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    Als Indianerkriege wird die Unterwerfung der Indianer Nordamerikas durch die weißen Siedler bezeichnet, die im Wesentlichen zwischen dem 16. und dem 19.

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Indianerkriege

Enzyklopädieartikel
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Robert Lindneux: Trail of TearsRobert Lindneux: Trail of Tears
Artikelgliederung
1

Einleitung

Indianerkriege, Bezeichnung für die Kriege zwischen den Indianern auf dem Gebiet der heutigen USA und den weißen Europäern zur Zeit der Eroberung und der Besiedelung Nordamerikas durch die Weißen.

2

Kolonialzeit

Die ersten Begegnungen zwischen europäischen Siedlern und Indianern waren größtenteils friedlich, und die ersten wichtigen Beziehungen liefen über den Handel. Spannungen und Streitigkeiten wurden gelegentlich mit Gewalt gelöst, meist aber durch Verhandlungen und Verträge, wie z. B. den Vertrag zwischen Massasoit, dem Häuptling der Wampanoag, und der englischen Kolonie Plymouth von 1621. Bis 1637 lebten die Indianer und die Siedler in Neuengland relativ friedlich miteinander. Dann führte der Krieg gegen die Pequot zur fast vollständigen Vernichtung dieses Stammes. Die Ursachen dieses Krieges sowie des Krieges zwischen den Engländern und den Narragansett (1643-1645) wie auch des so genannten King Philip’s War (1675-1676; siehe Metacomet) waren komplex und umstritten. Beide Seiten unterstellten sich gegenseitig Vertragsbruch. Nach ihren Niederlagen erreichten die Stämme Neuenglands nie wieder die Größe und Stärke, die sie bis etwa Mitte des 17. Jahrhunderts hatten. Dennoch spielten sie im King William’s War (1689-1697), im Queen Anne’s War (1702-1713) und im Britisch-Französischen Kolonialkrieg (1754-1763) eine wichtige Rolle.

Solange Spanien und Frankreich in Nordamerika präsent waren, konnten sich einzelne Stämme mit einem dieser Staaten gegen die Briten, die in ihre Gebiete eindrangen, verbünden. Nach der Niederlage der Franzosen waren die mit ihnen verbündeten Stämme jedoch verstärkt britischem Druck ausgesetzt. 1763 führte Pontiac, der Häuptling der Ottawa, mehrere verbündete Stämme aus der Region der Großen Seen gegen die Briten, um sie aus diesem Gebiet zu vertreiben. Pontiacs Strategie schlug fehl, weil England und Frankreich Frieden geschlossen hatten, weshalb die Indianer keine französische Unterstützung mehr erhielten.

Als sich im Süden die ersten weißen Siedler im heutigen Jamestown (Virginia) niederließen, waren die dortigen, lose miteinander verbündeten Stämme unter Häuptling Powhatan anfangs zur Zusammenarbeit bereit. Allerdings machten die Europäer bald sehr deutlich, dass sie auch auf dem Land der Indianer siedeln wollten. Am 22. März 1622 griffen die Indianer unter Powhatans Nachfolger Opechancanough die englischen Siedlungen an und töteten 350 der etwa 2 000 Siedler. Die Kolonie überstand diesen Angriff und antwortete mit einem Gegenangriff. Der Krieg zwischen Indianern und Siedlern zog sich zehn Jahre hin; dann folgte ein unbeständiger Friede. Am 18. April 1644 wurde die inzwischen gewachsene Kolonie durch einen erneuten Angriff Opechancanoughs fast vernichtet. Nahezu 500 Siedler kamen um. Mit der Gefangennahme Opechancanoughs 1646 durch den Gouverneur Sir William Berkeley endete der Krieg.

Die englische Expansion entlang der Flüsse Virginias hielt bis 1675/76 an. Dann brach in Verbindung mit der Bacons Rebellion wieder ein Indianerkrieg aus. Die Ursachen dieses Krieges lagen in Missverständnissen und lokalen Konflikten. Die Indianer wurden am Ende besiegt, und auch hier gewannen die Stämme ihre frühere Stärke nie wieder zurück. Im Landesinneren und weiter im Süden kam es weiterhin zu Kriegen, z. B. zwischen den britischen Siedlern und den Tuscarora in North Carolina (1711-1713).

In Quebec und im Mississippi-Tal kam es nun auch zu Kriegen zwischen den Franzosen und ihren indianischen Nachbarn, u. a. mit den Natchez im Mississippi-Delta. In der niederländischen Kolonie Neuniederlande (den heutigen Bundesstaaten New York und New Jersey) fielen der Kriegspolitik des Gouverneurs Willem Kieft zwischen 1640 und 1645 fast 1 000 Indianer zum Opfer. 1655 griffen Indianer Neuamsterdam (1664 in New York umbenannt) auf der heutigen Insel Manhattan an und lösten damit einen Konflikt aus, der erst 1664 beendet wurde. Während dieser Zeit unterwarfen die Niederländer fast alle Algonkin-Stämme des unteren Hudson-Tales.

