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Meistersinger

Enzyklopädieartikel

Meistersinger, meist in Städten sesshafte, bürgerliche Dichter-Handwerker des 15. und 16. Jahrhunderts, die sich in Singschulen organisierten. Vorläufer der Meistersinger waren die fahrenden Spruchdichter des 13. und 14. Jahrhunderts, die sich als „Meister” bezeichneten. Die erste Meistersängerschule entstand zu Beginn des 14. Jahrhunderts in Mainz unter Mitwirkung von Heinrich von Meißen, zugleich einem der letzten Minnesänger. Es folgten weitere Schulen u. a. in Nürnberg, Ulm, Regensburg, Augsburg, Prag, Breslau und Danzig. Zu den bekanntesten Meistersingern zählt der Schuhmacher Hans Sachs aus Nürnberg, der eine große Zahl von Theaterstücken, Liedern und Prosawerken schuf. Weitere herausragende Meister waren Hans Folz und Hans Rosenplüt. Die Meistersinger, die ihr Werk als Konkurrenz zur höfischen Musik sahen, waren zunftmäßig streng hierarchisch organisiert: Auf der untersten Stufe stand der „Singer”, der lediglich mit den Regeln der Komposition vertraut war. Der „Sänger” oder „Dichter” verfasste eigene Texte auf bestehende Melodien, als „Meister” galt der Schöpfer eines neuen Tones (d. h. Text und Melodie). Die „Merker” als künstlerische Zensoren standen an der Spitze dieser Hierarchie. Die Kunst der Meistersinger war streng reglementiert in der so genannten Tabulatur. Die vom Minnesang übernommene dreiteilige Form basierte auf achtsilbigen Versen, die zwei Takten entsprachen. Obwohl die Meistersinger im Leben des mittelalterlichen Bürgertums eine große Rolle spielten, war ihnen kein dauerhafter musikalischer und literarischer Erfolg beschieden. Ihnen kam jedoch entscheidende Bedeutung bei der Überlieferung von Volksliedern zu, z. B. im Lochamer-Liederbuch (um 1450). Ende des 16. Jahrhunderts kam die Meistersingerei allmählich zum Erliegen, doch die letzte Schule in Nürnberg hatte als Anachronismus bis 1770 Bestand. Von Albert Lortzing stammt das Singspiel Hans Sachs (1840), die Oper Die Meistersinger von Nürnberg (1868) von Richard Wagner handelt von einem Wettstreit der Meistersinger in einer mittelalterlichen Stadt. Der deutsche Komponist Georg Christoph Wagenseil beschäftigte sich intensiv mit der Geschichte der Meistersingerei und veröffentlichte dazu seine Schrift Von der Meistersänger holdseliger Kunst (1697).

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