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Windows Live® Suchergebnisse FabriksystemEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Historische Vorläufer; Entwicklung des Fabriksystems; Massenproduktion; Moderne Entwicklung; Arbeitsbedingungen in Fabriken; Reformen und Veränderungen; Fabriküberwachung
Fabriksystem, Arbeitsprozess, innerhalb dessen eine größere Zahl von gelernten und ungelernten Arbeitern in Arbeitsteilung zusammenarbeiten, um Waren und Güter in hohen Stückzahlen für den vorwiegend anonymen Markt herzustellen. Fabrik ist in historischer Sicht die vorherrschende Organisationsform des Industriebetriebes, der sich durch einen hohen Grad an Automatisierung und Mechanisierung auszeichnet. Der Kapitaleinsatz ist im Verhältnis zum Einsatz des Faktors Arbeit relativ hoch, so dass das Fabriksystem darauf angelegt ist, zu möglichst hohen Maschinenlaufzeiten zu gelangen. Um dies zu erreichen, wird die menschliche Arbeit den Produktionsabläufen angepasst, z. B. durch Schichtarbeit. Karl Marx grenzt in seinem Hauptwerk Das Kapital (1867-1894) die Fabrik von anderen historischen Produktionssystemen ab: „In Manufaktur und Handwerk bedient sich der Arbeiter des Werkzeugs, in der Fabrik dient er der Maschine. Dort geht von ihm die Bewegung zum Arbeitsmittel aus, dessen Bewegung er hier zu folgen hat. In der Manufaktur bilden die Arbeiter Glieder eines lebendigen Mechanismus. In der Fabrik existiert ein toter Mechanismus unabhängig von ihnen, und sie werden ihm als lebendige Anhängsel einverleibt.”
Die Töpferwerke der griechischen und römischen Antike sind bereits großbetriebliche Fertigungsstätten. In verschiedenen Teilen des Römischen Reiches wurden in Manufakturen Glasartikel, Bronzewaren und ähnliche Artikel für den Export und für den heimischen Gebrauch hergestellt. Im Mittelalter entstanden in den syrischen Städten Antakya und Tyros große Seidenspinnereien. In Europa wurden gegen Ende des Mittelalters Textilfabriken in verschiedenen Ländern gegründet, besonders in Italien, Flandern (heute Belgien), Frankreich und England. Während der Renaissance nahm der Bedarf an Fabrikwaren zu, bedingt durch den Fortschritt der Wissenschaften, die Eroberung der Neuen Welt und die Entstehung neuer Handelsrouten nach Fernost. In Westeuropa, insbesonders in England, entstanden im Verlauf des 16. und 17. Jahrhunderts viele großbetriebliche Organisationsformen, die als primäre Manufakturen bezeichnet werden, im Wesentlichen handelte es sich dabei um Bergbaubetriebe, Hütten- und Hammerwerke, Münzstätten und Salinen. Des Weiteren wurden Papier, Schusswaffen, Schießpulver, Gusseisen, Glas, Bekleidung, Bier und Seife hergestellt. Zwar setzten einige Werke Maschinen ein, die mit Wasserkraft betrieben wurden, doch im Allgemeinen wurde die Arbeit in Handarbeit und mit einfachen Werkzeugen erledigt. Im Gegensatz zu den modernen mechanisierten Werksanlagen mit Fließbändern waren Manufakturen Gewerbebetriebe, bei denen in der Regel nur bestimmte Teile der Produktion in einem Manufakturgebäude stattfanden. Manufakturen waren meist aber nicht der normale Produktionsort. Obwohl einige Arbeiter die Werkzeuge ihres Arbeitgebers nutzten und auf dem Werksgelände arbeiteten, erfolgte doch der größte Teil der Fertigung im Rahmen der Heimarbeit. Das heißt, die Arbeiter erhielten die Rohstoffe, verarbeiteten diese zu Hause, lieferten die fertigen Waren ab und wurden für ihre Arbeit bezahlt. Dieses Art der Produktionsorganisation nennt man Verlagssystem.
