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Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken

Enzyklopädieartikel
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Union der Sozialistischen SowjetrepublikenUnion der Sozialistischen Sowjetrepubliken
Artikelgliederung
6.2

Dissidenten

Auf das Tauwetter in den Jahren der Entstalinisierung (1955-1964) folgte unter Breschnew die Rückkehr zu einer repressiveren Politik. Besonders nach dem Prager Frühling 1968 wurden Hunderte von Dissidenten (Andersdenkende) wegen angeblich subversiver Tätigkeit des Landes verwiesen bzw. in Arbeitslagern (siehe GULAG), Gefängnissen und psychiatrischen Anstalten inhaftiert. Die bekanntesten Dissidenten waren der Schriftsteller Alexandr I. Solschenizyn und der Kernphysiker Andrej D. Sacharow. Solschenizyn erhielt 1968 in der Sowjetunion Publikationsverbot und wurde 1974 des Landes verwiesen. Sacharow entging aufgrund seines Bekanntheitsgrades lange Zeit der Bestrafung. Nachdem er aber im Dezember 1979 den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan kritisiert hatte, wurde er nach Gorki (eine Stadt, zu der Ausländer keinen Zutritt hatten) verbannt. Dort lebte er unter ständiger Bewachung. Im Dezember 1986 durfte Sacharow nach Moskau zurückkehren. Unter den Dissidenten gab es auch solche, die dem sowjetischen System aus religiösen Gründen kritisch gegenüberstanden, u. a. viele Juden, aber auch Zeugen Jehovas, Katholiken und Baptisten, oder aus ethnischen Gründen, wie z. B. Krimtataren und Wolgadeutsche.

7

Außenpolitik

Nach dem 2. Weltkrieg baute die Sowjetunion enge Beziehungen zu den angrenzenden osteuropäischen Ländern auf. Der RGW mit Sitz in Moskau arbeitete ab 1949 Pläne zur wirtschaftlichen Integration seiner Mitgliedsstaaten in Osteuropa aus. Den sowjetischen Vorstellungen zufolge sollte jedes Land seine Produktion nach seinen Ressourcen ausrichten und alles, was es nicht selbst produzieren konnte, aus den anderen Mitgliedsstaaten einführen. Gegen ein solches sowjetisch kontrolliertes System entwickelte sich bald Widerstand, besonders in Rumänien, das die ihm zugewiesene Rolle als Agrarland und Öllieferant nicht akzeptieren wollte. Sowjetische Pipelines, die Polen, Ungarn und die DDR mit sowjetischem Öl und Gas versorgten, führten zu einer starken wirtschaftlichen Abhängigkeit der betreffenden Staaten.

7.1

Beziehungen zu den Satellitenstaaten

Jugoslawien schien unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg großes Interesse an einer Kooperation mit der Sowjetunion zu haben. Es kam jedoch schon bald zum Bruch mit der Sowjetunion, da sich die jugoslawische Regierung weigerte, in allen Punkten den Direktiven Moskaus zu folgen. In den anderen osteuropäischen Staaten hingegen nahm der sowjetische Einfluss bis 1955 stetig zu. 1952 machte der Handel der Sowjetunion mit ihren Satellitenstaaten 80 Prozent der gesamten sowjetischen Handelsbeziehungen aus. 1954 räumte die Sowjetunion der DDR gewisse wirtschaftliche Freiheiten ein: Das Land musste keine weiteren Reparationszahlungen leisten, dafür blieben sowjetische Truppen in der DDR stationiert. 1955 wurde als Reaktion auf den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland in die NATO der Warschauer Pakt gegründet. Er sollte zum einen der wechselseitigen militärischen Hilfe der Mitgliedsstaaten im Kriegsfall, zum anderen der Sicherung des sowjetischen Einflusses dienen. Nach Stalins Tod verbesserten sich die Beziehungen zu Jugoslawien vorübergehend, wurden aber schon bald wieder gespannter. Grund hierfür war vor allem der sowjetische Einmarsch in die Tschechoslowakei während des Prager Frühlings 1968. Nach 1961 verlor die Sowjetunion ihren Einfluss in Albanien, das in China einen neuen Verbündeten fand.

7.1. 1

Polenkrise und Ungarnaufstand

In Reaktion auf die Entstalinisierung in der Sowjetunion kam es 1956 in Polen zu großen Demonstrationen gegen die stalinistische Führung. Die Demonstrationen wurden vom Militär niedergeschlagen; die polnische Führung aber wurde auf Druck der Sowjetunion gegen eine neue ausgetauscht, die sich deutlich vom Stalinismus distanzierte.

Von den Ereignissen in Polen angespornt, brach 1956 auch in Ungarn ein Volksaufstand aus. Tausende Arbeiter und Studenten demonstrierten für die volle Unabhängigkeit Ungarns von der Sowjetunion und den Abzug der Roten Armee. Sowjetische Truppen schlugen den Aufstand blutig nieder, und János Kádár bildete unter sowjetischer Protektion eine neue Regierung. Von den westlichen Ländern und den Vereinten Nationen wurde die UdSSR für ihr Eingreifen in Ungarn scharf verurteilt. Der Einfluss der Sowjetunion in Ungarn blieb weiterhin bestehen.

7.1. 2

Prager Frühling

Die nächste große Krise innerhalb des Ostblocks ereignete sich im Sommer 1968 in der Tschechoslowakei. Im Januar hatte aufgrund der sich zuspitzenden Wirtschaftskrise der moskautreue Generalsekretär der tschechoslowakischen KP, Antonin Novotný, zurücktreten müssen; sein Nachfolger wurde Alexander Dubček, der eine Liberalisierung der Wirtschaft und eine Demokratisierung der Gesellschaft, den so genannten Prager Frühling, einleitete. Die sowjetische Führung beobachtete die Vorgänge zunächst wohlwollend, befürchtete aber schon bald den Verlust ihres Einflusses in der Tschechoslowakei und im Ostblock überhaupt. Am 21. August 1968 marschierten Truppen des Warschauer Paktes gemäß der (im Nachhinein formulierten) Breschnew-Doktrin über die eingeschränkte Souveränität der sozialistischen Staaten in der Tschechoslowakei ein und schlugen den Prager Frühling nieder. Dubček wurde im April 1969 abgesetzt, seine Reformen wurden revidiert.

Die Niederschlagung des Prager Frühlings hatte auch Auswirkungen auf die sowjetische Innenpolitik und auf das Verhältnis der UdSSR zu den anderen Staaten des Warschauer Paktes: In der Sowjetunion selbst wurden die Kontrollmaßnahmen und die Verfolgung von Dissidenten verschärft; außenpolitisch band die Sowjetunion ihre Satellitenstaaten noch enger an sich an. Der Westen zeigte sich äußerst beunruhigt und verschob geplante Ost-West-Abrüstungsverhandlungen.

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