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Buddhismus

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Rad des Lebens (Samsara)Rad des Lebens (Samsara)
Artikelgliederung
1

Einleitung

Buddhismus, von Buddha Siddharta Gautama im 5. Jahrhundert v. Chr. gestiftete und nach ihm benannte Religion. Nach Christentum, Islam und Hinduismus ist der Buddhismus die viertgrößte Weltreligion. Im Lauf der Geschichte breitete er sich, ausgehend von seinem Ursprung im nördlichen Indien, in ganz Asien aus und prägte die Gesellschaften dieses Kontinents in allen politisch-kulturellen Dimensionen. Seit etwa 100 Jahren ist er auch in Amerika und Europa heimisch. Der Buddhismus ist die erste universale Religion der Menschheit und eine der ältesten Heilsreligionen überhaupt.

Etwa 6 Prozent der Weltbevölkerung (rund 360 Millionen Menschen) sind Buddhisten. Sie gehören verschiedenen Richtungen an, die auch „Fahrzeuge” genannt werden, weil die Menschen durch sie den Fluss der Werdewelt auf das andere Ufer hin überqueren. 130 Millionen Buddhisten zählen zum so genannten kleinen Fahrzeug, 200 Millionen zum großen Fahrzeug und 30 Millionen zum diamantenen Fahrzeug. In Sri Lanka, Myanmar (Burma), Thailand, Laos, Kambodscha, Tibet und Bhutan ist der Buddhismus die dominierende Religion. Stark vertreten ist er in Japan, China, der Mongolei, Korea, Vietnam, Malaysia und Singapur.

Der Buddhismus ist aber nicht nur eine Religion, er ist auch eine Philosophie, die eine in sich konsistente Erkenntnistheorie, Kosmologie und Anthropologie geschaffen hat. Zudem ist er eine Wissenschaft von den psychischen Prozessen und den Faktoren, die die Wahrnehmung und das Denken beeinflussen, sowie ein praktisches Meditationssystem, das durch unterschiedliche Methoden die Integration körperlicher und mentaler Vorgänge ermöglicht. Vor allem aber ist der Buddhismus ein Lebensweg, der alle Lebensbereiche erfassen, durchdringen und transformieren will. Sein Ziel ist die Befreiung aus den Fesseln der selbstverursachten körperlichen, psychischen und mental wirksamen Verstrickungen.

Die Dreifache Zuflucht – auch die drei Kostbarkeiten, die drei Juwelen oder die drei Schätze genannt – stellt das grundlegende Bekenntnis der Zugehörigkeit zum Buddhismus dar. Es lautet: „Ich nehme Zuflucht zum Buddha, ich nehme Zuflucht zur Lehre (Dharma), ich nehme Zuflucht zur Gemeinschaft (Sangha).” Man wird formell zum Buddhisten, indem man die dreifache Zuflucht dreimal wiederholt.

Das erste Juwel (Buddha) ist ein Titel und bedeutet „der Erleuchtete” oder „der Erwachte”. Es ist der Ehrentitel des Stifters des Buddhismus, des historischen Buddha, der vor 2 500 Jahren als Siddharta Gautama auf die Welt kam.

2

Siddharta Gautama (Buddha)

Als Lebenszeit von Siddharta Gautama wird heute etwa die Zeit von 450 bis 370 v. Chr. angenommen. Er wurde als Sohn eines Adeligen aus dem Geschlecht der Shakya in Nordindien geboren. Als Sohn des Regenten der Shakya-Republik von Kapilavastu, die unter der Oberhoheit des Königs von Koshala stand, verbrachte er eine unbeschwerte Jugend. Im Alter von 29 Jahren begann Siddharta Gautama das Leben eines wandernden Bettelmönchs zu führen. Sechs Jahre lang lebte er als strenger Asket, gab aber diese Lebensweise, da sie ihn nicht zur Befreiung führte, wieder auf. Eines Abends ging er nach Bodh-Gaya (früher Uruvela) und ließ sich unter einem Feigenbaum nieder, um zu meditieren. Dort erlangte er die Erleuchtung (Bodhi), durch die er zum Buddha wurde (siehe Bodhibaum).

