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Regenwald

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Artikelgliederung
1

Einleitung

Regenwald, insbesondere der überwiegend immergrüne Wald der immerfeuchten tropischen Zone der Erde; Abwandlungen des Regenwaldes finden sich auch in den Subtropen und in den gemäßigten Klimazonen.

2

Tropische und außertropische Regenwälder

Der Begriff tropischer Regenwald wurde Ende des 19. Jahrhunderts von dem deutschen Pflanzengeographen Andreas Schimper (1856-1901) geprägt. Der tropische Regenwald zeichnet sich durch eine ganzjährige oder nur durch Laubfall während kurzer Trockenperioden unterbrochene dichte, immergrüne Waldvegetation aus. Er bildet in 40 bis 50 Meter Höhe ein meist geschlossenes Kronendach. Einzelne Baumriesen ragen teilweise noch über das obere Kronendach hinaus; dies sind oft beeindruckende Bäume wie der Kapokbaum, der bis zu 70 Meter hoch werden kann.

Tropische Regenwälder sind gewöhnlich aus drei bis fünf Schichten (Baumstockwerken) aufgebaut. Das obere Stockwerk wird von den bis zum Kronendach reichenden Bäumen einschließlich der darüber hinausragenden Baumriesen gebildet. Darunter befindet sich ein mittleres Stockwerk (mittlere Baumschicht) aus kleineren Bäumen mit etwa 20 bis 30 Metern Höhe. Das unterste Stockwerk (untere Baumschicht) liegt in zehn bis 15 Metern Höhe und umfasst neben Sträuchern vorwiegend junge Exemplare (Schößlinge) der umstehenden Baumarten, die im Altersstadium den höheren Schichten angehören. Zwischen diesen drei Hauptschichten können jeweils noch Zwischenschichten existieren.

Eine bodennahe Krautschicht, wie sie für die Wälder der gemäßigten Zone typisch ist, ist in den tropischen Regenwäldern nur spärlich ausgebildet, da aufgrund des Lichtmangels am Boden kaum Pflanzenwuchs möglich ist. Das Licht wird in den darüberliegenden Baumschichten fast völlig absorbiert, am Boden beträgt die Lichtmenge nur noch etwa 1 Prozent oder noch weniger der an der Oberfläche eingestrahlten Menge. Typisch sind außerdem das häufige Auftreten bestimmter Wuchsformen, wie z. B. der Lianen – kräftiger Schlingpflanzen, die zwar im Boden wurzeln, deren Kronen sich jedoch häufig im oberen Stockwerk befinden – und der Epiphyten oder „Aufsitzerpflanzen”. Darunter versteht man Pflanzen, die zur besseren Lichtausnutzung auf eigenes Wurzelwerk im Boden großenteils verzichten und stattdessen mit Hilfe spezieller Haftorgane auf Stämmen, Ästen und Zweigen der oberen Stockwerke aufsitzen; ein Großteil der tropischen Orchideen und Bromelien gehört beispielsweise dazu.

Der Begriff „Dschungel” für indische bzw. asiatische Regenwälder wurde von dem Hindi-Wort jangal abgeleitet, das einen wilden, rauen Ort ohne Wasser bezeichnet. Der deutsche Begriff beinhaltet allerdings eher die Bedeutung einer dichten, undurchdringlichen Regenwaldvegetation. Selbst in diesem Sinn sind die meisten Regenwälder keine Dschungel, obwohl diese landläufige Vorstellung immer noch weit verbreitet ist. Vielmehr ist ein typischer Regenwald selten so dicht bewachsen, dass man nicht – zumindest mit Hilfe einer Machete – hindurchgehen könnte. Sehr dicht und häufig tatsächlich fast undurchdringlich sind dagegen die Ränder dieser Wälder, sei es entlang von Flussläufen, an Lichtungen oder an Kahlschlägen.

Der vorwiegende Teil der tropischen Regenwälder der Erde liegt in einem Gebiet zwischen etwa 10 Grad nördlicher und südlicher Breite. Die größten noch intakten Bestände befinden sich im Amazonasbecken, in Südostasien und im Kongobecken in Afrika. Die tropischen Regenwälder umfassen den Großteil der Biodiversität (Artenvielfalt) unseres Planeten, obwohl ihr Flächenanteil nur etwa 6 Prozent der Erdoberfläche beträgt. Dort leben neben vielen höheren Tieren und Pflanzen wahrscheinlich Millionen von Insektenarten sowie zahllose andere Kleintiere, Pilze und sonstige Lebewesen, die häufig noch nicht einmal wissenschaftlich dokumentiert, aufgrund der hohen Rodungsrate jedoch vom Aussterben bedroht sind.

