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Berufs- und umweltbedingte Erkrankungen

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Asbestnadel durchbohrt MakrophagenAsbestnadel durchbohrt Makrophagen
Artikelgliederung
1

Einleitung

Berufs- und umweltbedingte Erkrankungen, Krankheiten, die durch den Einfluss krankheitserregender Stoffe aus der Umwelt verursacht werden – im Gegensatz zu Erkrankungen, die hauptsächlich auf die Erbeigenschaften des Patienten oder Fehlfunktionen des Immunsystems zurückzuführen sind.

Im allgemeinen Sprachgebrauch beschränkt sich der Begriff umweltbedingte Erkrankung auf nichtinfektiöse Krankheiten und solche, die großenteils durch äußere Belastungen hervorgerufen werden, auf die der Patient keinen direkten Einfluss hat. Dies schließt Erkrankungen aus, die als Folge persönlicher Gewohnheiten entstehen, z. B. Rauchen oder Anwendung bzw. Missbrauch von Medikamenten oder Drogen wie Alkohol. Eine große Kategorie der umweltbedingten Erkrankungen bilden die berufsbedingten Erkrankungen, die durch Einflüsse aus dem Arbeitsbereich hervorgerufen werden. Von den unten beschriebenen Erkrankungen sind in Deutschland u. a. folgende vom Gesetzgeber als Berufskrankheiten anerkannt und damit im Sinne eines Versicherungsschutzes „entschädigungspflichtig”: Silikose, Asbestose, Byssinose, Skrotalkrebs, Lärmschwerhörigkeit.

Geschichtlich gesehen wurde das Bewusstsein für umweltbedingte Erkrankungen zunächst durch die Anerkennung berufsbedingter Krankheiten geweckt: In der Arbeitsumgebung ist man normalerweise stärkeren gesundheitsgefährdenden Einflüssen ausgesetzt als in der allgemeinen Umwelt, und dort verursachte Krankheiten treten deutlicher zutage. Hier einige Beispiele: Silikose (Staublunge), eine typische Lungenerkrankung der Bergleute, Industriearbeiter und Töpfer, die Quarz- oder Kieselstaub ausgesetzt sind; Skrotalkrebs, Krebs der Hodensackhaut, wird bei Schornsteinfegern durch die Rußbelastung ausgelöst; neurologische Krankheiten bei Töpfern, die mit bleihaltigen Glasuren arbeiten; Erkrankungen des Knochenbaues aufgrund von Phosphorbelastung bei der Herstellung von Streichhölzern. Auf viele dieser Krankheiten wurde man erstmals während der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert aufmerksam.

2

Ursachen

Umweltbedingte Erkrankungen werden durch chemische Stoffe, Strahlenbelastung und direkte körperliche Gefährdungen hervorgerufen. Die Auswirkungen der Belastung werden sowohl in der natürlichen als auch in der beruflichen Umgebung größtenteils dadurch beeinflusst, auf welchem Wege sie einwirken. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Luft- und Wasserverschmutzung, belastete Nahrungsmittel und direkten Kontakt mit Giftstoffen. Synergistische Wirkungen – sich gegenseitig verstärkende Auswirkungen bei gleichzeitiger Belastung mit zwei oder mehreren Giften – spielen ebenso eine wichtige Rolle. Dies wird deutlich bei dem wesentlich erhöhten Lungenkrebsrisiko für Asbestarbeiter, die Zigaretten rauchen. Die Vielzahl gefährlicher Chemikalien, die in Giftmülldeponien möglicherweise miteinander reagieren können, stellen derzeit ein Problem ungeahnten Ausmaßes für die Gesundheit der Öffentlichkeit dar.

2.1

Chemikalien

In der industrialisierten Gesellschaft wurden Umweltbelastungen durch Tausende von Chemikalien eingeführt bzw. erhöht. Beispiele dafür sind anorganische Stoffe wie Blei, Quecksilber, Arsen, Cadmium und Asbest sowie organische Substanzen wie polychlorierte Biphenyle (PCB; siehe Umwelt: Chlorierte Kohlenwasserstoffe), Vinylchlorid und das Pestizid DDT. Von besonderer Bedeutung sind die möglichen krebsauslösenden Spätfolgen dieser Chemikalien. Beispielsweise können Lungenkrebs und Mesotheliome (Geschwülste in Körperhöhlen) durch Asbest, Leberkrebs durch Vinylchlorid und Leukämie (Blutkrebs) durch Benzol verursacht werden. Die Minamata-Krankheit, hervorgerufen durch quecksilberverseuchte Lebensmittel, und die Yusho-Krankheit, ausgelöst von chlorierten Furanen in der Nahrung, sind Beispiele für akute Vergiftungserscheinungen, die nicht berufsbedingt sind.

Der volle Umfang der Gefahren, die von Umweltgiften ausgehen, ist bislang nicht bekannt. Ausmaß und Häufigkeit einer Krankheit hängen von der Dosis des ursächlichen Giftes ab, wobei der Grad der Gefährdung, die von einer bestimmten Menge ausgeht, von Gift zu Gift unterschiedlich ist. Für Schadstoffe, die chronische Folgen oder Spätfolgen wie Krebs oder Erbschäden auslösen, lässt sich oft kein „sicherer” Grenzwert festlegen, unterhalb dessen keine Gesundheitsgefährdung besteht. Daher ist auch das Krebsrisiko, das von den allgegenwärtigen Umweltgiften DDT oder PCB ausgeht, nicht genau bekannt.

2.2

Strahlung

Ionisierende und nichtionisierende Strahlung kann, je nach Strahlendosis, sowohl akute als auch chronische Gesundheitsschäden hervorrufen. Die Auswirkungen geringer Mengen nichtionisierender Strahlen sind bisher noch unbekannt. Hoch dosierte ionisierende Strahlung (Strahlung von Radionukliden, Röntgen- und kosmische Strahlung) verursacht akute Strahlenkrankheit sowie Spätschäden, z. B. Krebs. Davon betroffen sind u. a. Personen, die beruflich mit Röntgenstrahlen oder radioaktivem Material zu tun haben. Die Erkenntnisse über die gesundheitlichen Auswirkungen bei geringer ionisierender Strahlenbelastung sind nicht gesichert, jedoch sind bei Arbeitern in Werften für atomreaktorgetriebene Schiffe zunehmend Chromosomenschäden zu verzeichnen.

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