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Buddhismus

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Rad des Lebens (Samsara)Rad des Lebens (Samsara)
Artikelgliederung
4.2

Der Edle Achtfache Pfad

Der Edle Achtfache Pfad gehört zur Basis der buddhistischen Praxis und Lehre und wurde in allen Schulen und zu allen Zeiten begangen und gepflegt. Jedes Glied des achtfachen Pfades enthält den Begriff samyak, was meist mit recht (rechte Anschauung, rechter Entschluss usw.) übersetzt wird. Gemeint ist eine Haltung, die jeweils alle Aspekte und Folgen einer Handlung berücksichtigt, also nicht nur kurzfristigen oder einseitigen Gewinn, sondern ganzheitliche Betrachtung im Auge hat. Die einzelnen Glieder des Pfades sind: 1. ganzheitliche Anschauung, 2. ungeteilter Entschluss, 3. untadelige Rede, 4. vollkommenes Handeln, 5. ganzheitliche Lebensführung, 6. gleichgewichtige Anstrengung, 7. unablässige Achtsamkeit, 8. ganzheitliche Einswerdung.

Alle acht Glieder sind nicht Stufen, die nacheinander beschritten werden, sondern Aspekte, die aufeinander einwirken und gleichzeitig geübt werden. Die Ethik des Buddhismus ist eine Konkretisierung dieser acht Gesichtspunkte. Sie ist geprägt von der Grundhaltung der liebevollen Güte (Maitri) und der heilenden Hinwendung (Karuna) zu allen lebenden Lebewesen. Wer durch liebende Güte gereinigt ist, hat das Ziel der Befreiung erreicht. Er verweilt unablässig in Achtsamkeit, hat den Streit über philosophische Ansichten hinter sich gelassen und ist dem Kreislauf der Wiedergeburten enthoben.

4.3

Die fünf Daseinsfaktoren

Die frühbuddhistische Philosophie unterscheidet fünf Gruppen, Aggregate oder Wirklichkeitsbereiche, aus deren Zusammenwirken der Mensch besteht. Diese fünf Skandhas bzw. Daseinsfaktoren oder auch Anhaftungsgruppen sind: 1. der physische Körper, der die vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Wind enthält; 2. die Empfindung bzw. das Gefühl, das als Reaktion auf Sinneseindrücke oder Gemütsbewegungen entsteht; 3. die unterscheidende Wahrnehmung äußerer Objekte; 4. die Willens- und Geistesregungen, die auf die Wahrnehmung reagieren und interpretieren; 5. die Bewusstseinskraft, die alle anderen Ebenen koordiniert und zu einer zielgerichteten Gesamtheit zusammenfasst.

Der Mensch als Person ist lediglich eine unbeständige, rasch vergängliche Kombination dieser Faktoren, die sich in jedem Moment ihres Daseins wandelt. Es gibt daher kein beständiges, eigenständig existierendes Selbst, das sich im Wechsel der Erscheinungen durchhält, und es gibt auch keine Seele. Es ist dies die Lehre vom Anatman, der Nichtsubstanzialität des Ich. Die frühe buddhistische Lehre ist durch drei Kennzeichen geprägt: Anatman (keine Seele), Anitya (Unbeständigkeit) und Dukkha (Frustration, Leiden).

Die Lehre vom Anatman machte eine Neuauslegung der indischen Idee vom Kreislauf der Wiedergeburt in der Welt der Erscheinungen, dem Samsara, nötig. So entstand die Lehre von Pratityasamutpada oder von dem bedingten Werden in einer zwölfgliedrigen Kette von Ursachen.

