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Union der Sozialistischen SowjetrepublikenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Revolution; Die Ära Stalin; Führungskämpfe; Entwicklung der Wirtschaft; Kultur und Bildung; Außenpolitik; Die Ära Gorbatschow
Die sowjetische Außenpolitik der Nachkriegsjahre war bestimmt von der Konsolidierung bzw. Ausdehnung des sowjetischen Einflussbereiches. In Deutschland führte diese Strategie aufgrund der unvereinbaren Interessengegensätze zwischen der Sowjetunion einerseits, den drei westlichen Alliierten andererseits zum Scheitern einer gemeinsamen alliierten Deutschlandpolitik. Diese Interessengegensätze lösten kurz nach Kriegsende den Kalten Krieg aus, der seine ersten Höhepunkte in der Berliner Blockade 1948/49 sowie in der Gründung der DDR und der damit verbundenen Teilung Deutschlands 1949 fand. Die mittel- und osteuropäischen Staaten – Polen, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Albanien – in ihrer Einfluss- und Interessenssphäre wandelte die Sowjetunion bis 1949 in sowjetische Satellitenstaaten um, zunächst auf der Basis von Freundschafts- und Beistandspakten, dann mit Hilfe des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). Sie unterstützte in den ersten Nachkriegsjahren massiv die jeweils einheimischen kommunistischen Parteien, die sich schließlich, zum Teil im Rahmen von Volksfrontregierungen und unter erheblichem Druck auf ihre politischen Gegner, überall durchsetzten und an dem sowjetischen Modell ausgerichtete Systeme schufen. Lediglich Jugoslawien unter Marschall Josip Tito leistete gegen die Versuche einer sowjetischen Einflussnahme erfolgreich Widerstand. Jugoslawien konnte sich dem Druck der UdSSR auch deshalb widersetzen, weil es Wirtschaftshilfe aus dem Westen erhielt. Jugoslawien wurde 1948 aus dem Kominform, einem der wichtigsten Instrumente Stalins zur Durchsetzung des sowjetischen Kurses in den Satellitenstaaten, ausgeschlossen. In der Folge wurde Tito zu einem der prominentesten Führer der blockfreien Staaten.
Im August 1945 schlossen China und die Sowjetunion einen Freundschaftsvertrag. Obwohl die UdSSR sich verpflichtete, die chinesische Vorherrschaft in der Mandschurei, die bis 1945 unter japanischer Besatzung stand, anzuerkennen, beschlagnahmte sie nahezu sämtliche Industrieanlagen aus der Mandschurei und beließ vorerst noch ihre Truppen in der Mandschurei. Zugleich statteten die Sowjets die chinesischen Kommunisten im Bürgerkrieg (Chinesische Revolution) gegen die Nationalchinesen mit Waffen, die aus japanischen Beständen stammten, aus. Als sich die sowjetische Armee 1946 aus der Mandschurei zurückzog, ging das ganze Gebiet an China. Der Sieg der chinesischen Kommunisten und die Errichtung der Volksrepublik China 1949 erweiterte einerseits in Asien den Einflussbereich der Sowjetunion, die China bis 1960 beim Aufbau des Landes untertützte; andererseits erwuchs der Sowjetunion im kommunistischen China aber auch ein ernsthafter Konkurrent. Ebenso wie in Ost-Mitteleuropa hatte sich die Sowjetunion auch in Asien Satellitenstaaten geschaffen: die Mongolische Volksrepublik, 1924 errichtet, und die demokratische Volksrepublik Korea, die 1948 ausgerufen wurde. Beide Staaten waren unter massiver Einflussnahme der Sowjetunion entstanden.
Bis zu seinem Tod im Mai 1953 vereinte Stalin eine ungeheure Machtfülle in seiner Person; nach seinem Tod kehrte man wieder zum Prinzip der kollektiven Staats- und Parteiführung zurück: Georgij M. Malenkow wurde Generalsekretär der Partei und Ministerpräsident, Molotow Außenminister. Lasar M. Kaganowitsch wurde 1. stellvertretender Ministerpräsident und Lawrentij P. Berija, eine der wichtigsten Stützen der Stalin’schen Diktatur, stellvertretender Ministerpräsident, Woroschilow Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets. Dieses Regierungskollektiv wurde jedoch bald revidiert: Im Juni 1953 wurde Berija wegen Verrats aller Partei- und Staatsämter enthoben, angeklagt, und im Dezember 1953 wurde er hingerichtet. Im September 1953 musste Malenkow als Generalsekretär zu Gunsten von Nikita S. Chruschtschow zurücktreten, und 1955 musste er wegen angeblicher Abweichungen vom vorgegebenen wirtschaftpolitischen Kurs auch sein Amt als Ministerpräsident abgeben, und zwar an Nikolay A. Bulganin, einen treuen Parteigänger Chruschtschows.
Auf dem XX. Parteitag der KPdSU, der vom 14. bis zum 25. Februar 1956 in Moskau stattfand, rechnete Chruschtschow in einem Geheimreferat mit Stalin ab: Er attackierte vor allem Stalins Personenkult und Herrschaftsmethoden, warf ihm vor, keine angemessenen Vorkehrungen gegen die deutsche Invasion im Juni 1941 getroffen und deshalb den Krieg falsch geführt zu haben. Chruschtschow beschuldigte Stalin außerdem, für den Bruch mit Jugoslawien und anderen Ländern verantwortlich gewesen zu sein. Im Zuge der folgenden Entstalinisierung wurden alle Stalinporträts von öffentlichen Plätzen entfernen, Institutionen, Plätze etc., die nach Stalin benannt waren, erhielten neue Namen, und Geschichtsbücher wurden im Sinne der Entstalinisierung neu geschrieben. Die Neubewertung der Ära Stalin führte zu Konflikten nicht nur in der KPdSU, sondern auch innerhalb der kommunistischen Parteien der Ostblockstaaten; in Polen und Ungarn kam es zu Aufständen (siehe unten: Außenpolitik).
Die Machtkämpfe in Partei und Staat endeten 1957 zu Gunsten Chruschtschows: Mit Unterstützung des Zentralkomitees der Partei gelang es ihm, seine Hauptgegner Molotow, Malenkow, Kaganowitsch und andere aus dem Politbüro zu verdrängen, und 1958 veranlasste er Bulganins Rücktritt und übernahm selbst zusätzlich zum Amt des Generalsekretärs das Amt des Ministerpräsidenten. Damit schien die kurze Ära der kollektiven Führung beendet. Auf dem XXI. Parteitag der KPdSU 1961 hatte Chruschtschow eine absolute Vormachtstellung. Er wiederholte einen Teil seiner Anschuldigungen gegen Stalin, ließ Stalins Leichnam aus dem Leninmausoleum entfernen; zudem forderte er, dass die Stalinisten, die 1957 gegen ihn opponiert hatten, aus der Partei ausgeschlossen werden müssten.
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