Nach mehrwöchiger Meditation entwickelte er die Lehre, die es ermöglicht, dem Leiden ein Ende zu setzen und Befreiung zu finden. Er ging anschließend zum Wildpark Ishipathana (auch Gazellenhain) in Sarnath bei Benares, traf dort auf fünf Bettelmönche, die Zeugen seiner früheren Kasteiungen waren, und hielt vor ihnen seine erste Predigt. Mit dieser Predigt von Benares setzte er das Rad der Lehre in Gang, sie war der Beginn der öffentlichen geistigen Lehrtätigkeit, die er 45 Jahre lang ausübte. Im Alter von 80 Jahren starb Gautama bei Kushinagari im Land der Mallas.

Zum Leben Siddhartas existiert umfangreiches Quellenmaterial, das jede einzelne Station des künftigen Buddha (Bodhisattva) phantasiereich ausmalt und mit Motiven und Erzählkomplexen anreichert, die auch sonst in der Religionsgeschichte zur Verdeutlichung der besonderen Bedeutung von Stifterpersönlichkeiten eingesetzt werden. So wird die Geburtsgeschichte mythisch überhöht; legendäre Jugenderzählungen preisen die übernatürlichen Kräfte des jugendlichen Bodhisattva. Zu diesen Legenden gehört auch die berühmte Geschichte von den vier Ausfahrten des Fürstensohnes, der in der Erzählung als Prinz und Königssohn bezeichnet wird. Die Erzählung über das Erwachen bzw. die Erleuchtung wird mit den Erzählungen über die Versuchungen durch Mara ausgeschmückt, den Dämon, der sich dem Erwachen des meditierenden Gautama in den Weg stellt. Diese Motive werden ihrerseits zu einem beliebten Thema der buddhistischen Kunst und Frömmigkeit.

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Buddhas und Bodhisattvas

Im frühen Buddhismus war Siddharta Gautama lediglich der irdische Lehrer des Dharma. Im Mahayana hingegen wurde er als gleich-ewig mit dem Dharma betrachtet. Demnach war der Buddha, der überirdisch schon immer existiert hatte, auf Grund seiner Barmherzigkeit als Lehrer auf der Erde erschienen, um die unwissenden Menschen zu befreien: Eine Konzeption, die ursprünglich wohl nur seine herausragende Bedeutung für alle Lebewesen unterstreichen sollte, wurde immer mehr zu einer Frage der Bestimmung des universalen und ewigen Wesens, das in dieser Weltperiode als Buddha aus dem Geschlecht der Shakyas erschienen war. Auf diese Weise entstand eine Vorstellung vom Wesen des Buddha, eine Buddhologie, die sich in der Trikaya-Lehre (der Lehre von den drei Körpern des Buddha) entfaltete. Entsprechend dem indischen Zeitverständnis, wonach unserem Zeitalter unendlich viele Zeitalter vorangegangen sind und noch viele folgen werden, verband sie das historisch Besondere mit dem transzendenten Allgemeinen, und erklärte, wie sich die Vielzahl von Buddhas zu dem einen unwandelbaren Dharma verhält.