4.4

Das Entstehen in gegenseitiger Abhängigkeit

Das Entstehen in gegenseitiger Abhängigkeit, auch als Konditionalnexus oder Kausalnexus bezeichnet, ist die Lehre von der organischen Verbundenheit aller Erscheinungen. Alles ist Wechselwirkung und steht mit allem in Verbindung; deshalb ist alles Ursache für bestimmte Wirkungen, die wiederum zur Ursache aller Erscheinungen werden. Jedes Glied in der Kette des Entstehens enthält alle anderen und trägt deshalb alle Möglichkeit und Wirklichkeit in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in sich. Der Konditionalnexus funktioniert nach folgendem Prinzip: Aus Unwissenheit (1) entstehen psychische Gestaltungen und Einprägungen (2), aus denen nach dem Tod ein spezifischer Bewußtseinszustand (3) als Träger einer neuen Existenz entsteht; davon abhängig entwickeln sich Name und Form (4), das heißt psychische Faktoren und Körper, sowie der sechsfache Bereich (5), die sechs Sinnesorgane (die fünf Sinne und das Denken); daraus folgt die Berührung (6) der Sinnesorgane mit ihren Objekten; hieraus wiederum entstehen die Empfindungen (7), die ihrerseits die Gier (8), den Durst nach den Objekten und dem Dasein entstehen lassen; damit führen sie nach dem Tod zum Ergreifen (9) eines neuen Mutterschoßes, zum Werden (10), zur neuen Geburt (11) und damit wieder zu Alter und Tod (12). Rückläufig gelesen besagt die Formel: Durch die Vernichtung der Unwissenheit werden die Bildekräfte der Gestaltungen und Einprägungen vernichtet, durch deren Vernichtung das Bewußtsein usw.

Die Kette beschreibt ein wechselseitiges Sich-Bedingen: Jede Erscheinung ist Bedingung der anderen, alle Erscheinungen der Wirklichkeit sind wechselseitig voneinander abhängig. Die Einsicht in diese Struktur ist die Voraussetzung für die Befreiung aus dem Gefangensein in ihr. Befreiung wird erreicht durch das Ende des Begehrens. Bildlich dargestellt wird diese Nidana-Kette im Lebensrad (Bhavachakra).

4.5

Nirwana

Das Ziel aller spirituellen Praxis und des Lebens überhaupt ist Nirwana (Pali: Nibbana). Es ist das Ende des Begehrens, das Ende aller bedingten Bewusstseinszustände, aller Daseinsgrundlagen, das Erlöschen und damit das Ende von Leid und Frustration. Es bedeutet die Vernichtung des Verlangens und aller Leidenschaften und damit die Erlangung vollkommener Gemütsruhe, höchster Seligkeit. Es ist jenseits unserer unterscheidenden Abgrenzungen und entzieht sich deshalb der Versprachlichung, aber es ist nicht Vernichtung und bedeutet auch keinen Nihilismus.

5

Die Gemeinde

5.1

Mönche, Nonnen und Laien

Der Sangha, das dritte Juwel, ist die Gemeinschaft derer, die der buddhistischen Tradition gemäß leben, die Überlieferung hüten sowie das Erkannte in die Tat umsetzen. Der Sangha ist vierfach in Mönche (Bhikshu), Nonnen (Bhikshuni), Laienanhänger (Upasaka) und Laienanhängerinnen (Upasika) gegliedert. Das Rückgrat des Buddhismus bildet der Sangha im engeren Sinn, der zweifache Orden, insofern er die Überlieferung unverfälscht zu bewahren und weiterzugeben hat. Aber dem Laienelement kommt ebenfalls eine große Bedeutung zu, da die Laien die Mönche und Nonnen durch Almosengaben ernähren, womit sie für sich selbst gutes Karma erwerben. Außerdem waren es die Laien, die die buddhistischen Ideale in die Gesellschaft trugen und damit die Voraussetzung für die kulturelle Gestaltungskraft des Buddhismus schufen.

Allerdings entstand damit auch eine Art zweistöckiger Gesellschaft: Mönche und Nonnen erfüllen Gelübde, streben durch Weisheit direkt zum Nirwana, die Laien tun gute Werke, streben nach einem guten Karma für eine bessere Wiedergeburt, aus der sie zum Nirwana gelangen. Die Unterscheidung bedeutet nicht, dass die Lehre des Buddha als Weg zum Nirwana nicht für alle Menschen gleich wäre; jedoch besitzen die Menschen dieser Auffassung gemäß karmisch bedingte unterschiedliche Voraussetzungen, weshalb die eine Lehre verschieden gelebt werden muss.

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