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Windows Live® Suchergebnisse SatireEnzyklopädieartikel
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Satire, literarische Form der Kritik an individuellen, gesellschaftlichen oder allgemeinmenschlichen Schwächen, oft in aggressiv-anklägerischer Weise. Die häufigsten Stilmittel der Satire sind die Ironie, die karikierende Überspitzung eines Sachverhalts und die Konstruktion sachfremder Zusammenhänge, in denen Vertrautes absurd erscheint. Die Satire ist stets an ihr soziohistorisches Umfeld gebunden und hat entsprechend immer neue Formen herausgebildet, von denen sich einige, wie die Literatursatire, gleichwohl als langlebig erwiesen haben. Der Begriff ist eine Eindeutschung des lateinischen satura, was ursprünglich so viel wie „Durcheinander” bedeutet, bereits damals aber als literarische Gattungsbezeichnung üblich war.
Im antiken Griechenland bildete die Satire keine nennenswerte Tradition heraus. Zu den wenigen Ausnahmen zählten die Schmähverse des Archilochos aus dem frühen 7. Jahrhundert v. Chr. Die Urform des griechischen satirischen Dramas waren die Komödien des Aristophanes aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. Als eigenständige Form wurde die Satire erst von den Römern entwickelt, beginnend mit Gaius Lucilius. Seine 30 satirischen Bücher in Versen enthielten kritisch-ironische Abhandlungen über unterschiedlichste Lebensbereiche. Im 3. Jahrhundert v. Chr. schrieb der griechische Philosoph Menippos seine später so genannten menippeischen Satiren. Der erste große Satiriker, dessen Werke Bestand hatten und späteren Schriftstellern als Vorbild dienten, war der Dichter Horaz. Er prangerte vorrangig sexuelle Exzesse und ungehobelte Umgangsformen an. Weit aggressiver fielen die 16 Satiren seines Zeitgenossen Juvenal aus, der die Laster der römischen Städter geißelte und ihnen die Ehrenhaftigkeit und Gelassenheit des Landlebens positiv entgegensetzte. Als Stoiker machte er sexuelle Ausschweifung, Betrug, Meineid, Diebstahl, Gefräßigkeit, Verschwendung, Geiz und Kriecherei zu bevorzugten Zielscheiben seiner Angriffe. Zudem verschaffte er sich den Ruf eines rigorosen Frauenfeindes. Martial, ein Freund Juvenals, war ein Meister des Epigramms. In 15 Büchern legte er eine Sammlung vernichtender Kommentare zu den Lebensumständen im „dekadenten” Rom vor. Martial gilt zudem als Begründer der literarischen Fehde als Mittel der Auseinandersetzung. Ebenfalls aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. stammt das Satyricon des Petronius Arbiter, in dem die Abenteuer zweier exemplarischer Vertreter der damaligen Gesellschaft geschildert werden. Der berühmteste Teil des nur als Fragment erhaltenen Textes ist das Gastmahl des Trimalchio, bei dem sich der Gastgeber vergeblich müht, aus einer obszönen Unterhaltung ein Gespräch über Philosophie und Literatur zu entwickeln. Um die Satire als spezifisch römische Literaturform zu charakterisieren, formulierte Quintilian den Satz „satura tota nostra est” („Die Satire ist ganz unser”; oder aber: „In der Satire sind wir allen anderen überlegen”).
Viele Formen der mittelalterlichen Literatur waren satirisch geprägt: das Fabliau, die Tierfabeln sowie die Traum-Allegorien vom Typ des Roman de la rose (Rosenroman) aus dem 13. Jahrhundert. In der französischen Allegorie zielt die Satire vornehmlich auf Frauen, Geistliche, Betrüger und die Vertreter einzelner Berufe bzw. Stände. Der englische Autor Geoffrey Chaucer vereinte im 14. Jahrhundert in den Canterbury Tales (Canterbury-Erzählungen) viele zeitgenössische Satireformen, darunter auch die im gesamten Mittelalter bedeutende Ständesatire. Sie richtete sich gegen die typischen Vertreter von Geistlichkeit, Adel und Bürgertum und fand im deutschen Sprachraum u. a. durch Heinrich von Melk und Hugo von Trimberg Verbreitung. Weitere Satiriker des deutschen Mittelalters waren Neidhart und Heinrich Wittenweiler; zum satirischen Forum avancierte das Fastnachtsspiel.
In der Renaissance setzte sich allmählich die Prosasatire gegenüber der gereimten Form durch. Als Meister dieser Gattung traten Sebastian Brant, François Rabelais, Erasmus von Rotterdam und der Spanier Miguel de Cervantes Saavedra hervor. Brant machte sich in Das Narrenschiff (1494) über das gesamte Spektrum menschlicher Schwächen lustig. Die in eine Narrendichtung gekleidete Zeitsatire gehörte seinerzeit zu den populärsten Literaturformen, auch das Volksbuch von Till Eulenspiegel (1515) ist ihr zuzurechnen (siehe Till Eulenspiegel). Erasmus wandte in seinem Encomium moriae (1509, Lob der Torheit) den Kunstgriff der verkehrten Perpektive an (gelobt wird das, was insgeheim verurteilt wird). Es war seinerzeit ein außerordentlicher Publikumserfolg und ist aufgrund seiner zeitlos gültigen Aussagen ein noch heute viel gelesenes Werk. Die von Hans Holbein dem Jüngeren stammenden Illustrationen des Originals unterstreichen in eindrucksvollen Bildern die Botschaft des Textes. Rabelais verfocht in seinen Romanen Pantagruel (1532) und Gargantua (1534) humanistische Ideale mit den Mitteln drastischer Komik und eigenwilliger Sprachschöpfungen. Cervantes’ ursprünglich als Satire über die seinerzeit grassierende Manie der Ritterromane begonnener Don Quijote (1605-1615) geriet schließlich zu einem lebendigen Panorama des zeitgenössischen Spanien und vereinte in bislang nicht gekannter Meisterschaft Gesellschafts- und Literatursatire, Abenteuerroman und philosophische Abhandlung. Im 17. Jahrhundert war die Satire in der englischen Literatur stark präsent, sowohl auf der Bühne in den Stücken Ben Jonsons als auch in den Verssatiren Samuel Butlers (1663-1678, Hudibras) und John Drydens (1681/82, Absalom and Achitophel). In Frankreich brillierte Molière mit noch heute häufig gespielten satirischen Dramen über exemplarische Typen der Gesellschaft: Heuchler (Tartuffe), Parvenüs, betrogene Ehemänner, Frauenhelden und „eingebildete Kranke”. Sein Zeitgenosse, der Kritiker Nicolas Boileau-Despréaux, verfasste zwölf Satires in Versen (begonnen 1660), in denen er den Verfall der öffentlichen und privaten Sitten beklagte.
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