![]() |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse NominalismusEnzyklopädieartikel
Nominalismus (von lateinisch nomen: Name, Benennung), zur mittelalterlichen Scholastik gehörende Lehre, die den Abstraktionen oder Universalien keine Substanz oder essentielle Realität einräumt und nur die Existenz einzelner Objekte für unbestreitbar hält. Bei Universalien wie Tier, Nation, Schönheit oder Kreis handelt es sich dagegen nach Auffassung der Vertreter dieser Richtung um bloße Namen, daher der Titel Nominalismus. Der Name Kreis wird z. B. allen Dingen zugeordnet, die rund sind, und stellt daher eine allgemeine Bezeichnung dar, aber es gibt keine bestimmte Entität, für die ein eigenständiges Wesen der Rundheit existierte, das diesem Wort entspräche. Den Gegenpol des Nominalismus bildet der extreme Realismus, nach dem die Universalien bereits vor sowie unabhängig von den einzelnen Dingen bestehen. Der Nominalismus leitet sich von einer These des Aristoteles ab, der zufolge sich die gesamte Wirklichkeit aus einzelnen Dingen zusammensetzt. Dagegen beruft sich der extreme Realismus auf Platons Ideenlehre. Besonders scharfe Züge nahm die Kontroverse zwischen Nominalisten und Realisten ab dem späten 11. Jahrhundert unter der Federführung von Roscelin von Compiègne einerseits und Bernhard von Chartres sowie Wilhelm von Champeaux andererseits an, allesamt bedeutende Vertreter der Scholastik. Dabei ging es nicht nur um philosophische, sondern auch um theologische Fragen, da Roscelin behauptete, die Trinität (Vater, Sohn und Heiliger Geist), die in der traditionellen Theologie der Kirche eine einheitliche, göttliche Natur forme, könne gemäß den Gesetzen des Nominalismus nur aus drei getrennten Göttern bestehen. Die Kirche verurteilte als Reaktion auf diese tritheistische Lehre jede Form des Nominalismus. Auch für die Ethik zeigte die Position weit reichende Implikationen. Existiert nämlich keine allen Individuen gemeinsame Natur, so kann auch kein Naturgesetz für alle Menschen gelten. Handlungen sind dann nur deshalb moralisch richtig oder falsch, weil Gott sie erlaubt oder verbietet. Zwischen dem Nominalismus und dem Realismus bewegt sich der Konzeptualismus. Universalien existieren ihm zufolge als geistige Ideen oder Konzepte auch dann, wenn ihnen in der Realität keine Entität entspricht. Sie sind daher mehr als bloße Namen. Um Kompromisse bemüht sich auch der gemäßigte Realismus, der die Universalien im Geist ansiedelt, ihnen jedoch zugleich eine Verbindung zu den einzelnen Objekten unterstellt. Im 14. Jahrhundert übernahm es der englische Scholastiker William von Ockham, den Nominalismus zu verteidigen, und bereitete damit den Weg für verschiedene moderne nominalistische Ansätze. Hierzu zählen beispielsweise der Instrumentalismus, der Pragmatismus, die Semantik und der logische Positivismus.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |