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    Justinian (lat.: Iustinianus) ist der Name folgender Personen: Justinian I. (527–565), oströmischer Kaiser; Justinian II. (685–695 und 705–711), byzantinischer Kaiser ...

  • Justinian I. – Wikipedia

    Flavius Petrus Sabbatius Iustinianus (griechisch   Ἰουστινιανός, * ca. 482 in Tauresium bei Justiniana Prima [Lage umstritten]; † 14.

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Justinian I., der Große

Enzyklopädieartikel
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Am Hof von Justinian I.Am Hof von Justinian I.
Artikelgliederung
1

Einleitung

Justinian I., der Große, eigentlich Flavius Petrus Sabbatius, (482-565), römischer Kaiser (527-565). Ihm gelang es, weite Teile des römischen Reiches noch einmal unter einer Herrschaft zu vereinen, und er initiierte die für die europäische Rechtsgeschichte grundlegende Sammlung des römischen Rechts im Corpus Iuris Civilis.

Justinian wurde 482 in Tauresium (in der Nähe des heutigen Skopje) als Sohn eines Bauern geboren. Schon früh holte ihn sein Onkel, der spätere Kaiser Justin (518-527), nach Konstantinopel (heute Istanbul), in die Hauptstadt des oströmisch-byzantinischen Reiches, adoptierte ihn unter dem Namen Justinian und ließ ihm eine umfassende Ausbildung zukommen. Nach Justins Erhebung zum Kaiser 518 fungierte Justinian als dessen einflussreichster Berater, und am 1. April 527 wurden er und seine Gemahlin Theodora von Justin zu Mitregenten und Augusti erhoben. Mit Theodora, einer ehemaligen Schauspielerin, war Justinian seit etwa 525 verheiratet, seit der von Justin durchgesetzten Aufhebung des Eheverbotes zwischen Standespersonen und Schauspielern. Bis zu ihrem Tod 548 war Theodora Mitregentin Justinians und hatte als solche großen Einfluss auf alle Bereiche der kaiserlichen Politik.

Nach Justins Tod am 1. August 527 übernahmen Justinian und Theodora die Herrschaft im oströmisch-byzantinischen Reich.

2

Eroberungskriege

Übergeordnetes Ziel Justinians war die Wiederherstellung des Römischen Reiches und seine Umwandlung in eine orthodox-christliche Einheit, d. h. die Rückgewinnung des an zumeist arianische Germanen gegangenen Westteils des Reiches und der Kampf gegen Heidentum und alle Abweichungen vom orthodoxen christlichen Glauben, insbesondere den Monophysitismus.

Nachdem der Osten des Reiches weitgehend gesichert war – 532 wurde der seit Jahren andauernde Krieg gegen das Perserreich mit einem Friedensschluss beendet –, wandte sich Justinian dem Westen zu: 533/534 besiegte Justinians Feldherr Belisar die Wandalen in Nordafrika, und ab 535 bekämpfte er die Ostgoten in Italien, zunächst jedoch ohne durchschlagenden Erfolg. 540 musste der Krieg im Westen abgebrochen werden, da sowohl Perser als auch an der unteren Donau Germanen sowie Slawen erneut den Osten des Reiches bedrohten. Der Krieg im Osten zog sich mit Unterbrechungen bis 561 hin und endete mit einigen Gebietesgewinnen, hatte aber auch erhöhte Tributzahlungen an das Perserreich zur Folge.

Unterdessen wurde ab 544 unter der Führung von Belisar und nach dessen Ablösung unter dem Oberbefehl von Narses der Krieg in Italien fortgesetzt, und um 555 hatten Justinians Truppen ganz Italien besetzt. Bereits im Jahr zuvor waren die Westgoten in Spanien besiegt und der Südosten der Halbinsel zurückerobert worden. Mit Ausnahme Galliens und der Mitte und des Nordens von Spanien waren nun weite Teile des ehemaligen römischen Staatsgebietes im Mittelmeerraum wieder dem Reich eingegliedert; ein Großteil der Rückeroberungen ging jedoch bald nach Justinians Tod wieder verloren. Justinian hatte im Übrigen an keinem der großen Feldzüge persönlich teilgenommen, hielt sich vielmehr die meiste Zeit in Konstantinopel auf.