Neben den eigentlichen Regenwäldern, die auf die Tropen beschränkt sind, findet man auch außerhalb dieses Klimabereichs sehr dichte, üppig wirkende, artenreiche und ähnlich aufgebaute Vegetationsformen, die man ebenfalls als Regenwald bezeichnet. Dazu zählen Wälder der Subtropen ebenso wie diejenigen der gemäßigten Zone. Für letztere sind Wälder an der Nordwestküste Nordamerikas ein gutes Beispiel. Dort existieren üppige Nadelwälder mit einem dichten Unterwuchs. Das Gebiet weist hohe Niederschlagsmengen auf, und die Winter sind relativ mild, was eine dichte Vegetation ermöglicht. Diese temperierten Regenwälder werden jedoch nur von einer oder zwei hochwüchsigen Baumarten dominiert; sie unterscheiden sich daher erheblich von den äußerst baumartenreichen tropischen Regenwäldern und werden hier nicht weiter erläutert.

3

Regenwaldtypen

Es gibt eine große Vielfalt verschiedener Regenwaldtypen. Eine einfache Klassifizierung dieser Typen ist kaum möglich, da Überschneidungen der strukturellen und ökologischen Charakteristika die Regel sind und eine Typenabgrenzung erschweren. Zudem gibt es verschiedene „Schulen” in den einzelnen Ländern, deren Kriterien für die Klassifizierung voneinander abweichen. Als Hauptmerkmale für die Einteilung in Typen verwendet man gewöhnlich Klima, Höhenlage und Breitengrad, entweder jeweils allein oder in unterschiedlicher Kombination. Eine Feineinteilung erfolgt aufgrund der Artenzusammensetzung der Vegetation. Eine vierteilige Klassifizierung erscheint sinnvoll, um sich einen ersten Überblick über die Haupttypen der Regenwälder zu verschaffen.

3.1

Tropischer Tieflandregenwald

Der tropische Regenwald ist eine Pflanzenformation aus überwiegend breit- und dünnblättrigen, immergrünen Pflanzen, die in den warmen und feuchten Flachlandgebieten der Tropen vorkommt. Holzpflanzen dominieren, Nadelgehölze fehlen praktisch völlig. Die wichtigsten Vorkommen liegen im Amazonasgebiet, in Teilen Zentralamerikas, im Kongobecken und dem tropischen Westafrika, in Südwestindien sowie großen Teilen Südostasiens. Der prägende Faktor für das Auftreten dieser Regenwälder liegt in der Kombination der für das Pflanzenwachstum besonders günstigen Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse, wobei allerdings lokal auch andere Faktoren, insbesondere der Bodentyp, von Bedeutung sein können. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt im Schnitt zwischen 1 500 und 4 000 Millimetern, und die Durchschnittstemperatur schwankt zwischen 25 und 35 °C. Entscheidend ist, dass es keine ausgeprägte Trockenzeit gibt. Insgesamt treten Wassermangel oder wuchshemmende Temperaturen (Frost bzw. wüstenhafte Hitze) so gut wie nie auf. Die in der obersten Baumschicht vorkommenden Gewächse zeigen allerdings teilweise Anpassungen wie verdickte Blattoberflächen oder Wasserspeicherorgane, die sie vor Wasserverlusten durch die hohe Verdunstung aufgrund der intensiven Sonneneinstrahlung schützen. Der tropische Tieflandregenwald ist äußerst artenreich, vielfältig strukturiert und spiegelt komplexe Anpassungsphänomene und spezifische Wechselwirkungen zwischen Tieren und Pflanzen bzw. Pflanzen und Pilzen. Ein Großteil des Lebens spielt sich in der Kronenregion ab, die bisher noch wenig erforscht ist. Die Schichtung umfasst immer mindestens drei, häufig sogar fünf Baumstockwerke. Auf den Bäumen wachsen Schlingpflanzen und Epiphyten oft in großer Zahl. Aus der Vogelperspektive wirkt das obere Kronendach geschlossen, so dass zum Waldboden nur wenig Licht durchdringt.

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