Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Martin Heidegger", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren.
Verwandte Elemente
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Martin Heidegger

Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse
Seite 2 von 2

Martin Heidegger

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Martin HeideggerMartin Heidegger
Artikelgliederung
2.3

Spätwerk

Heideggers philosophische Analyse der menschlichen Existenz, der „Condition humaine”, folgt der für die Zeit nach dem 1. Weltkrieg verbreiteten Weltanschauung einer „Dekadenz der Moderne”, wie sie u. a. bei Oswald Spengler, José Ortega y Gasset und Paul de Man ausgeprägt ist. Diese an Nietzsche angelehnte Deutung der Gegenwart als Massengesellschaft, die bei Heidegger auch sprachlich ein „Pathos der Distanz” (Nietzsche) mit sich trägt, war einer der Gründe für Heideggers Popularität und Wirkung.

Nach Sein und Zeit begann der Prozess, den Heidegger selbst seine „Kehre” nannte. Da er das menschliche Dasein und seine existentielle Situation ausreichend durchdacht und beschrieben glaubte, wandte er sich nun dem Sein selbst zu, das er nicht nur in der Philosophie, sondern in der ganzen modernen Kultur sträflich vernachlässigt fühlte. Was den Menschen zum Beherrscher der Welt gemacht habe, habe ihn vom Sein entfernt: Die Geschichte der Metaphysik, besonders in der Neuzeit und Moderne, sei seit Descartes rationalistisch auf die Beherrschbarkeit der Welt hin ausgerichtet und daher technisch und wissenschaftlich orientiert. Durch die Vorherrschaft der Technik werde die Welt zwar kontrollierbar und beherrschbar, zugleich aber auch „un-heimlich” und verliere ihren Charakter, Heimat für den Menschen zu sein.

Im Brief über den Humanismus bezieht sich Heidegger daher überraschenderwesie auch positiv auf den Begriff der Entfremdung, wie Marx ihn geprägt hatte: „Die Heimatlosigkeit wird ein Weltschicksal. Darum ist es nötig, dieses Geschick seinsgeschichtlich zu denken. Was Marx in einem wesentlichen und bedeutenden Sinne von Hegel her als die Entfremdung des Menschen erkannt hat, reicht mit seinen Wurzeln in die Heimatlosigkeit des neuzeitlichen Menschen zurück.”

In den Vorträgen Die Frage nach der Technik und Die Kehre von 1949/50 lässt Heidegger aber auch an der modernen Technik noch „Rettendes” und nicht nur Zerstörerisches erkennen. Dies geschehe aber nur dann, wenn der Mensch sich der in der Technik lauernden Gefahr bewusst werde, der von ihrem Allmachtsanspruch ausgehe, das Monopol auf Erkenntnis zu besitzen; dieser führe dazu, sie – wie es in einer verwissenschaftlichten Kultur der Fall ist – als die einzige Art und Weise des „Entbergens” wahrzunehmen.

Durch das Erkennen dieser Gefahr aber gelinge die Überwindung solcher positivistischen Scheuklappen und führe den Menschen dazu, sich erneut mit dem Sein zu beschäftigen. Als einen besonderen Zugang zum Sein verstand Heidegger von daher nun die Sprache und forderte für die Philosophie ein an der Dichtung ausgerichtetes Denken.

3

Wirkung

Heideggers besonderes Interesse für die philosophischen Themenkreise Endlichkeit, Tod, Nichtigkeit und Authentizität lässt ihn dem Kreis der Existenzphilosophie zugehören, zumal seine Ideen stark auf deren Hauptvertreter, namentlich auf Jean-Paul Sartre, weiterwirkten.

Seine bedeutendsten Schüler und Nachfolger sind Karl Löwith und Hans-Georg Gadamer, dessen hermeneutischen Standpunkt er prägte (Hermeneutik). In der Theologie beeinflusste er besonders Karl Barth, Rudolf Bultmann und Karl Rahner. Seit den sechziger Jahren nahm Heideggers Einfluss ständig zu. Bald wirkte die Lehre des Philosophen über die Grenzen Deutschlands hinaus, insbesondere in Frankreich, den USA, Japan, Italien und Spanien.

Die so genannte Budapester Schule um Agnes Heller, eine Schülerin von Georg Lukács, der in seinem Werk Die Zerstörung der Vernunft (1954) Heidegger einer sehr harten Kritik unterworfen hatte, versuchte Heideggers Analyse der Massengesellschaft mit dem Marxismus zu verbinden; ihr Ziel war dabei, Heideggers Kritik der modernen Kultur und der Deformation des „Daseins” in eine Kritik an den modernen Gesellschaftszuständen und der Entfremdung wie Verdinglichung des Menschen zu überführen, ähnlich wie auch Sartre dies in seiner Critique de la raison dialectique (1960/1985; Kritik der dialektischen Vernunft) versucht hatte.

Von der Frankfurter Schule wurde Heidegger stark kritisiert, insbesondere durch Theodor W. Adorno in seinem sprachkritischen Werk Jargon der Eigentlichkeit (1964). Heideggers „esoterische” Kunstsprache täusche Tiefe nur vor und weise einen deutlichen Zug zum Autoritarismus auf.

Zurück
|
Nächste
In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2009 Microsoft