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Buddhismus

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Rad des Lebens (Samsara)Rad des Lebens (Samsara)
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6.1

Hinayana – Theravada

Der Pali-Kanon ist die Textsammlung der Theravadins. Er enthält die von fast allen Buddhisten als verbindlich anerkannten Texte, die im 1. Jahrhundert v. Chr., etwa 300 Jahre nach der Lebenszeit des Buddha, in der Pali-Sprache schriftlich niedergelegt wurden. Zur Sicherung der Textüberlieferung hatten zuvor schon drei so genannte Konzile stattgefunden, das erste vier Monate nach dem Tod des Buddha, das zweite 100 Jahre später und das dritte unter König Aschoka. Der Pali-Kanon ist in drei so genannte Körbe (Tipitaka; Sanskrit Tripitaka: Dreikorb) gegliedert; der erste enthält die Regeln der Ordensdisziplin, der zweite die Lehrreden des Buddha und der dritte die systematisierte Lehre.

Von großer Bedeutung ist zudem der Milindapanha (Fragen des Königs Milinda), ein Pali-Text aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., der allerdings nicht in den Kanon aufgenommen wurde. Darin erläutert der Mönch Nagasena dem griechisch-baktrischen König Menandros (Milinda) in Dialogform die für den Griechen schwer begreifbaren Lehren vom Nicht-Ich, der Reinkarnation, der Bewusstseinsformen usw. Ein weiteres wichtiges Werk der Theravada-Schule ist der Visuddhimagga (Weg der Reinigung) des Mönches Buddhagosa aus dem 5. Jahrhundert. Es legt in konzentrierter Klarheit und intellektueller Schärfe den buddhistischen Heilsweg dar und erlangte außerordentliche Popularität.

Nach einer Anfangszeit, die uns hauptsächlich in Legenden zugänglich ist, tritt der Buddhismus mit König Aschoka ins Licht der Geschichte. Aschokas Herrschaft wird von entscheidender Bedeutung für den Dharma des Buddha. Mit ihm konvertiert der Herrscher über das größte Reich der alten indischen Geschichte zum Buddhismus, und er nimmt die Lehre politisch in Anspruch. Auf der Grundlage der buddhistischen Laienethik verändert sich so der im Prinzip weltentsagende Glaube in eine potentiell weltgestaltende Ethik.

Unter Aschoka gelangte der Buddhismus auch nach Sri Lanka; Aschokas Sohn soll als Mönch Mahinda im königlichen Park nahe Anuradhapura das erste große Kloster, den Mahavira, gegründet haben. Der bisher mündlich überlieferte Kanon wurde auf Sri Lanka im ersten Jahrhundert v. Chr. als Pali-Kanon schriftlich fixiert. Die intellektuell-konservative Haltung der Theravadins hat eine erstaunliche Stabilität der Verhältnisse begünstigt. Der Mahavira war bis zur Ankunft der Portugiesen 1498 alleiniger Träger der religiösen Kultur des Landes.

6.2

Mahayana

Der Mahayana-Buddhismus entstand allmählich aus mehreren Entwicklungen und Elementen, die erst in ihrer Bündelung zum Paradigmenwechsel führten. Was Aschoka für den frühen Buddhismus bedeutete, war König Kanishka I. aus der Kuschan-Dynastie (2. Jahrhundert n. Chr.) für das Mahayana. Unter ihm soll 120 n. Chr. das vierte buddhistische Konzil in Gandhara oder Kaschmir stattgefunden haben.

Das Schrifttum des Mahayana unterscheidet sich deutlich von den Texten des Pali-Kanon. Die Sutras (Pali: Sutta) stellen dort relativ kurze Reden des Religionsstifters dar, die in der Lebensgeschichte des historischen Buddha verankert sind. Die Mahayana-Sutras hingegen sind monumentale Werke in Sanskrit, die vom transzendenten Buddha, dem Buddha der Zwischenebene der Dreikörperlehre, einer mythischen Schar von Wesen gepredigt werden. Es gibt eine Fülle von Mahayana-Sutras; sie sind zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 5. bzw. 6. Jahrhundert n. Chr. entstanden; sie können in mehrere Gruppen eingeteilt werden.

