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Sir John Franklin

Enzyklopädieartikel
Artikelgliederung
1

Einleitung

Sir John Franklin (1786-1847), britischer Schiffsoffizier, Kolonialbeamter und Erforscher der Arktis; die Suche nach der verschollenen Expedition Franklins führte schließlich zur Entdeckung der Nordwestpassage.

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Frühe Expeditionen

Franklin wurde in Spilsby (Lincolnshire, England) geboren. Er nahm während der Napoleonischen Kriege an den Schlachten von Kopenhagen 1801 und Trafalgar 1805 teil. 1818 erhielt er das Kommando über die Trent und unternahm von Svalbard (Spitzbergen) aus einen vergeblichen Versuch, den Nordpol zu erreichen. Von 1819 bis 1822 leitete er eine Überlandexpedition (unter ihren Mitgliedern befand sich auch George Back), die den Auftrag hatte, die Nordküste Kanadas östlich der Mündung des Coppermine-Flusses zu erforschen. Sie erkundeten 320 Kilometer der Küstenlinie, doch Franklin verzögerte die Rückkehr so lange, bis die Nahrungsreserven aufgebraucht waren und elf Männer durch Entkräftung oder Selbstmord starben, ehe sie gerettet werden konnten. Franklin und seine Offizierskollegen beteiligten sich weder am Tragen des Proviants noch an der Jagd, was häufig bei den Expeditionen der Royal Navy zu Katastrophen führte. Als sie nach England zurückkehrten, wurden ihre Entbehrungen und Leiden jedoch als heroische Taten und Franklin als großer Expeditionsleiter gefeiert.

In einer weiteren Arktis-Expedition (1825-1827) gelang es Franklin, entlang der nordamerikanischen Küste von der Mündung des Mackenzie im Nordwesten Kanadas nach Westen bis zur Prudhoe Bay im Nordosten Alaskas vorzustoßen. 1829 wurde er in England zum Ritter geschlagen und erhielt die Goldmedaille der Geographischen Gesellschaft von Paris. Von 1836 bis 1843 war er Vizegouverneur von Van Diemen’s Land (dem heutigen Tasmanien), wo er ein College und eine wissenschaftliche Gesellschaft gründete.

3

Die Expedition von 1845

Im Jahr 1845 wurde er zum Leiter einer Expedition ernannt, welche die Nordwestpassage entdecken sollte. Nach dieser weitgehend eisfreien Schiffsverbindung zwischen Atlantik und Pazifik, die durch die zahlreichen Kanada im Norden vorgelagerten Inseln führen sollte, wurde bereits seit dem 16. Jahrhundert immer wieder gesucht, jedoch bisher stets ohne Erfolg. Die von Sir Franklin geleitete Expedition bestand aus den Schiffen Erebus und Terror (die bereits an der Antarktis-Expedition von James Clark Ross teilgenommen hatten) mit insgesamt 138 Mann Besatzung. Zuletzt wurden die Schiffe am 26. Juli 1845 von einem Walfänger im Lancaster Sound gesehen, einer Meeresstraße zwischen der Baffin-Insel und der nördlich davon gelegenen Devon-Insel (westlich der Baffinbai).

Zwischen 1848 und 1859 wurden zahlreiche Suchexpeditionen zur Arktis entsandt, um die vermissten Schiffe und Lebenszeichen der Expeditionsmitglieder zu finden. Gemeinsam gelang ihnen eine Kartierung der noch unbekannten arktischen Küstenlinie Kanadas und des größten Teiles der Inseln, an denen die Nordwestpassage vorbeiführte. Robert McClure und seine Mannschaft schafften es schließlich als Erste, die Passage von Westen nach Osten zu durchqueren, wobei sie zuletzt Schlitten benutzen mussten.

Auf einer Überlandexpedition 1854 erhielt John Rae an der Pelly Bay (im Nordwesten Kanadas) von Inuit die Nachricht, dass wenige Jahre zuvor, an der Küste weiter im Westen, eine große Anzahl von Männern umgekommen war. Dabei sei es wegen des drohenden Hungertodes teilweise auch zu Kannibalismus gekommen. Zusammen mit einigen persönlichen Gegenständen, darunter silbernem Essbesteck und einem kleinen Teller mit Franklins Namen, war dies der endgültige Beweis für das Scheitern und das Schicksal der Expedition von 1845. Im Juli 1857 rüstete Franklins zweite Frau, Lady Jane Franklin, die Fox aus, deren Besatzung nach und nach eine stückweise Rekonstruktion jener unglücklichen Expedition gelang. Der Suchtrupp unter dem Kommando von Leopold McClintock erwarb von den Inuit auf der Boothia-Halbinsel (westlich der Pelly Bay) weitere Gegenstände der Mannschaft. Als einziges schriftliches Dokument wurde ein Blatt mit Aufzeichnungen in einem Hügelgrab am Victory Point auf King William Island (westlich Victoria Island) gefunden, das über Einzelheiten der Expedition bis zum 25. April 1848 berichtete.

Nach diesen Aufzeichnungen verbrachten die Männer den Winter 1845/46 auf Beechey Island, auf dem Weg nach Norden. Drei Mitglieder der Crew waren dort gestorben und auch begraben worden. 1846 hatten die Erebus und die Terror den Peel Sound (östlich der Prince of Wales Island) und die daran nach Süden anschließende Franklin-Straße in südlicher Richtung befahren, waren aber zwischen Victoria Island und der südöstlich gelegenen King William Island von Eis aufgehalten worden. Franklin wusste nicht, dass die Victoria-Straße immer mit Eis bedeckt war, und der einzige Weg um die Ostseite von King William Island führte. Die beiden Schiffe steckten ab September 1846 im Eis fest und waren am 22. April 1848 verlassen worden. Zu dieser Zeit zählten neun Offiziere und 15 Mannschaftsmitglieder zu den Opfern, darunter auch Franklin selbst, der am 11. Juni 1847 gestorben war.

Die Überlebenden verließen die Schiffe im April 1848, kamen aber offenbar bei ihrem Versuch, nach Süden zu ziehen, ums Leben. McClintock entdeckte Schlitten, auf denen Franklins Männer riesige Berge unwichtiger Güter gestapelt hatten, darunter Kochtöpfe aus Eisen und eine kleine Bibliothek mit religiösen Büchern – ein Zeichen dafür, dass die Mannschaft aufgrund von Skorbut nicht mehr bei klarem Verstand war. Außerdem fand man drei Skelette. Inuit aus der Gegend berichteten, dass die Expeditionsmitglieder einer nach dem anderen zusammengebrochen und vor Hunger gestorben seien; sie bestätigten auch die früheren Berichte über Kannibalismus. Zwischen 1878 und 1880 entdeckte eine US-Expedition das Wrack eines der Schiffe Franklins und noch mehr Skelette seiner Mannschaft.

In den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts fand ein kanadischer Anthropologe anhand der Gewebereste einiger der auf Beechey Island Begrabenen heraus, dass zu den Todesursachen auch die Vergiftung durch das Blei aus den Konservenbüchsen zählte. Trotz Franklins oft ungeschickter Führung und dem Scheitern der Expedition von 1845 sorgte doch die Suche nach den Verschollenen dafür, dass die nordamerikanische Arktis erforscht und kartiert sowie die Nordwestpassage entdeckt wurde – was ohne diesen Umstand noch viele Jahrzehnte länger gedauert hätte.

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