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Union der Sozialistischen SowjetrepublikenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Revolution; Die Ära Stalin; Führungskämpfe; Entwicklung der Wirtschaft; Kultur und Bildung; Außenpolitik; Die Ära Gorbatschow
1954 und 1959 schlug die Sowjetunion eine totale Abrüstung vor. Erste Verhandlungen gerieten jedoch ins Stocken, als die UdSSR eine Überprüfung der Einhaltung dieser Vereinbarung ablehnte. 1960 kündigte die UdSSR an, sie werde ihr militärisches Potential um ein Drittel verringern. Wiederum war der Westen nicht bereit, auf diesen Vorschlag einzugehen, da die Sowjetunion erneut der vom Westen gewünschten Kontrolle nicht zustimmte. 1953 zündete die Sowjetunion ihre erste Wasserstoffbombe, ein Jahr nach den USA. Danach experimentierten alle Großmächte mit Kernwaffen, so dass eine Rüstungskontrolle und -begrenzung zwingend notwendig wurde. 1963 unterzeichnete die UdSSR mit den USA eine Vereinbarung, die alle Atomtests, mit Ausnahme unterirdischer Versuche, untersagte. Fernerhin einigten sich die USA und die Sowjetunion darauf, keine Waffensysteme im All zu stationieren. 1969 nahmen die beiden Großmächte Gespräche über die Begrenzung strategischer Waffen (Strategic Arms Llimitation Talks, kurz SALT) auf. Diese Gespräche führten 1972, 1974 und 1979 zu Vereinbarungen über die Beschränkung von Raketen und Raketenstützpunkten.
Im Mai 1972 besuchte der amerikanische Präsident Richard Nixon die Sowjetunion. Dabei wurden verschiedene Vereinbarungen getroffen, so etwa zur Kooperation in Wissenschaft, Technik und Raumfahrt sowie zur Rüstungsbegrenzung. Nach 1975 kamen die SALT-Verhandlungen aufgrund des sowjetischen Engagements in Angola und anderen afrikanischen Staaten sowie in den arabischen Ländern zunächst ins Stocken. Dennoch kamen die SALT-Verhandlungen im Mai 1979 zu einem neuen Ergebnis, und im Juni 1979 unterzeichneten Breschnew und der amerikanische Präsident Jimmy Carter während eines Treffens in Wien das SALT II-Abkommen. Die Ratifikation des Abkommens allerdings lehnte der amerikanische Kongress nach der sowjetischen Intervention in Afghanistan im Dezember 1979 ab. Anfang der achtziger Jahre verschlechterten sich die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und den USA. Die Vereinigten Staaten verurteilten neben dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan auch die Rolle, die die UdSSR bei der Unterdrückung der unabhängigen Gewerkschaftsbewegung in Polen spielte, sowie den Abschuss eines zivilen koreanischen Flugzeuges im sowjetischen Luftraum im September 1983.
Im November 1982 starb Breschnew. Sein Nachfolger als Generalsekretär und Staatspräsident wurde Jurij W. Andropow. Er starb im Februar 1984 nach langer Krankheit. Auf den Nachfolger Andropows, Konstantin Tschernenko, der nach nur dreizehnmonatiger Amtszeit starb, folgte im März 1985 Michail Gorbatschow.
Nachdem Gorbatschow seine Macht durch verschiedene Personalwechsel im Politbüro gefestigt hatte, leitete er mit Perestroika (russisch: „Umbau”) und Glasnost (russisch: „Offenheit”) ein Gesellschaft, Wirtschaft und Staat umfassendes Reformprogramm ein. Auf einem Parteitag der KPdSU Ende Juni 1988 schlug Gorbatschow verschiedene Verfassungsreformen vor: Er forderte eine Machtverschiebung zugunsten vom Volk gewählter Gesetzgebungsorgane, Neuorientierung im Bereich der Wirtschaftsplanung und einen deutlichen Machtzuwachs für den Ministerpräsidenten. Drei Monate später trat Andreij A. Gromyko, seit 1985 Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjet, zurück; Gorbatschow übernahm das Amt des Staatspräsidenten. Im März 1989 fand in der Sowjetunion die erste landesweite Wahl zum Kongress der Volksdeputierten seit 1917 statt. Der Kongress trat im Mai 1989 zusammen, konstituierte den Obersten Sowjet und wählte 1990 Gorbatschow für fünf Jahre zum Präsidenten mit weit reichenden Vollmachten. Ebenfalls 1990 verzichtete die KPdSU auf ihr Führungsmonopol.
Im April 1988 wurde ein Abkommen über den sowjetischen Rückzug aus Afghanistan geschlossen. Aus den offiziellen Statistiken, die im Mai 1988 veröffentlicht wurden, ging hervor, dass seit 1979 bei den Kämpfen in Afghanistan 13 310 sowjetische Soldaten getötet und weitere 35 478 verletzt worden waren. Der Abzug der sowjetischen Truppen war im Februar 1989 abgeschlossen. Zwischen 1985 und 1991 gab es mehrere Gipfeltreffen zwischen Gorbatschow und den amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan und George Bush. Bei einem Treffen mit Reagan in der isländischen Hauptstadt Reykjavík im Oktober 1986 machten beiden Seiten umfassende Neuvorschläge zur Abrüstung. Die Verhandlungen wurden jedoch abgebrochen, als Gorbatschow darauf bestand, dass die USA ihre Forschungen für das Raketenabwehrsystem SDI beenden solle. Im Dezember 1987 wurde ein beiderseitiger Abbau von Mittelstreckenraketen und Kurzstreckenwaffen beschlossen. Im Mai 1990 unterzeichneten Gorbatschow und Bush einen Vertrag über einen Produktionsstopp für chemische Waffen, im Juli 1991 einen Vertrag zur Beschränkung strategischer Kernwaffen. Auch Gorbatschows weitere außenpolitische Initiativen waren bemerkenswert: Im Dezember 1988 kündigte er auf der UN-Vollversammlung die einseitige Abrüstung konventioneller Waffensysteme an. Bei seinem Besuch in Peking im Mai 1989 kamen China und die UdSSR überein, nach 30 Jahren der Konfrontation wieder normale Beziehungen aufzunehmen. Bei einem Treffen mit Papst Johannes Paul II. in Rom kündigte Gorbatschow an, den Bürgern der Sowjetunion volle Religionsfreiheit zu gewähren; außerdem verständigten sich die UdSSR und der Vatikan darauf, diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Auch die Beziehungen zu Israel verbesserten sich, da die UdSSR die Auswanderungsbestimmungen für sowjetische Juden lockerte. Ab dem August 1990, als die Spannungen am Persischen Golf zunahmen (siehe Golfkrieg), unterstützte die Sowjetunion die von den Vereinigten Staaten bestimmte Politik, den Irak durch wirtschaftlichen und militärischen Druck zur Aufgabe Kuwaits zu zwingen.
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