der mittelvietnamesischen Küste, kam es kurz nach der wiedererlangten Unabhängigkeit Vietnams zu Spannungen. Mehrmals drangen die Cham-Truppen durch die vietnamesische Verteidigung und besetzten die Hauptstadt, wurden jedoch immer wieder zurückgedrängt. Im 15. Jahrhundert konnten die vietnamesischen Armeen die Hauptstadt von Champa südlich des heutigen Da Nang schließlich einnehmen und das Reich Champa gänzlich niederschlagen. In den folgenden Generationen verfolgte Vietnam weiterhin seinen „Vormarsch in den Süden”, wobei es sich allmählich dem marschigen Tiefland des Mekongdeltas näherte, wo das Reich der Khmer lag. Der Widerstand gegen das vietnamesische Vordringen war nur gering. Ende des 17. Jahrhunderts hatte Vietnam das niedere Mekongdelta eingenommen und drang weiter nach Westen vor. Das zerfallende Reich der Khmer lief zunehmend Gefahr, in ein bloßes Protektorat verwandelt zu werden.
Der Vorstoß Vietnams in den Süden traf mit neuen Angriffen im Norden zusammen. 1407 wurde Vietnam erneut von chinesischen Truppen erobert. Über zwei Jahrzehnte versuchte die Ming-Dynastie, Vietnam wieder dem Chinesischen Reich einzugliedern. Die vietnamesischen Widerstandstruppen brachten aber unter dem Rebellenführer Le Loi den Chinesen 1428 eine entscheidende Niederlage bei und stellten die vietnamesische Unabhängigkeit wieder her. Le Loi bestieg als erster Kaiser der Le-Dynastie den Thron. Das neue Herrscherhaus behauptete seine Macht über 100 Jahre, bis es im 16. Jahrhundert seinem Niedergang entgegensah. Die Macht bei Hofe ging von zwei miteinander verfeindeten Feudalgeschlechtern der Trinh und der Nguyen aus. Als die Trinh die Oberherrschaft gewannen, wurde den Nguyen 1620 ein Lehensbesitztum im Süden gewährt, das sich um die Stadt Huë zentrierte. Es kam zu einer Zweiteilung Vietnams. Europäer erreichten auf der Suche nach Wohlstand und christlichen Überläufern Südostasien und vertieften durch ihre Machenschaften die Rivalität zwischen Nord und Süd. 1516 kamen die ersten portugiesischen Seefahrer. Bis zum 17. Jahrhundert bauten sie einen florierenden Handelshafen auf. Zum Ende des Jahrhunderts wandten sich die Vietnamesen gegen die europäische Einmischung und verfolgten einen ähnlichen politischen Kurs der Isolierung wie China und Japan. Die Trinh und die Nguyen regierten in Rivalität zueinander aus Hanoi und Huë, während die eigentlichen Herrscher der Le-Dynastie nur noch als Marionetten der Trinh fungierten. Ende des 18. Jahrhunderts stand die Le-Dynastie kurz vor dem Zusammenbruch. Riesige Reisanbaugebiete wurden von habgierigen Feudalherren kontrolliert. 1777 formierten sich aufgebrachte Bauern unter den Tay-Son-Brüdern und töteten die Nyugens. Nach dem Sturz der Trinh und der erfolgreichen Abwehr einer Invasion der Manchu-Dynastie gelang es einem der beiden Brüder, Vietnam 1789 unter eine vereinigte Herrschaft zu stellen. Er verstarb kurz nach der Thronbesteigung. Wenige Jahre später schlug der einzig überlebende Erbe des Herrscherhauses der Nguyen, Nguyen Anh, mit französischer Unterstützung die Truppen Tay Sons nieder. Als Kaiser Gia Long errichtete er 1802 eine neue Dynastie.
Ein französischer Missionar, Pierre Pigneau de Behaine, hatte eine Söldnertruppe zusammengestellt, um Nguyen Anh zu unterstützen. Er erhoffte sich vom neuen Kaiser Vorteile für Frankreich in Sachen Handel und Missionsaufbau. Seine Hoffnungen wurden enttäuscht. Die Nguyen-Dynastie hegte dem französischen Einfluss gegenüber Misstrauen, so dass die römisch-katholischen Missionen und ihre vietnamesischen Anhänger verfolgt und einige sogar hingerichtet wurden. Religionsgemeinschaften in Frankreich forderten die Regierung in Paris zum Handeln auf. Als auch beim Handel und beim Militär ein ähnlicher Druck spürbar wurde, stimmte Kaiser Napoleon III. 1858 einem von See geführten Feldzug zu. Die Vietnamesen sollten sich Frankreich als Protektorat unterstellen. 1862 wurde der Abtretung mehrerer Provinzen im Mekongdelta (später Cochinchina) an Frankreich zugestimmt. In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts nahmen die Franzosen ihre Angriffe wieder auf und suchten sich diesmal Ziele im Norden. Nach schweren Niederlagen willigte Vietnam in die Errichtung eines französischen Protektorats über den verbleibenden Teil Vietnams ein.
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