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Union der Sozialistischen SowjetrepublikenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Revolution; Die Ära Stalin; Führungskämpfe; Entwicklung der Wirtschaft; Kultur und Bildung; Außenpolitik; Die Ära Gorbatschow
1960 übernahm Leonid I. Breschnew die Nachfolge des 79-jährigen Woroschilow im Amt des Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjets, d. h. als Staatspräsident, und 1963 wurde er Sekretär des Zentralkomitees. Im Juli 1964 legte Breschnew das Amt des Staatspräsidenten wieder nieder, um sich ganz der Parteiarbeit zu widmen. An seiner Stelle wurde Anastas I. Mikojan Staatspräsident (er trat 1965 aus gesundheitlichen Gründen wieder zurück). Im Oktober 1964 wurde Chruschtschow unter maßgeblicher Beteiligung Breschnews gestürzt. Gründe für diesen Sturz waren die schleppenden Fortschritte im Ausbau von Landwirtschaft und Industrie sowie die außenpolitische Misserfolge in der Kubakrise und in der Berlin-Frage. Eine Reihe seiner engsten Mitarbeiter wurde ebenfalls entmachtet.
Wie nach Stalins Tod nahm man auch nach Chruschtschows Sturz wieder das Prinzip der kollektiven Führung auf: Breschnew wurde Generalsekretär der Partei und Alexeij N. Kossygin Ministerpräsident. Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets war von 1965 bis 1977 Nikolaij W. Podgorny. Allem Anschein nach funktionierte die Zusammenarbeit innerhalb dieser Führungsspitze in den nächsten fünf Jahren gut; in den siebziger Jahren jedoch nahm Breschnew eine exponierte Stellung in der Troika ein. 1977, nachdem Podgorny aufgrund von Auseinandersetzungen mit Breschnew hatte zurücktreten müssen, übernahm Breschnew auch das Amt des Staatspräsidenten. Im selben Jahr wurde eine neue Verfassung verabschiedet. Kurz nach dem Tod Breschnews Ende 1982 wurde Jurij W. Andropow, der ehemalige Leiter des sowjetischen Geheimdienstes KGB, sein Nachfolger als Generalsekretär.
Die Wirtschaftsentwicklung der Sowjetunion nach dem 2. Weltkrieg folgte Konzepten, die in mehreren Fünfjahresplänen und einem Siebenjahresplan (1959-1965) festgelegt worden waren.
Chruschtschow entwickelte zwei Strategien, durch die die Getreideproduktion des Agrarlandes UdSSR erhöht werden sollte. Dies war zum einen die Kultivierung von Randgebieten (vor allem in Kasachstan), zum anderen der Anbau von Mais. Beide Strategien erwiesen sich als weniger erfolgreich als erhofft. Grundlage der Landwirtschaft wurden staatlich und genossenschaftlich verwaltete Großbetriebe. Schlechte Getreideernten (1963, 1965, 1969, 1972 und 1975) verlangsamten das Wirtschaftswachstum und vermehrten die Auslandsschulden, da große Mengen Weizen aus Kanada und den Vereinigten Staaten eingeführt werden mussten. Die sowjetische Führung versuchte, das Problem durch finanzielle Anreize für Bauern, durch effektivere Organisation sowie durch Modernisierungsmaßnahmen zu bekämpfen. Dies führte auch zur Forcierung des Chruschtschowschen Planes, die Bevölkerung kleiner Dörfer in große landwirtschaftliche Genossenschaften umzusiedeln, wodurch auch der beginnenden Landflucht begegnet werden sollte. Durch diese und ähnliche Maßnahmen sowie günstigere klimatische Bedingungen konnten 1973, 1974 und 1976 bei der Ernte Rekordergebnisse erzielt werden. Durch Bewässerung und Aufforstung wurden allmählich selbst die Randgebiete Kasachstans fruchtbar. Dennoch blieb die Landwirtschaft für die UdSSR immer ein großes Problem.
Durch die Fünfjahrespläne Stalins war die Sowjetunion in enormem Tempo industrialisiert worden und war zur zweitgrößten Wirtschafts- und Militärmacht der Welt aufgestiegen. Die Produktion von Konsumgütern war allerdings lange vernachlässigt worden. Zwar war die Industrieproduktion insgesamt 1957 dreiunddreißigmal höher als 1913, aber die Produktion von Konsumgütern stieg nur um das dreizehnfache an (verglichen mit einer Steigerung um das vierundsiebzigfache in der Schwerindustrie). Chruschtschow versprach eine Steigerung der Konsumgüterproduktion, jedoch mit mäßigem Erfolg. 1957 bzw. 1962 wurden zahlreiche Industriebetriebe zu großen Kombinaten zusammengefasst.
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