3

Kirchen- und Innenpolitik

Neben der Eroberungspolitik war von Beginn seiner Regierungszeit an die Kirchenpolitik Justinans Hauptanliegen. Er, der sich als Herrscher von Gottes Gnaden und als Oberherr der Kirche verstand, suchte möglichst alle Bereiche der Kirchenpolitik zu bestimmen, sei es durch zahllose Schreiben an Bischöfe und Päpste sowie diverse eigene theologische Schriften, sei es durch massive Einflussnahme auf die Besetzung kirchlicher Ämter oder Entscheidungen in dogmatischen Auseinandersetzungen. Eines seiner vordringlichen Ziele in der Religionspolitik, die Unterdrückung des besonders im Osten des Reiches verbreiteten Monophysitismus, konnte Justinian allerdings nicht verwirklichen: Weder der Kampf gegen, noch die Annäherung an die Monophysiten brachten ein ihn zufrieden stellendes Ergebnis. Eine weitere dogmatische Auseinandersetzung, den so genannten Dreikapitelstreit, beendete Justinian 553 durch die Einberufung des 2. Konzils von Konstantinopel und die Verurteilung der fraglichen Schriften; beides wurde erst im Nachhinein vom Papst gebilligt. Ebenso intensiv wie alle Abweichler vom orthodoxen Glauben verfolgte Justinian die noch vorhandenen Reste des Heidentums, so ließ er z. B. schon 529 die philosophische Akademie in Athen schließen.

Sowohl Eroberungs- wie Kirchenpolitik erforderten eine gut organisierte, machtvolle Zentralgewalt. Die dahin gehenden Reformversuche, wie etwa die Straffung der Verwaltung, blieben allerdings zum Teil in den Ansätzen stecken. Die Reformen und vor allem die absolutistische Herrschaftsweise des Kaisers provozierten aber auch vermehrt Widerstand, der sich schließlich 532 in einer Revolte, dem Nika-Aufstand, entlud. Der Aufstand wurde u. a. dank Theodoras geistesgegenwärtigen Handelns brutal niedergeschlagen. Weitere Ursachen für die inneren Unruhen, die während Justinians Regierungszeit immer wieder aufflammten, waren die religionspolitischen Auseinandersetzungen sowie die immensen finanziellen Belastungen, die aus den kostspieligen Feldzügen resultierten.

Die bedeutendste und bis heute nachwirkende Leistung Justinians war die Kodifizierung des römischen Rechts, die natürlich auch unter dem Vorzeichen der Zentralisierung eines wiederhergestellten Römischen Reiches stand: Ab 528 ließ Justinian von einer Kommission unter der Leitung seines engen Vertrauten und späteren „Justizministers” Tribonianus das damals geltende römische Recht sowie römische juristische Schriften im Corpus Iuris Civilis zusammentragen und systematisieren. Dessen wichtigster Teil, der Codex Justinianus, versammelte die römische Gesetzgebung seit Kaiser Hadrian und wurde durch die Novellae, neu erlassene Gesetze, immer auf dem aktuellsten Stand gehalten.

Ebenfalls bis heute erhalten haben sich einige Zeugnisse der reichen Bautätigkeit Justinians, allen voran die Hagia Sophia in Konstantinopel. Die umfassendste Quelle zu Justinian sind die Werke des byzantinischen Geschichtsschreibers Prokopios, der teils schmeichlerisch (in den Aedifica über Justinians Bauten), teils durchaus kritisch (in der Historia arcana) über den Kaiser berichtet.

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