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Windows Live® Suchergebnisse Austronesische SprachenEnzyklopädieartikel
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Austronesische Sprachen, weltweit eine der größten Sprachfamilien sowohl hinsichtlich der Anzahl der Sprachen (etwa 500) als auch hinsichtlich der geographischen Verbreitung (von Madagaskar im Westen bis zur Osterinsel im Osten). Vor der Erforschung der auf Taiwan gesprochenen Formosasprachen waren die austronesischen Sprachen als malaiopolynesische Sprachen bekannt. Die australischen und ein Großteil der auf Neuguinea gesprochenen Sprachen gehören diesem Sprachstamm nicht an. Heute wird allgemein angenommen, dass die austronesischen Sprachen aus dem indonesischen Raum oder aus der Gegend um Neuguinea stammen und sich von dort vor etwa 2 000 bis 3 000 Jahren nach Osten und Westen über Ozeanien ausbreiteten.
Die austronesischen Sprachen teilen sich in den westlichen (indonesischen) und den östlichen (ozeanischen) Zweig. Die mehr als 200 Sprachen des Westaustronesischen werden von etwa 170 Millionen Sprechern in Westindonesien, auf den Philippinen, in Malaysia, auf Madagaskar und in Teilen von Vietnam und Kambodscha gesprochen. Die vier wichtigsten westaustronesischen Sprachen sind Malaysisch, Indonesisch (beide Sprachen sind Formen des Malaiischen), Javanisch und Filipino (früher Tagalog). Das Ozeanische, der östliche Zweig, besteht aus etwa 300 Sprachen, die von etwa zwei Millionen Sprechern auf über den ganzen Pazifik verstreuten Inseln gesprochen werden. Das Ozeanische wird in drei Gruppen unterteilt: Polynesisch, Mikronesisch und Melanesisch. Die meisten der etwa 30 polynesischen Sprachen werden in einem riesigen Dreieck, das von der Osterinsel im Osten, von Hawaii im Norden und von Neuseeland im Süden begrenzt wird, gesprochen. Zu den bekannteren Sprachen des Polynesischen zählen Samoanisch, Fidschianisch, Maori (auf Neuseeland) und Hawaiisch. Grammatikalisch und phonologisch gesehen, nicht jedoch im Vokabular, sind diese Sprachen erstaunlich einheitlich. Sie haben die gleichen Vokalsysteme und wenig Konsonanten. In diesen Sprachen hat sich eine reichhaltige, mündlich tradierte Literatur entwickelt. Die etwa 200 melanesischen Sprachen werden auf einer Inselkette gesprochen, die sich von Neuguinea ostwärts bis zu den Fidschi-Inseln erstreckt. Sie sind äußerst unterschiedlich und werden eher aufgrund der Geographie als aufgrund von linguistischen Gemeinsamkeiten in einer Gruppe erfasst. Viele melanesische Sprachen weisen bedeutende Abweichungen vom Konstrukt eines Proto-Ozeanischen auf. Die auf Neuguinea gesprochenen Sprachen sind von nicht austronesischen Papuasprachen beeinflusst. Die neun mikronesischen Sprachen werden auf nördlich von Melanesien verstreut liegenden Inseln zwischen den Philippinen und Polynesien gesprochen. Die sieben am engsten verwandten Sprachen bilden eine Untergruppe, die als Kernmikronesisch bezeichnet wird. Diese Gruppe ist jedoch in sich heterogener als das Polynesische.
Die austronesischen Sprachen setzen in der Regel Affixe (Beifügungen am Wortende, in der Wortmitte und am Wortanfang) ein, die die Bedeutung des Wortstammes verändern oder die Funktion des Wortes im Satzganzen bezeichnen. In einigen Sprachen, vor allem in Polynesien, sind die Affixe zu unabhängigen Bausteinen geworden, die beim Wortstamm platziert werden. Die Wortstämme selbst sind oft zweisilbig. Durch Verdoppelung wird der Plural gebildet oder andere Bedeutungsänderungen bezeichnet. So bedeutet rumah auf malaiisch „Haus” und rumah-rumah „Häuser”. Die Verbal- und Nominalsysteme sind häufig außerordentlich komplex; in dem auf den Philippinen gesprochenen Pilipino gibt es beispielsweise drei Passivformen der Tätigkeitswörter. Als besonders leicht erlernbar gilt hingegen das Malaiische, da es sowohl von der Lautstruktur als auch von der Grammatik her einfach gebaut ist. Ähnlich wie das Chinesische ist das Malaiische beinahe eine isolierende Sprache: Die Substantive weisen keine Affixe zur Markierung von Kasus, Numerus und Genus auf, die Verben werden nicht nach Modus und Tempus konjugiert; es gibt auch keine Adjektivdeklination. Die Grundbedeutung von Nomen und Verben kann aber durch Affixe modifiziert werden. Im Gegensatz zum Chinesischen ist das Malaiische jedoch keine Tonsprache. Bereits vor der Ankunft der europäischen Kolonisatoren war das Malaiische als Verkehrs- und Handelssprache in weiten Teilen des südostasiatischen Großraums weit verbreitet. Im Javanischen und in einigen anderen Sprachen gibt es eigene Redeformen für bestimmte gesellschaftliche Situationen. Malaiopolynesische Sprachen werden entweder mit Hilfe des lateinischen Alphabets oder Schrift indischer bzw. arabischer Herkunft geschrieben. Im Deutschen gebräuchliche Wörter, die den austronesischen Sprachen entstammen, sind u. a. Tabu, Tattoo (engl.: Tätowierung) und Ukelele (aus dem Polynesischen); Orang-Utan, Amok, Gingham und Kapok (aus dem Malaiischen) sowie Batik und Junkie (aus dem Javanischen). Viele austronesische Sprachen waren auch fremden Einflüssen ausgesetzt, sowohl aus Asien als auch aus Europa. Mit der Verbreitung des Hinduismus auf Java, Sumatra und Borneo im 1. Jahrhundert n. Chr. drangen auch sprachliche Elemente vom indischen Subkontinent ein, wie eine große Zahl Lehnwörter aus dem Sanskrit belegt. Auch die Ausweitung des Islam hinterließ deutliche Spuren des Arabischen in manchen austronesischen Sprachen. In jüngerer Zeit wurde der Wortschatz auch durch das Vordringen europäischer Kolonialmächte erheblich geprägt und bereichert.
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