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Sprechen und SprachstörungenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Stimme; Artikulation; Sprachfähigkeit und andere Faktoren; Sprachstörungen; Sprachtherapie
Da das Sprechen eine erlernte Tätigkeit ist, kann man davon ausgehen, dass Beeinträchtigungen der Lernfähigkeit auch zu Sprachstörungen führen. Die häufigsten Ursachen solcher Störungen sind bestimmte Neurosen und Psychosen, geistige Behinderungen bzw. angeborene oder später entstandene Gehirnschäden. Die Artikulation kann durch körperliche Behinderungen gestört sein, z. B. durch eine Gaumenspalte, Zerebralparese („Hirnlähmung”) oder Hörverlust. Auch Lähmungen von Teilen des Artikulationsapparats können zu einer Verschlechterung der Artikulation führen. Weitere Ursachen von Störungen sind die unbewusste Nachahmung schlechter Sprachvorbilder und die unzureichende Wahrnehmung akustischer Reize. Stimmstörungen, auch Dysphonien genannt, können durch Erkrankungen oder Verletzungen des Kehlkopfes entstehen, aber auch durch körperliche Anomalien wie die unvollständige Entwicklung der Stimmbänder oder andere angeborene Stimmbanddefekte. Die häufigste Ursache ist aber die ständige Überanstrengung des Stimmapparats, entweder durch übermäßige Beanspruchung oder durch falsche Stimmproduktion: Die Folgen sind unter Umständen krankhafte Veränderungen wie Knötchen oder Verdickungen bzw. Schwellungen an den Stimmbändern. Störungen von Sprechgeschwindigkeit und Sprechrhythmus haben in der Regel psychische oder neurologische Ursachen. Ein erwähnenswertes Beispiel für einen solchen neurologischen Defekt ist die Parkinson-Krankheit.
Der Sprachtherapeut (Logopäde) ist dazu ausgebildet, die verschiedenen Störungen von Sprachfähigkeit, Sprechen und Stimme zu erkennen und zu behandeln. Da eine Sprachstörung ihre Ursache oft in körperlichen, neurologischen oder psychischen Störungen hat oder mit solchen Störungen im Zusammenhang steht, arbeitet der Logopäde häufig mit anderen Spezialisten zusammen, so z. B. mit Neurologen, Hals-Nasen-Ohren-Ärzten, Fachärzten für Psychiatrie, Psychologen oder Sozialarbeitern. Sprachstörungen, die auf Erkrankungen, Verletzungen oder körperliche Fehlbildungen zurückgehen, gehören in den Zuständigkeitsbereich der Ärzte, insbesondere der Chirurgen. Sind diese Beeinträchtigungen behoben, beginnt die Arbeit des Logopäden: Er bringt dem sprachbehinderten Patienten bei, Sprache genau zu hören und zu verfolgen, in sprachlichen Begriffen zu denken und Sprechbewegungen, die durch Koordinationsmängel oder emotionale Störungen beeinträchtigt sind, besser zu kontrollieren. Da eine Beeinträchtigung der Hörfähigkeit (siehe Taubheit) Menschen daran hindert, Sprachmuster und Laute nachzuahmen und die eigenen Fehler zu bemerken und zu korrigieren, besteht eine der wichtigsten Diagnosemethoden des Therapeuten darin, die Hörfähigkeit zu messen. Zudem sind intellektuelle Leistungen und die Fähigkeit zum Umgang mit Sprache eng verknüpft – somit muss ein Therapeut auch wissen, wie sich die Intelligenz bei einem Kleinkind entwickelt. Die bekannteste emotional bedingte Sprachstörung ist das Stottern; seine Ursache ist oft Angst. Mit einem Sprachübungsprogramm versucht der Logopäde, diese Beeinträchtigung abzubauen. Wenn nötig, wird dabei auch ein Psychologe hinzugezogen, und in extremen Fällen müssen unter Umständen psychotherapeutische Methoden angewandt werden.
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