Die Prajnaparamita-Literatur umfasst über 30 Werke. Zwei wichtige Texte, die vor allem in Ostasien große Bedeutung erlangt haben, sind das Diamant-Sutra und das Herz-Sutra (Prajnaparamita-Hridaya-Sutra). Das große Thema dieser Weisheitsliteratur ist die Leere aller Erscheinungen (Shunyata), eines der wichtigsten Themen des gesamten Mahayana. Es handelt sich vermutlich um Texte von Waldmönchen. Die Avatamsaka-Literatur (Avatamsaka-Sutra) ist größtenteils nur in chinesischen und tibetischen Übersetzungen erhalten. Das Lotos-Sutra (Saddharmapundarika-Sutra, Sutra des Lotos des guten Gesetzes) wurde einer der weitverbreitetsten buddhistischen Texte in Ostasien und der grundlegende Text für mehrere Schulen. Das Lankavatara-Sutra stellt eine tiefgründige, an Bildern reiche und die Zen-Tradition mitprägende Darlegung der buddhistischen Bewusstseinsphilosophie dar. Das Vimalakirtinirdesha-Sutra (Die Predigt des Vimalakirti) verdankt seine Popularität der Betonung der Gleichwertigkeit des Lebens der Laienanhänger mit dem Leben der Mönche. Vimalakirti, die Hauptfigur des Sutra, ist ein reicher Anhänger des Buddha, der mitten im weltlichen Leben steht und doch den Weg eines Bodhisattva geht. Das Sukhavati-vyuha-Sutra (Sutra des Landes der Glückseligkeit) preist den Glauben an Buddha Amitabha, der für diejenigen, die ihm vorbehaltlos vertrauen, das Reine Land bereitet hat, wo sie wiedergeboren und die Befreiung erlangen werden. Es gehört zu den Grundtexten der großen Schulen des Reinen Landes in China und Japan.

6.3

Buddhismus des Reinen Landes

Der Buddhismus der Reines-Land-Schule betont die Wichtigkeit des tiefen Vertrauens in die Kraft und Hilfe des Buddha Amitabha (japanisch: Amida). Er wird deshalb auch Glaubens-Buddhismus genannt. Die Praxis besteht vor allem im Rezitieren von Amitabhas Namen und im Visualisieren seines Paradieses. Als Glaubens-Buddhismus, der die Hoffnung auf bessere Zustände mit dem Vertrauen auf die Verlässlichkeit des Buddha verbindet, ist er in China und Japan besonders in Krisenzeiten eine der Hauptgestalten des Buddhismus überhaupt geworden.

6.4

Zen-Buddhismus

Der Zen-Buddhismus wurde der Legende nach von Bodhidharma, einem indischen Höhlen-Einsiedler, begründet. Im Zen geht es nicht um Sutren, Schriftgelehrsamkeit und philosophische Dialektik, sondern um die unmittelbare Erfahrung, die dann möglich wird, wenn das Bewusstsein durch Meditation von seinen eigenen Projektionen sowie Bild- und Begriffsinhalten vollkommen leer geworden ist. Charakteristisch ist die Weise, wie die Schule sich selbst auf den Buddha zurückführt. Die „besondere Überlieferung außerhalb der orthodoxen Lehre” begann demnach mit der berühmten Predigt des Buddha Shakyamuni auf dem Geierberg. Er soll damals, als eine große Schar von Jüngern sich um ihn versammelt hatte, um seine Darlegung des Dharma zu hören, nur schweigend eine Blüte in die Höhe gehalten haben. Einzig Kashyapa begriff und lächelte – angesichts der Geste des Meisters war er urplötzlich zur Erleuchtung gelangt und hatte damit die Essenz der Lehre des Buddha erfasst. Damit hatte die erste Übertragung der „wortlosen Lehre” des Zen von Herz-Geist zu Herz-Geist stattgefunden. Im Zen, das auch als die Schule des Buddha-Geistes bezeichnet wird, spielt diese plötzliche Erleuchtung eine herausragende Rolle.

6.5

Nichiren-Buddhismus

Der Nichiren-Buddhismus wurde 1253 vom Mönch Nichiren begründet. Es handelt sich um eine Schule rein japanischer Ausrichtung, mit stark nationalistischen Tendenzen, in der das Lotos-Sutra (Saddharmapundarika-Sutra; japanisch Hokekkyo) als „Krone aller Sutras” und als die Quelle aller Offenbarung und Wahrheit gilt.

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