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RenaissanceEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Besonders nach den Erstübersetzungen der Werke der Ärzte Hippokrates und Galen im 15. und 16. Jahrhundert erzielte man auch in der Medizin und der Anatomie bedeutende Fortschritte. Im 16. Jahrhundert wurden einige der wichtigsten, grundlegenden griechischen Abhandlungen zur Mathematik übersetzt und, darauf aufbauend, z. B. die Lösung mathematischer Gleichungen dritten Grades gefunden. Und auch die Erkenntnisse der Astronomen Nikolaus Kopernikus, Tycho Brahe und Johannes Kepler gingen noch weit über die Vorgaben aus der Antike hinaus. Ende des 16. Jahrhunderts wandte Galilei in einem entscheidenden Schritt mathematische Modelle auf die Physik an. Die Geographie wurde durch das neue empirische Wissen revolutioniert, das man durch Forschungsreisen außerhalb Europas gewann, sowie durch die Übersetzungen der Werke der griechischen Geographen Ptolemäus und Strabo. Die Erfindung der Buchdruckerkunst im 15. Jahrhundert schuf schließlich die Voraussetzungen für die Verbreitung des neu erworbenen Wissens. Der Einsatz von Schießpulver ab Mitte des 15. Jahrhunderts revolutionierte die Kriegsführung. Die Artillerie war gegen die Steinmauern der Burgen und Städte auf verheerende Weise wirkungsvoll. Die Reitertruppen und Bogenschützen der mittelalterlichen Heere wurden allmählich durch Fußsoldaten mit tragbaren Feuerwaffen ersetzt. Sie bildeten die ersten stehenden Heere Europas.
Die Rechtswissenschaft bewegte sich zunehmend von der abstrakten dialektischen Vorgehensweise mittelalterlicher Juristen weg hin zu einer philologischen und historischen Interpretation der Quellen des Römischen Rechtes. Nach den in der mittelalterlichen Staatsphilosophie besonders wichtigen Themen Freiheit, Recht und Gerechtigkeit wurden nun Sicherheit und Frieden zu den zentralen Gegenständen des politischen Denkens. Die italienischen Stadtstaaten entwickelten sich während der Renaissance zunehmend zu Territorialstaaten, deren Bestreben es war, das jeweils eigene Territorium auf Kosten der anderen Staaten auszudehnen. Territoriale Konsolidierungsprozesse fanden gleichzeitig auch in Deutschland, Spanien, Frankreich und England statt. Unterstützt wurden diese Prozesse durch eine moderne Diplomatie, die als politisches Instrument neben der neuen Kriegsführung ihren Platz fand.
Der Klerus, vor allem der höhere, richtete sich in der Renaissance zunehmend an der Moralvorstellung und der Ethik der Zivilgesellschaft aus. Päpste, Kardinäle und Bischöfe waren in ihrem Handeln kaum von weltlichen Kaufleuten und Politikern zu unterscheiden. Das Christentum blieb aber weiterhin ein zentrales Element der Kultur. Prediger wie Bernhardin von Siena und Theologen und Prälaten wie Sant’Antonino von Florenz wurden von einer großen Anhängerschar verehrt. Darüber hinaus beschäftigten sich viele Humanisten mit theologischen Fragen und übertrugen das neue philologische und historische Gedankengut auch auf das Studium und die Interpretation der frühen Kirchenväter. Der humanistisch geprägte Blick auf Theologie und Heilige Schrift, wie er sich in den Werken des italienischen Dichters Petrarca bis hin zu dem niederländischen Humanisten Erasmus Desiderius findet, hatte großen Einfluss sowohl auf den Katholizismus als auch auf den Protestantismus.
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