3

Unabhängigkeitskrieg

Bei Ausbruch des Nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieges suchten sowohl die britische Regierung als auch die Aufständischen, die Indianer neutral zu halten. Aber schon bald rekrutierten beide Seiten unter den Indianern Verbündete. Selbst die Irokesen-Konföderation zerbrach, als sich vier der sechs Stämme auf die Seite der Briten stellten. Die Briten warnten die Indianer, dass sie nach einer Niederlage der Briten dem Wohlwollen bzw. der Willkür der Siedler ausgeliefert wären. Im Süden wurden die mit den Briten verbündeten Cherokee, Choctaw und Creek von den Amerikanern und ihren neuen Alliierten, den Spaniern, besiegt. Die Hafenstädte Mobile (im heutigen Alabama) und Pensacola (im heutigen Florida), die seit 1763 unter britischer Verwaltung standen, wurden 1780/81 von der spanischen Flotte gegen britisch-indianischen Widerstand eingenommen. Als die Briten 1783 Saint Augustine räumten, wollten viele ihrer indianischen Verbündeten mit ihnen ins Exil gehen.

Der Friede von Paris (1783), der den Nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieg beendete, erwähnte mit keinem Wort die Indianer, die sich von den Briten verraten fühlten. Und als die USA die indianischen Stämme in den neuen Gebieten westlich der Appalachen als besiegte Feinde behandeln wollten, wehrten sich die Indianer. 1791 musste die Armee des Generals Arthur Saint Clair gegen die Indianer bei Fort Wayne (im heutigen Indiana) eine schwere Niederlage hinnehmen. Aber General Anthony Wayne besiegte schließlich im August 1794 in der Schlacht bei Fallen Timbers (in der Nähe des heutigen Toledo, Ohio) den Miami-Stamm des Old Northwest (des heutigen Mittleren Westen). Der Sieg führte zum Frieden von Greenville (1795), der das Ohio-Tal amerikanischen Siedlern zur Verfügung stellte.

Direkt nach dem Unabhängigkeitskrieg versuchten die Creek und andere Stämme im Südosten, durch Verhandlungen und Kriege ihre Autonomie zu wahren. Dazu baten sie gelegentlich Spanien um Unterstützung gegen die vordringenden Siedler, aber Spanien half den Indianern nur ungern gegen die inzwischen erstarkten Vereinigten Staaten. Im spanisch-amerikanischen Vertrag von San Lorenzo (1795) fanden die Interessen der Indianer erneut keine Berücksichtigung.

4

Der Krieg von 1812

Am Krieg von 1812 zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten beteiligten sich Indianer aus dem Norden und dem Süden. Im Old Northwest beschworen Tecumseh, Häuptling der Shawnee, und sein Bruder Tenskwatawa die Indianer, zu ihren alten Traditionen zurückzukehren und sich der von den Weißen vertretenen Auffassung zu widersetzen, wonach einzelne Stämme Land aus dem gemeinsamen Erbe aller Stämme verkaufen könnten. Der Gouverneur des Territoriums Indiana, William Henry Harrison, den Tecumseh 1810 warnte, weitere weiße Siedlungen auf indianischem Land zuzulassen, zerstörte 1811 Tecumsehs Hauptquartier bei Prophetstown. In der Schlacht am Tippecanoe musste Harrison große Verluste hinnehmen, konnte die Indianer aber schließlich aus ihrem Dorf vertreiben. In der Folge stellten sich die Indianer im Britisch-Amerikanischen Krieg auf die Seite der Briten. Tecumseh fiel in einer Schlacht gegen Harrisons Männer im Oktober 1813. Nach Tecumsehs Tod schlossen die Delaware, die Miami, die Ojibwa (auch Chippewa genannt) und die Wyandot Frieden mit den Amerikanern.

Im Süden begann der Britisch-Amerikanische Krieg mit einem Aufstand der Creek bei Fort Mims in Alabama. Die Indianer brachten fast alle Siedler im Fort um. Allerdings waren die Creek hoffnungslos in zwei Lager gespalten, in Kriegsbefürworter und in Kriegsgegner. Der Befehlshaber der Bürgerwehr von Tennessee, Andrew Jackson, nutzte dies aus und stieß in das Kernland der Creek vor. Am 27. März 1814 errangen seine Truppen in der Schlacht bei Horseshoe Bend einen deutlichen Sieg. Der Friede von Fort Jackson (1814) markierte das Ende indianischer Macht am unteren Mississippi.

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