Das Fabriksystem, das schließlich die Heimarbeit ersetzte und zur kennzeichnenden Produktionsmethode in der modernen Volkswirtschaft wurde, begann sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu entwickeln. Damals veränderten eine Reihe von Erfindungen die englische Textilindustrie und markierten den Beginn der industriellen Revolution. Zu den wichtigsten Erfindungen gehörte das Flying Shuttle, das sich (1733) John Kay patentieren ließ, die Jenny-Spinnmaschine (Spinning Jenny, 1764) von James Hargreaves, der Wasserrahmen für das Spinnen (1769) von Sir Richard Arkwright, die Mule-Maschine (1779) von Samuel Crompton und der elektrische Webstuhl (1785) von Edmund Cartwright. Diese Erfindungen ermöglichten es, viele der handwerklichen Arbeiten, die beim Spinnen und Weben anfielen, zu mechanisieren. Dadurch konnten Textilien wesentlich schneller und billiger hergestellt werden. Viele der neuen Maschinen waren jedoch zu groß und zu teuer, um sie in Heimarbeit einzusetzen, so dass die Produktion in Fabriken verlegt wurde. Einer der wichtigsten technischen Neuerungen zu Beginn der industriellen Revolution war die Dampfmaschine. Als die Textilfabriken anfingen sich zu mechanisieren, konnten Maschinen nur mit Wasserkraft angetrieben werden. Nach 1785, als erstmals eine Dampfmaschine in einer Baumwollfabrik installiert wurde, ersetzte die Dampfkraft nach und nach die Wasserkraft als Energiequelle für neue Maschinen. Die Hersteller konnten die Fabriken näher am Arbeitskräftemarkt und den Warenmärkten bauen. Die Entwicklung der Dampflokomotive und des Dampfschiffes zu Beginn des 19. Jahrhunderts ermöglichte es, Fabrikwaren schneller und wirtschaftlicher zu entfernten Märkten zu transportieren, was wiederum die Industrialisierung vorantrieb.
Textilien, besonders Baumwollprodukte, waren die wichtigsten Industriegüter, die während des frühen 19. Jahrhunderts in Fabriken gefertigt wurden. Zwischenzeitlich wurden neue Maschinen und Techniken erfunden, durch die das Fabriksystem auch in anderen Wirtschaftsbereiche Eingang fand. Der amerikanische Erfinder Eli Whitney trieb durch die Erfindung der Cotton Gin (einer Baumwollentkörnungsmaschine) 1793 die Entwicklung der amerikanischen Textilindustrie voran. Einen genauso wichtigen, wenn nicht wichtigeren Beitrag zum Fabriksystem leistete er, indem er die Idee realisierte, austauschbare Teile bei der Herstellung von Schusswaffen zu verwenden. Diese austauschbaren Teile, mit denen Whitney 1798 zu experimentieren begann, ermöglichten schließlich die Herstellung von Schusswaffen durch Fließbandtechniken und nicht in Einzelfertigung. Sie ließen sich mit vorgefertigten Teilen auch schneller reparieren. Die Idee der austauschbaren Teile wurde etwa ab 1820 auf die Herstellung von Chronometern angewandt. Um 1850 wurden in Waltham im Bundesstaat Massachusetts erstmals automatische Maschinen eingesetzt, um Uhren in einzelnen Produktionsschritten innerhalb einer Fabrik herzustellen. So bildete sich Mitte des 19. Jahrhunderts in amerikanischen Fabriken ein herausragendes Merkmal des modernen Fabriksystems heraus, nämlich die Massenproduktion von normierten Gütern. Die Bekleidungsindustrie wurde durch die Erfindung der Nähmaschine revolutioniert, und sie expandierte in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts in großem Maß. Durch den hohen Bedarf an Uniformen während des Amerikanischen Bürgerkrieges entwickelten Bekleidungshersteller normierte Größen, eine Vorbedingung für die Massenproduktion von Konfektionsware. Zur gleichen Zeit regte der Bedarf an Schuhen für das Militär die Entstehung von Schuhnähmaschinen an, mit denen Schuhe als Massenprodukt gefertigt werden konnten. Der eigentliche Übergang zur Industriegesellschaft fand aber in einem Prozess statt, welchen Marx im Kapital so beschrieb: „Die große Industrie mußte sich also ihres charakteristischen Produktionsmittels, der Maschine selbst bemächtigen und Maschinen durch Maschinen produzieren. So erst schuf sie ihre adäquate technische Unterlage und stellte sich auf ihre eigenen Füße. Mit dem wachsenden Maschinenbetrieb in den ersten Dezennien des 19. Jahrhunderts bemächtigte sich die Maschinerie in der Tat allmählich der Fabrikation der Werkzeugmaschinen. Jedoch erst während der letztverfloßnen Dezennien riefen ungeheuerer Eisenbahnbau und ozeanische Dampfschiffahrt die zur Konstruktion von ersten Motoren angewandten Maschinen ins Leben.”
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