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Tschechoslowakei, ehemaliger Staat in Mitteleuropa, der im Norden an Polen und Deutschland, im Osten an die Ukraine, im Süden an Ungarn und Österreich und im Westen an Deutschland grenzte. Die Tschechoslowakei wurde am 1. Januar 1993 aufgelöst. Aus ihr gingen die Slowakei und die Tschechische Republik als unabhängige nationale Staaten hervor.
Die Unabhängigkeit der Tschechoslowakei wurde am 28. Oktober 1918 unmittelbar nach Ende des 1. Weltkrieges (1914-1918) durch einen „Nationalausschuss” in Prag verkündet. Die Tschechoslowakei war ursprünglich aus verwaltungstechnischen Gründen in zwei Teilrepubliken, die Tschechische Sozialistische Republik und die Slowakische Sozialistische Republik, sowie in zehn Verwaltungsbezirke und zwei unabhängige Städte, Prag und Bratislava (Preßburg), gegliedert. Prag war die Hauptstadt der Tschechoslowakei und ist heute die Hauptstadt der Tschechischen Republik. Präsident, Ministerpräsident und Kabinett bildeten die Exekutive der Regierung. Organ der Legislative war die Bundesversammlung, bestehend aus zwei Kammern. Ein Oberstes Gericht und eine Reihe untergeordneter Gerichte bildeten zusammen die Judisdiktion. 1990 ließ die Republik andere Parteien zu, nachdem zuvor die marxistisch-leninistisch ausgerichtete Kommunistische Partei die ganze Macht für sich beansprucht hatte. Die beiden Republiken hatten ihre eigene Legislative und eigene Exekutivorgane unter Vorsitz eines Ministerpräsidenten und eines Kabinetts. Verteidigung sowie Außen- und Wirtschaftspolitik lagen in der Machtbefugnis der Bundesregierung. Bildung, Wissenschaft und Kultur jedoch waren Angelegenheiten der Republiken. Seit 1955 unterstanden die Streitkräfte des Landes entsprechend den im Warschauer Pakt getroffenen Vereinbarungen dem Kommando der Sowjetunion. 1991 wurden alle sowjetischen Truppen aus der Tschechoslowakei abgezogen.
Während des 1. Weltkrieges bildeten die tschechischen Nationalistenführer Tomáš Garrigue Masaryk und Edvard Beneš eine provisorische Regierung für eine tschechoslowakische Republik, die Tschechen und Slowaken in einem Staat vereinen sollte. Dabei wurden sie von slowakischen Politikern, darunter Milan Štefánik, unterstützt. Die provisorische Regierung wurde am 18. Oktober 1918 in Prag offiziell ausgerufen. Die neue Republik umfasste die ehemals österreich-ungarischen Gebiete Böhmen und Mähren, Teile Schlesiens, die Slowakei und Karpaten-Russland.
Die Tschechoslowakei war eine demokratische Republik mit parlamentarischer Regierungsform, allgemeinem Wahlrecht und garantierten Menschenrechten. Die Erste Republik (1918-1938) hatte zwei herausragende Präsidenten: den betagten Masaryk und seinen jüngeren Kollegen Beneš. Obwohl eine Vielzahl von Parteien um die Macht rang, gelang nach dem 1. Weltkrieg eine stabile Regierungspolitik. Während dieser Periode wurde die Tschechoslowakei zumeist von einer Koalition aus den fünf großen Parteien, angeführt von der Agrarpartei, regiert. Parteien der extremen Rechten oder Linken gewannen zunächst keine politische Macht. Die großen territorialen Zugewinne sowie seine Industrieregionen machten die Tschechoslowakei zu einem verhältnismäßig reichen Land. Eine stabile Währung und ein wirksames Programm zur Neuverteilung des Landes halfen bei der Überwindung der Weltwirtschaftskrise, die 1929 auch die Tschechoslowakei erschütterte.
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