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Ode (von griechisch aeídin: singen), feierliches, oftmals weihevoll-erhabenes, dabei immer aber auch distanziert formstrenges lyrisches Gedicht. In einigen Ausprägungen ist es mit dem Hymnus verwandt. Ursprünglich waren Oden Gesänge des Chors im griechischen Drama mit strengem Strophenbau, die zu instrumentaler Begleitung vorgetragen wurden. Vom Lied in seiner heutigen Form unterscheidet sich die Ode durch ihr oftmals direkt angesprochenes Gegenüber (das implizierte „Du”). Vorformen der Ode sind die Psalmgesänge Davids.
Die wichtigsten Versmaße der Ode sind die alkäische Strophe (zwei elfsilbige, eine neunsilbige und eine zehnsilbige Zeile), ferner die asklepiadische und die sapphische Strophe (drei elfsilbige Zeilen und ein Adoneus). Diese klassischen Versmaße wurden im Lauf der Zeit häufig variiert. In individueller Ausprägung besteht das Grundmuster der Ode aus Strophe, Gegenstrophe und Nachstrophe (Epode), die meist auch einer thematischen Zäsur entsprechen. Strophe und Gegenstrophe weisen ein identisches Versmaß auf, von dem die Epode sich abhebt. Siehe auch Verslehre.
Bereits in der griechischen Antike entwickelte sich aus dem Chorgesang des Dramas die Ode als Einzelgesang. Als eigenständige Dichtung trat sie u. a. bei Sappho und Alkaios in Erscheinung, der als der herausragende Repräsentant gilt. Pindar, dessen Oden sich durch einen besonders getragenen Stil auszeichnen, verfasste neben anderen 45 Siegesoden für die Olympischen Spiele. Die Tradition der Gattung wurde von den römischen Dichtern Horaz und Catull fortgeführt. Horaz, der bedeutendere der beiden, griff die von Alkaios geprägte Form auf und entwickelte hieraus einen virtuosen persönlichen Stil.
Die moderne Form der Odendichtung hat ihren Ursprung in Renaissance und Barock. Der französische Dichter Pierre de Ronsard verfasste Oden im pindarischen und horazischen Stil, in England traten Edmund Spenser, Ben Jonson, Andrew Marvell und John Milton mit Odendichtungen hervor, später John Dryden und Alexander Pope. In Deutschland wurde die Gedichtform durch Martin Opitz heimisch, gefolgt von Alexander Gryphius und Paul Fleming. Zur Meisterschaft führte sie erst Friedrich Gottlieb Klopstock, der in seinen 1771 erschienenen Oden (Die Frühlingsfeier, An meine Freunde) Freundschaft, Liebe und Vaterland besang (teilweise mit konkretem biographischen Bezug zu Ehegattin und Geliebter). Im Sturm und Drang (etwa beim jungen Goethe und bei Schiller) wurde diese Tradition aufgegriffen. Mit Friedrich Hölderlin erreicht die Ode nochmals einen Höhepunkt in der deutschen Dichtung und lebt fortan nur noch vereinzelt auf, wie bei August von Platen und später bei Rudolf Alexander Schröder und Rudolf Borchardt. Im Zuge eines Neuen Pathos belebte der literarische Expressionismus in Deutschland, namentlich Johannes R. Becher, Franz Werfel und Walter Hasenclever die Form neu. Unter den neueren deutschen Autoren ragt Johannes Bobrowski als Odendichter heraus. Der Dichtungstyp der Ode war seit dem Barock in ganz Europa verbreitet und war besonders reichhaltig in England repräsentiert. Die romantischen Dichter Percy Bysshe Shelley und John Keats schufen einige der vollendetsten Beispiele, wie Ode to the West Wind (Ode an den Westwind) und Ode on a Grecian Urn (Ode an eine griechische Urne). Ein kurioses Beispiel der Ode verfasste der Schotte Robert Burns. Seine Ode to the haggis wird jährlich zum Gedächtnis des Dichters in der Burns night verlesen. Die einzige umfangreiche moderne Odendichtung von Rang legte W. H. Auden vor.
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