Auch das Mahayana gründet auf den Lehren des Buddha, aber nicht auf der Predigt des Siddharta Gautama; Autor der autoritativen Sutras des Mahayana ist vielmehr der Buddha in seiner trans-historischen Gestalt. Beim Vortrag dieser Sutren ist er umgeben von Scharen himmlischer Wesen; der Ort der Verkündigung wird zu einem Schauplatz kosmischer Manifestation. Die Verkündigung findet statt in einer feinstofflich-transzendenten Dimension: die Sutras sind Verkörperung der höheren Form der Lehre des Buddha, die im Pali-Kanon in weniger entwickelter Gestalt vorliegt. Demnach schien es nur so, als wäre der Buddha Shakyamuni ein historischer, bedingter, leidender Mensch gewesen: in Wirklichkeit war er leidlos, universal und ewig. Es ist zu unterscheiden zwischen dem Ewigkeitskörper bzw. ewigen Wahrheitskörper, dem Erscheinungskörper im Grobstofflichen, Irdischen und dem Seligkeitskörper auf der feinstofflichen Zwischenebene, der dem Meditierenden visionär erscheinen kann.

Mit dieser Buddhologie verbindet sich im Mahayana ein neues Heiligkeitsideal, der Bodhisattva (Erleuchtungswesen). Im älteren Buddhismus ist ein Bodhisattva ein Mensch, der unterwegs ist zur Erleuchtung. Im Mahayana ist ein Bodhisattva jemand, der die Erleuchtung erreicht hat, aber auf den sofortigen Eintritt ins Nirwana verzichtet, um allen Wesen zu helfen; in grenzenlosem Mitleid nimmt er sogar das Leid anderer auf sich. Nach seinem Tod existiert er in einem Zwischenreich, in dem er für Hilfe suchende Gläubige erreichbar ist und angerufen werden kann; entscheidet er sich für eine Wiedergeburt, sucht er jenen Körper aus, in dem er den Menschen am besten die Lehre und das Heil vermitteln kann. Wie es unzählige Buddhas gibt, so existieren in der Vorstellung des Buddhismus auch unzählige Bodhisattvas mit den unterschiedlichsten Hierarchien und Zuordnungen. Eines dieser Schemata ist die Lehre von den fünf transzendenten Buddhas, denen fünf Bodhisattvas und fünf menschliche Buddhas zugeordnet sind, die ihrerseits jeweils einem Element und einem Daseinsfaktor entsprechen. Einer dieser fünf Buddhas ist der Buddha Amitabha bzw. Amida, der Buddha der Schulen des Reinen Lands; sein Bodhisattva ist Avalokiteshvara, die Verkörperung des Großen Erbarmens, der sich im Dalai-Lama des tibetischen Buddhismus reinkarniert. Nach diesem Schema war Buddha Shakyamuni der vierte Buddha auf Erden: Nach ihm wird sich mit Buddha Maitreya der fünfte und letzte irdische Buddha manifestieren, eine Verkörperung der allumfassenden Liebe, der im Tushita-Himmel auf die Zeit seiner Wiederkunft wartet.

4

Die buddhistische Lehre

4.1

Die Vier Edlen Wahrheiten vom Leiden und seiner Überwindung

Bereits in der frühesten Überlieferung, in der so genannten ersten Predigt von Benares, erscheint als Kern der Verkündigung des Buddha die Rede von den Vier Edlen Wahrheiten: Die erste Wahrheit ist die Wahrheit vom Leiden, die Erkenntnis, dass alles Anhaften an vergänglichen Dingen zur Frustration führt. Die zweite Wahrheit bezeichnet die Aufdeckung der Ursache dieses Sachverhalts, die Wahrheit von der Entstehung des Leidens. Die dritte Wahrheit beinhaltet die Einsicht in die Möglichkeit, diesen leidvollen Zustand zu beenden, es ist die Wahrheit von der Überwindung des Leidens. Die vierte Wahrheit meint die Wahrheit vom Weg zur Überwindung des Leidens, der im Edlen Achtfachen Pfad beschrieben wird.

Alles Vergängliche ist dem Buddhismus nach leidvoll. Aber nicht die Vergänglichkeit als solche ist das Leiden: Sie ist vielmehr ein neutrales Naturgesetz; leidvoll und frustrierend ist der Versuch des Menschen, dem Augenblick Dauer zu verleihen, um sich selbst Stabilität und Identität zu geben.

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